Bemerkenswert

Die Geschichte eines Bimobiles, welches beinahe namenlos geblieben wäre und nun auf den wunderbaren Namen Hektor hört auf seinem Weg durch Südamerika und weiter.

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

The first step is the deepest…..

..das dachten wir am Anfang des Jahres, als wir zu unserer ersten 4 monatigen Tour durch den südlichsten Zipfel Südamerikas aufbrachen (sh. Blogbeitrag 1-16).

Zwischenzeitlich wissen wir, dass es ganz wunderbar ist, durch diesen herrlichen Kontinent zu reisen und von daher haben wir uns entschlossen, jetzt als Ruheständler weitere Kreise zu ziehen.

Nach großartigen 5 Monaten in der Heimat, hat uns das Reisefieber wieder erwischt und wir starten zur Tour 2 – der Norden von Argentinien, der Süden von Bolivien und der Norden von Chile – das sind die erklärten Ziele.

Viel Spass beim Lesen der einzelnen Blogbeiträge.

(Tour 2 – ab Blogbeitrag Nr. 17)

 

 

 

 

Teil 26: Farmleben; der Aconcagua; Reunion in Maipu; Gartenzwerge in Argentinien

Bevor wir uns wieder nach Argentinien aufmachen, wollen wir noch die 2 Voluntäre treffen, welche wir Anfang des Jahres bei Luzie in Uruguay getroffen haben. Diese Beiden haben zwischenzeitlich eine ca. 3.000 qm große Farm incl. 8 Pferde, 4 Hunde, 3 Katzen und div. Gänsen und Hühnern übernommen. Der Inhaber, ein Deutscher, hat aus persönlichen Gründen vor ca. 7 Monaten das Gelände einer 20-jährigen dänischen Voluntärin alleine in die Verantwortung gegeben, wofür Sie sich im Gegenzug für 2 Jahre verpflichtet hat, vor Ort zu bleiben. Die Belohnung war auch ein Hundebaby. 4 Monate später wurden die uns bekannten Voluntäre als „Manager“ engagiert – Gehalt: 100 USD pro Monat plus 40 Dollar für Essen pro Monat. Weiterhin sind noch 2 weitere 18-jährige deutsche Mädels vor Ort, welche sich gerne möglichst nur um die Pferde kümmern würden. Das Gelände ist -nach europäischen Standards- in einem desolaten Zustand und zunächst glauben wir nicht, dass wir die Einfahrt überhaupt mit unserem Wagen hochkommen. Überall liegen Pferdeäpfel und Gänseköttel etc. herum und wir lassen uns belehren, dass dies auch so bleiben soll, um die Erde zu düngen. OK !?, ist aber trotzdem irgendwie unangenehm, permanent in irgendetwas hinein zu treten. Die Stimmung ist zwischen den Voluntären spannungsgeladen und wir halten uns soweit wie möglich von der Truppe entfernt. Wir kochen und essen einmal zusammen und Uwe macht einen schönen Geländeausritt mit – doch das soll es auch sein. Nach 3 Tagen verlassen wir diesen heißen Flecken Erde und brechen auf Richtung Argentinien.

Die Anden queren wir diesmal über den wohl bekanntesten und frequentiertesten Pass zwischen den beiden Ländern, welcher auf einer Höhe von 3.000 m liegt -Paso de Redentor-. Steil geht es auf der chilenischen Seite vom Pazifikniveau in über zwei Dutzend Spitzkehren hoch und belohnt werden wir dann mit einem Stellplatz mit direktem Blick auf den schneebedeckten höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua mit einer Höhe von nahezu 7.000 Meter. Nach einer unruhigen Nacht (wir können uns einfach nicht daran gewöhnen, in der Höhe zu schlafen) wandern (wandeln) wir ein wenig auf den Spuren von Reinhold Messner und erfreuen uns an der Tatsache, dass wir den Berg und seine Spitze tatsächlich klar sehen. Denn dies ist keineswegs selbstverständlich und wir erinnern uns noch an unsere schlechten Erfahrungen mit dem „schüchternen“ Kilimandscharo, der sich vor uns leider  immer in den Wolken versteckte.

Doch dann müssen wir auch schon weiter, da wir eine Verabredung mit Bille und Thomas in Maipu – dem Weinort – haben. Wir wollen noch einmal gemeinsam eine Bodega unsicher machen, Billes Geburtstag nachfeiern und überhaupt noch Zeit gemeinsam verbringen, bevor sich unsere Wege dann doch für längere Zeit trennen. Pünktlich wie deutsche Maurer erreichen wir die Bodega Mevi – die wir leider gar nicht mehr weiter empfehlen können und haben die nächsten Tage gemeinsam viel Spaß.

Leider können wir irgendwann nicht mehr die Tatsache leugnen, dass wir in Richtung Osten den Kontinent queren müssen, um in 14 Tagen dann in Buenos Aires in den Fliegen gen Heimat zu steigen, nachdem wir Hektor für seinen „Winter/Sommer-Ruheplatz“ in Uruguay fit gemacht haben.

Bevor wir dies tun, tummeln wir uns noch ein wenig in den Cordolieren um Cordoba. Wir wandern einen ganzen Tag und sehen Kondoren bei den ersten Flugversuchen zu, besuchen die wohl deutscheste Stadt Argentiniens inkl. Oktoberfest und überhaupt wundern wir uns mal wieder, wie unglaublich vielseitig dieses Land ist. Hier, rund um Cordoba, ist alles saftig grün, die Wohnverhältnisse entsprechen deutschen Vorstädten (mit Gartenzwergen im Vorgarten) und überhaupt erinnert uns viel an das Alpenvorland. Nicht unbedingt etwas, weswegen Deutsche nach Argentinien reisen würden, was aber für Argentinier offensichtlich einen großen Reiz ausübt, denn hier ist die drittgrößte Urlaubsregion Argentiniens. Doch auch diese müssen wir irgendwann verlassen und uns auf staubige Strassen begeben zwecks langer Fahrt zu Silvia und Heinz in Uruguay.

Nach fast 3 Monaten reicht es uns jetzt auch mal wieder. Zu Hause ist Vor-Weihnachtsstimmung – mit Weihnachtsmarkt und Co. – und auch wenn wir unseren Hektor ein wenig schmücken, mir fehlt etwas. Die richtige Stimmung will bei 25 Grad und Sonnenschein einfach nicht aufkommen. Die mit Plastik-Weihnachtsbäumen geschmückten Geschäfte sehen unnatürlich aus – und : Wir waren in 2018 jetzt fast 7 Monate in Südamerika unterwegs und haben wunderbare Erlebnisse geteilt und wunderschöne Landschaften besucht; nun ist die Zeit wieder reif, Familienleben zu geniessen, mit Freunden zu lachen und zu weinen, Sport zu treiben und all die anderen Sachen zu tun, die wir uns vorgenommen haben. Auch das Wetter will nicht mehr so richtig mitspielen. Es regnet immer mal wieder und somit wird der Abschied endgültig eingeläutet. Wenn wir jetzt Hektor abstellen werden, werden wir ca. weitere 10.000 km durch Südamerika gefahren sein und in den 3 Monaten -mit Ausnahme von 7 Übernachtungen- immer in der freien Natur übernachtet haben. Wir sind glücklich und zufrieden mit unserer Entscheidung, unsere Weltreise mit Hektor hier in Südamerika begonnen zu haben.

Und wie geht es weiter? :  Hektor bleibt in Uruguay und nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Wir haben schon jetzt den nächsten Trip -Richtung Brasilien- im Kopf und werden sicherlich bald mit der Detailplanung beginnen.

Teil 25: immer noch Chile, immer noch Pazifik, La Serena, Tongoy, Valparaiso

Was man so alles an der fast 5.000 km langen chilenischen Küste erleben kann:

  1. Zunächst einmal kann man ganz wunderbar Geburtstag feiern; mit Kaffee, Kuchen, Kerzen und einer drei Kilo schweren Dorade. Wir sind mit Bille und Thomas an der Playa de Virgin, dem angeblich schönsten Strand Chiles angekommen und geniessen trotz des unwirschen Campingplatzbetreibers diesen Tag. Erstaunlich ist nur, was sich Frauen und Männer von einem Playa de Virgin erhoffen. Bille und ich setzen auf blaues Wasser und wenig Wind, die Herren sind in gespannter Erwartung, der sich vermeintlich am Strand aalenden Jungfrauen. Das war wohl leider nichts.
  2. Wer hier in der Region Meeresfrüchte-Paella bestellt, sollte darauf vorbereitet sein, dass es 2- 3 Körner Reis und gaaaaaanz viel unterschiedliche Meeresgetier gibt. Soviel davon auf einmal, hat selbst Uwe noch nie auf seinem Teller gesehen, geschweige denn gegessen.
  3. „Missing Green“ – bis nach La Serena sind wir keinem Baum, keiner Blume, keiner Farbe außer allen Ockertönen begegnet. Halt Wüste und Wasser, sonst nichts. Gibt es noch so etwas wie grün? Nachdem wir den Touri-Ort La Serena hinter uns gelassen haben, ebbt die Wüste so ganz allmählich ab und wir können endlich ganz vereinzelt bestellte Felder erkennen. Dies wird immer intensiver, je weiter wir in den Süden fahren und dann ist es endlich soweit – wir sehen seit langem mal wieder Bäume!
  4. Verkehrte Welt: An der Küste ist es morgens oft bewölkt und kalt, um die 12 Grad. Erst wenn die Sonne die Kraft hat den Nebel/Dunst zu lichten, wird es bis zu 20 Grad warm. Wenn man es mal so richtig warm haben will, fährt man hier in die Berge. Hier ist nur wenig Wind, kein Nebel und wunderbare 30 Grad. Und im Übrigen – nein, baden können wir Deutschen hier nicht. Dazu sind wir nicht ausreichend abgehärtet, dass machen max. chilenische Kinder. Der Pazifik ist für Blauwale und Co. da, nicht für uns. Auch wenn wir immer mal wieder faszinierende, zum Teil fast schneeweiße Sandstrände erleben, meistens ist die Küste geprägt von Klippen und starker Brandung.
  5. Wir sind ständig auf der Suche nach Wasser für Hektor; während wir in Argentinien fast immer an den Tankstellen unseren Wassertrank problemlos füllen können, ist dies hier in Chile problematisch. Während wir mal wieder durch einen kleinen Ort cruisen und neidisch auf die Sprinkleranlagen des öffentlichen Parks schauen, fährt plötzlich ein Auto neben uns, hupt und der Fahrer fragt uns zunächst in Spanisch und dann im gebrochenen Englisch, ob wir etwas benötigen würden. Wir sagen Wasser. Er sagt kein Problem, wir sollen mit zu ihm zu seinem Haus kommen. Wir erhalten Wasser, eine neue Autokarte für Chile, lernen alle Leute in der Umgebung kennen und freuen uns Ricardo getroffen zu haben, der Biker ist und gerne mit Ausländern unterwegs ist. Das ist gelebte Gastfreundschaft. Kann man so etwas in Deutschland erleben?
  6. Unsere Tour führt uns zu einem kleinen, abgelegenen Strand in einem Fischerort. Wir stehen zwischen den Booten und geniessen den Blick aufs Wasser, bis ein Fischer auf uns zukommt. Dieser kann die Sprachbarriere dermaßen gut durch Pantomime durchbrechen, dass wir nach gut 1 Stunde wissen, dass er a) 30 Jahre verheiratet ist und seine Frau noch immer liebt b) er 5 Kinder hat (die Namen habe ich vergessen) c) in dem Ort viele junge Männer wohnen, die abends gerne feiern, d) wir bereits eobachtet werden und e) es hier nicht sicher ist zu übernachten. Wir bedanken uns und fahren – trotz bereits fortgeschrittener Uhrzeit – wieder los. So einen Hinweis wollen wir lieber ernst nehmen.
  7. Blauwale und Humboldt-Pinguine soll man hier an der Küste bzw. auf den vorgelagerten Inseln sehen können. Aufgrund von Nebensaison müssten wir leider ein ganzes Boot alleine bezahlen und da auch noch starker Nebel am Morgen aufgezogen ist, sehen wir weder das eine noch das andere.
  8. Die besten Dinge im Leben können einen ganz unvorbereitet treffen: Wir besuchen einen kleinen Ort namens Tongoy, als die Fischer Ihren Tagesfang verarbeiten. Dies läßt nicht nur die Herzen der menschlichen Besucher, sondern auch vor allen Dingen der tierischen Besucher hochschlagen. Neben Möwen, Pelikanen warten auch mindestens 4 Seelöwen auf die anfallenden Fischabfälle. Ein Bild für die Götter, insbesondere wie die Pelikane die ganzen Fischköpfe in ihren riesigen Schnabelsack hebeln und in eins hinunterwürgen.
  9. Das größte touristische Observatorium in Chile lohnt keinen Besuch. Hier in Chile gibt es weltweit die allerbesten Bedingungen Sterne zu sehen. Nirgends ist die Luft klarer und es gibt so wenige störende Lichtquellen. Doch das Observatorium „Cruz de Sur“ an einem Tag zu besuchen, wenn Vollmond ist, ist auf jeden Fall keine gute Idee. Dieser überstrahlt mit seiner Brillanz alle anderen Sterne/ Planeten und auch durch das Teleskop sehen wir die Planeten und Nebel nur sehr, sehr klein. Da muss es noch etwas anderes geben.

So, in genau 4 Wochen ist Weihnachten und wir werden uns ab morgen wieder Richtung Uruguay aufmachen. Ein ganzer Kontinent ist noch zu durchqueren. Wir hatten hier an der chilenischen Küste eine unglaublich gute Zeit. Wir haben in der ganzen Zeit nichts für unsere Übernachtungsplätze bezahlen müssen und konnten doch trotzdem fast jeden Tag mit Meeresrauschen einschlafen. Leider sind all diese wunderbaren, naturbelassenen Plätze mehr oder weniger vermüllt. Zwar stöhnen wir auf hohem Niveau. Sicherlich wird es schwierig sein, irgendwo anders auf der Welt vergleichbare Stellplätze zu finden, die nicht von Hotels zugebaut sind. Dennoch, es wäre schön, wenn auch hier in Chile die Menschen ihre wunderbare Natur etwas mehr zu schätzen wüssten und ihren Müll mitnehmen könnten.

Ach ja, und dann haben wir noch eine Kommunion erlebt und in der etwas heruntergekommendem Hafenstadt Valparaiso die wunderbaren Strassenmalereien bewundert.

Bald mehr, wenn wir wieder in Argentinien sind.

Teil 24: wüste Wüste; Atacama Wüste; endlich am Pazifik -Chile!

Von nun an geht es bergab mit uns. Wir haben nur noch ein Ziel – endlich Urlaub machen am Pazifik. Nur noch 3.000 Höhenmeter und eine der trockensten Wüsten dieser Erde trennen uns. Wir wollen und müssen uns von den vielen Eindrücken der letzten Wochen erholen.

Einmal durch die Atacama-Wüste zu fahren, war mein lebenslanger Traum. Wer hätte gedacht, dass wir jetzt bereits eine ganze Woche durch diese riesige Wüste fahren und immer noch staune ich und versuche, die unendliche Weite mit meiner Kamera einzufangen. Immer wieder verändert die Wüste ihr Erscheinungsbild; mal sandig weiß, mal schmutzig rostbraun, mal steinig, mal flach und dann wieder durchzogen von steilen Felsformationen.

Auf den ersten Blick sieht alles tot aus, eine Kulisse für jeden Endzeitfilm. Doch diese Wüste lebt – zwar wachsen hier max. ein paar Kakteen – aber es ist eine riesige Männer-Sandkiste. Hier gibt es nicht nur die größte Kupfermine der Welt, sondern auch noch gaaaanz viele kleine Minen. Es ist wie ein Bienenstock. Überall sieht man die roten Pickups der Minenarbeiter. Der gesamte Erdbereich ist kartografiert, umgebuddelt und überall gibt es bunte Abraumhalden oder Löcher/Zufahrten in die Berge.

Bei der Durchfahrt durch die Wüste sehen wir riesige Fabrikanlagen mitten im Nichts stehen. Wir wundern uns und wüßten gerne, was hier weiterverarbeitet wird. Da wir mal wieder auf Internet Diät sind, wird es noch ein wenig länger ein Geheimnis bleiben.

Überhaupt wundern wir uns über Chile. Im Vergleich zu Bolivien und Argentinien ist Chile deutlich industrialisierter bzw. nach europäischer Lesart entwickelter. Hier gibt es Fussgängerwege, Ampeln – die beachtet werden, Häuser mit Wasser- und Stromanschluss, Supermärkte, die mit unserem Märkten konkurrieren könnten – hier im Norden geht es vielen Chilenen sichtbar gut.

Dann haben wir endlich den Übernachtungsplatz erreicht. Einer – der bestimmt in die Top 10 – kommt. Ein Mirador, von dem wir erstmals den Pazifik im Abendlicht schimmern sehen können. Wir sind sehr begeistert. Ein wirklicher Traumplatz.

Und am nächsten Tag haben wir es dann nach 3 Tagen endlich geschafft. Wir sind am Wasser angekommen und kurven die nächsten Wochen jetzt nur noch in max. 100 km Abschnitten an der chilenischen Küste entlang. In der Nähe von Taltal fahren wir an einen Strand, an dem die Wüste den Pazifik küsst und wir seit sehr langer Zeit gleich zwei andere Overlander stehen sehen. Da diese direkt auf dem Strand stehen, setzt der Lemminge Effekt ein und wir fahren ohne weiter nachzudenken auch auf den deutlich zu tiefen Sand … und bleiben natürlich stecken.

„Einfach mal Luft ablassen“ – ist ein guter Tip des mitreisenden Chef-Juristen für den nächsten Tag. Bille und Thomas, die mit ihrem IVO dem Schrecklichen bereits 1 1/2 Jahre unterwegs sind, kommen auch nicht darum, diesen Tip zu beherzigen, so dass wir letztlich alle wieder die Sandpassage zurück kommen. Ein Grund zu feiern und schon beschließen wir, noch einen Tag gemeinsam zu verbringen. Wir verstehen uns auf Anhieb und haben viel Spaß. Noch mehr Spaß hätten wir vielleicht gehabt, wenn die Fischer vor Ort uns Fisch verkauft hätten – aber für uns vier gibt es keinen Fisch ! Dann halt Nudeln. Das geht immer.

Da beide Teams in die gleiche Richtung fahren wollen, ist bald klar, dass wir uns bestimmt noch einmal wieder treffen – und so passiert es dann auch.

Teil 23: Magisches Uyuni, versalzener Hektor, Ollague- Chile

Obwohl ich mich schon früh am morgen übergeben muss, brechen wir auf nach Uyuni, um die größte Salzwüste dieser Welt zu erobern:

Circa 10.000 Quadratkilometer. Die Stadt Uyuni selbst ist ernüchternd, wie all die anderen Städte, die wir vorher gesehen haben. Tiefe Schlaglöcher säumen die Strasse, lieblos ein paar Hotels, nichts, was einen zum Anhalten einlädt. Der Bahnhof könnte bei dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ der Hauptakteur gewesen sein. Weiter geht es.

Wo ist die Salz-Wüste? Auf 3.600 Meter ü.M. sehen wir eine grosse weisse Fläche immer näher kommen; und dann ist es endlich so weit. Wir sind auf der SALAR. Nur wenige Fahrspuren weisen uns einen möglichen Weg. Zunächst zieht es uns aber in das bekannte Salzhotel (die wesentlichen Bauteile sind aus reinem Salz gefertigt) und siehe da – Zivilisation, an einem Ort, an dem wir es nun wirklich nicht erwartet hätten. Das Hotel hat alles, was sich ein europäischer Tourist wünschen würde. Wir werden sogar zu einem  Kaffee eingeladen und bewundern einfach nur das geschmackvolle Interieur sowie die tolle Aussicht auf die Salar.

Doch nach dieser kleinen Stärkung geht es endlich in die weisse Wüste; Salz soweit das Auge reicht. Wir halten an und machen das, was fast jeder hier macht: Perspektiv-Fotos. Reine Magie, die die Wüste für uns bereit hält. Oft belächelt, aber wir finden es großartig. Wir haben wirklich viel Spaß und die Zeit rennt. Uns ist klar, dass wir an einem einmaligen Ort unserer kleinen Welt angekommen sind. So einen Ort werden wir wohl nie wieder sehen. Alles ist so unreal. Wir versuchen mit all unseren Sinnen soviel wie möglich aufzunehmen und zu speichern.

Je weiter wir in die Mitte der Wüste vordringen, desto mehr blauschimmernde und mit Wasser gefüllte Löcher erscheinen in der sogenannten„Strasse“. Wir steigen aus und erkennen, dass wir uns hier einen fetten Fahrzeugschaden holen können, wenn wir es nicht schaffen an diesen Löchern vorbei zu kurven. Die Fahrt wird auf einmal richtig anstrengend. Und aufgrund des feuchter werdenden Untergrundes versalzt unser Hektor heftig.

Die sog. Inseln, die es in der Salar gibt, besuchen wir auch, doch hier herrscht Tourismus pur. Alle Tourveranstalter kommen hierher, bieten Essen und Trinken – und vor allen Dingen Toiletten an. Wir brauchen das alles nicht, bewundern noch kurz die Tatsache, dass es hier sogar einen regelmäßigen Busdienst und gibt und fahren weiter. Kurz vor 17 Uhr finden wir einen Punkt – mitten im Weiss – auf der wir trotz Wind einfach stehen bleiben und nächtigen wollen. Wir wollen den Sonnenuntergang und den Sonnenaufgang direkt auf der Salzwüste erleben. Und genau das tun wir dann auch. Nachts wird es empfindlich kalt -unter 1 Grad-, doch sobald sich die Sonne zeigt, steigt das Thermometer auch wieder auf 13 Grad und mehr. Ein unvergesslicher Tag.

Leider geht es mir überhaupt nicht besser, so dass Uwe den schnellsten Weg in den Süden (sprich in die Tiefe) sucht. Wir nehmen den Südausgang des Parks (bezahlen selbstverständlich auch noch einmal dafür, dass wir den Park verlassen) und fahren dann ca. 3 Stunden u.a. durch ein  riesiges ausgetrocknetes Flussbett, entlang mehrerer über 5.000 Meter hoher Vulkane und wüstenhafter Landschaften Richtung Chile.

Ollague – so heißt der Grenzort;  irgendwo am Ende dieses einsamen Weges durch grandiose Natur soll die Zivilisation auf uns warten. Ich kann kaum an etwas anderes denken. Abgekämpft, aber gerade noch rechtzeitig erreichen wir endlich die Grenze um 12.28 Uhr. Um 12.30 schließt die bolivianische Seite und was macht der bol. Grenzer? Er hält uns einen Vortrag, dass man ohne einen entsprechenden Einreisestempel nicht ausreisen darf. Doch diesen können wir leider nicht vorweisen. Mit „Freude“ erinnern wir uns an die Eis essenden Grenzer, die einfach keine Lust hatten, uns einen Stempel in den Reisepass zu drücken. Doch es ist Siesta-Zeit und ohne weitere Fragen haut er uns schließlich einen Stempel in unseren Pass, als seien wir erst in Bolivien angekommen. So what. Es reicht um nach Chile zu kommen.

Wir freuen uns wirklich über die Ankunft in Chile. Schon auf der Hälfte der Strecke im sogenannten Niemandsland sehen wir nach langer Zeit wieder – ASPHALT-. Doch mit den chilenischen Grenzern ist nicht gut Kirschen essen. Wir kennen das ja schon von unserem letzten Trip. Es wird aus unserer Sicht relativ willkürlich alles mitgenommen, was man im Kühlschrank hat. Da wir ja eigentlich über die 3-5-tägige Lagunenroute nach Chile wollten, ist unser Kühlschrank unerwartet voll mit bestem argentinischen Rinderfilet und vielen anderen Dingen. Alles wird uns abgenommen, Obst, Gemüse, Milch, Käse und das Fleisch. Erstmals wird auch vorne das Auto durchsucht und der Grenzer hätte wohl gerne zum Fleisch auch noch ein paar Flaschen argentinischen Rotweins. Auf jeden Fall wird mehrfach moniert, dass wir eigentlich zu viel Wein dabei hätten. Doch um diesen kämpfen wir – und dürfen ihn dann auch behalten.

Nun haben wir nur noch ein Ziel- möglichst einen Platz finden auf unter 3.000 Meter Höhe. Wir fahren stundenlang geradeaus nach unten. Kurven gibt es hier nicht. Einfach nur nach unten, pfeilgerade – vorbei zunächst durch eine weitere großartige Vulkanlandschaft und vielen kleinen Salzwüsten.

Wir finden einen Ort, an dem wir uns erstmal 3 Tage ausruhen und genesen müssen, bevor es weiter Richtung Pazifik geht.

Teil 22: Bolivien wir kommen

Nach unseren ersten schlechten Erfahrungen mit der Höhe wollen wir es diesmal richtig machen. Da wir wissen, dass uns unser Weg nach Uyuni in Bolivien mal wieder über 4.400 Meter führt und die danach angestrebte Lagunen-Route sogar die 5.000 Meter Marke reißen wird, entschließen wir uns, uns ganz in Ruhe zu akklimatisieren. Insgesamt 4 Nächte schlafen wir auf Höhen zwischen 3.500 und 3.800 Meter Höhe, dass sollte wohl reichen.

Wir übernachten an einem großartigen Canyon, den wir morgens bewandern und besuchen zudem noch eine Lagune, in der sich neben uns über 20.000 Flamingos und sonstige Wasservögel einfinden. Hier sind wir mit den Tieren vollständig alleine. Ab und zu ziehen Vincunas oder Lamas an unserem Wohnmobil vorbei – ansonsten herrscht hier absolute Ruhe.

Wir fahren an sogenannten Regenbogen-Bergen vorbei – entweder schimmern diese in den Farben des Regenbogens, oder diese haben die Form eines Bogens. Wir geniessen den Norden Argentiniens in vollen Zügen. Doch dann ist es soweit. Wir erreichen den Grenzort nach Bolivien. Wir haben noch einmal das Auto vollgetankt und über 100 Liter Wasser sind ebenfalls an Bord. Wir sind gerüstet – dachen wir.

Die argentinischen Grenzformalitäten werden professionell abgearbeitet. Die Grenzer wissen, was Sie tun müssen. Wir auch. Dann geht es zur bolivianischen Seite. Zunächst will der Grenzer uns gar nicht beachten und macht uns Zeichen, wir mögen einfach ins Land einreisen. Nur nachdem wir mehrfach darauf hinweisen, dass wir ein Auto dabei haben, bemüht er seinen Computer und wir erhalten das notwendige Einreisedokument für Hektor. Wir gehen weiter ins nächste Büro und hoffen, auch für uns einen Stempel in den Reisepass zu erhalten. Dort sitzen zwei Eis essende Grenzer, die uns sehr freundlich mitteilen, dass ein Stempel im Reisepass absolut nicht notwendig sei. OK. Wir wundern uns, aber das ist halt Bolivien.

Wir gehen zurück zum Auto und wollen losfahren, da erscheint ein weiterer Grenzer, der uns auffordert mit in sein Büro zu kommen. Bitte Tür schließen. Dann dürfen wir – natürlich ohne Quittung – die ersten 10 Bolivars bezahlen, so dass er einen weiteren gewichtigen Stempel auf unser TIP (Auto-Reisepass) hinzufügt. Alles klar, wir versuchen das System erst gar nicht zu verstehen.

Wieder im Auto sitzend, können wir unsere Fassungslosigkeit über das wilde Treiben dieses Grenzortes kaum verbergen. Offensichtlich versucht hier jeder die gleichen billige Klamotten an die wenigen Touristen zu verkaufen.

Da kommt ein offensichtlich verwirrter Mann direkt auf unser Auto zu und haut mit dem Kopf immer wieder gegen unseren Frontgrill, so dass Uwe in letzter Not die Hupe betätigt.

Jetzt hat er nicht nur einen Kopf, sondern auch noch einen Hörschaden. Kein Mitleid. Alles direkt und zur Belustigung der bolivianischen Grenzbeamten.

Wir haben nur ein Ziel – möglichst schnell raus aus diesem merkwürdigen Ort. An der ersten Mautstelle stehen Jugendliche, welche die Zeit der sich ebenfalls anschließenden Polizeikontrolle nutzen, um sich an unser Auto zu hängen und zu prüfen, ob denn auch alle Türen wirklich zu sind. Wir sind bedient. Was für ein Empfang!

Nach einer ruhigen Nacht geht es jetzt endlich Richtung Uyuni. Leider merke ich auf dem Weg zum 4.000 Meter Pass, dass mein eines Ohr noch immer rumzickt und ein Druckausgleich nicht möglich ist. Ein kleines Problem mit großer Wirkung!

Traumstraße:

Die Straße von Humahuaca bis nach Uyuni ist wirklich eine der Weltbesten, absoluten Traumstrassen dieser Welt. Haben wir gedacht, die argentinischen Bergformationen seien nicht zu toppen – wir haben uns geirrt. Die Tour durch Süd-Bolivien ist unbeschreiblich schön. Wir durchfahren einen Nationalpark nach dem anderen, nur dass diese hier gar nicht weiter als solche bezeichnet werden.

Ungefähr 90% dieser Strasse von Villazon (Grenzort) nach Uyuni ist auch auf bolivianischer Seite fertiggestellt und in einem hervorragenden Zustand. Nur die restlichen 10 % sind nicht vorhanden – ganz einfach nicht da. Kein Hinweisschild; keine Umleitung; keine gar nichts.

Wir fahren durch ein nicht vollständig ausgetrocknetes Flussbett, vorbei an Männern, die hier ihre Wäsche oder alternativ ihr Auto waschen und stehen immer wieder vor zugeschütteten Strassen, quälen uns durch kleine Dörfer und stehen dann irgendwann doch tatsächlich auf der richtigen Strasse.

Dass diese Strasse dann irgendwo durch ein Seil gesperrt ist – moderne Mautstelle – wundert uns fast gar nicht mehr.

Hier fehlt es offensichtlich an allem. Baumaterialien liegen völlig unabgesperrt auf der Strasse, Strassenteile werden mit Steinen gesperrt; Strassen oder Ortschilder sind fast gar nicht vorhanden. Immer wieder ist nur eine Spur befahrbar. Und man weiss weder, wie lange diese Strecke dauert, noch hat man eine Chance zu erkennen, ob man nicht vielleicht doch Gegenverkehr hat. … und dieser könnte aus uralten Bussen bestehen, die sich hier in Massen schnaufend die Strassen hochquälen.

Die offensichtliche, tiefe Armut der Menschen hier bewegt uns sehr. Die Häuser werden i.d.R. aus Lehmziegeln gebaut und wir können uns nur schwer vorstellen, wie die vielen Kinder in den kalten Nächten dort in den armseligen Hütten hausen, bzw. wie es hier wohl in der Regenzeit aussieht. Läden sehen wir so gut wie gar nicht, doch es ist Feiertag – Allerheiligen. Die Menschen schmücken die Gräber mit Plastikblumen und Großfamilien treffen sich zum Feiern.

Die Menschen, denen wir hier begegnen sind alle ausgesprochen freundlich und sehen wunderschön in Ihrer Tracht aus.

Kurz vor Uyuni müssen wir noch einmal übernachten und uns wird klar, dass ich erneut unter der Höhenkrankheit leide. Wir entscheiden uns daraufhin, am nächsten Tag für nur einen Tag zur größten Salzwüste der Welt zu fahren, dort zu übernachten, aber dann möglichst schnell wieder unter 3.000 Meter Höhe zu fahren.

Teil 21: Ein Zug auf 4.200 Meter Höhe; Salta – die Schöne; Cachi – die Wunderschöne

Die Tour von Cafayate nach Salta ist wirklich spektakulär. Dass sehen leider nicht nur wir so, sondern auch Massen an anderen Touristen. Bevor wir wissen wie uns geschieht, steht Hektor zwischen diversen Bussen eingezwängt und wir pilgern mit vielen anderen Touristen zu den steinernen Sehenswürdigkeiten dieser Strecke. Dennoch, das Ganze hat auch etwas gutes. Spontan stellen sich 3 Musiker zusammen und singen und musizieren in dem Felsendom, dem sogenannten Amphitheater. Genau hier ist der richtige Platz für so eine Darbietung; wunderschön, da vergisst man fast die anderen Touristen.

Salta, die hochgelobte Stadt im Norden, die Schöne. Ja, es gibt einen wunderbaren Platz mit gut erhaltenen Gebäuden im Kolonialstil und eine wirklich interessante und eindrucksvolle Kathedrale. Es gibt auch eine Fussgängerzone und für uns viel wichtiger, eine offene Wechselstube. Unsere Erwartungshaltung war schon nicht sehr hoch und das ist auch gut so. Sehr schnell sind wir wieder unterwegs in den Bergen.

Stellt euch vor, ihr plant einen Ort aufzusuchen, der mindestens auf 4.200 Metern Höhe über Meeresspiegel liegt. Auf 1.000 Meter Höhe sind morgens 11 Grad, was macht ihr? Wie kalt muss es dann auf 4.000 Meter Höhe sein? Also ich habe meine Winterjacke, Handschuhe und Mütze herausgeholt, um schließlich festzustellen, dass hier alles gaaaanz anders ist. Hier ist mit die trockenste Gegend der Welt; Regen oder Schnee gibt es nur an ganz wenigen Tagen, fast immer herrscht „ knalle blauer Himmel „ – auch in 4.200 m Höhe. Sprich – ich habe das ganze Equipment kein Stück gebraucht, im Gegenteil – Uwe und ich haben in unseren dicken Hosen bei fast 20 Grad geschwitzt.

Dennoch die Tour hoch zum Viaduct „La Polvorilla“ ist Abenteuer pur. Wir fahren auf ungeteerter, kurviger Strasse, die an vielen Stellen max. so breit ist, dass Hektor sich wohlfühlt – und wenn dann Gegenverkehr kommt…   Dieses Viadukt ist die Endstation des Zuges „Tren a las Nubes“, der Zug in den Wolken, welcher mit seinen max. 468 Passagieren früher einmal eine Strecke von 217 km und einen Höhenunterschied von fast 3.000 Meter überwunden hat. Heute fährt er nur noch ca. 13 km, und wir haben Glück, dass wir ihn nicht nur im Bahnhof, sondern auch in Fahrt sehen können. Wir stehen mit 4 anderen Deutschen am Fuße des Viaduktes und sehen die eindrucksvolle Ankunft des Zuges auf fast 4.400 Meter Höhe. Nebenbei dürfen wir unseren ersten Lamas Hallo sagen.

Eigentlich wollen wir von hier aus Richtung Cachi weiterfahren und somit einen weiteren Pass mit einer max. Höhe von 4.900 Meer überqueren. Doch gegen 14 Uhr merken Uwe und ich, dass uns nicht nur leichter Schwindel, sondern auch zunehmender Kopfschmerz zu schaffen machen, so dass wir uns vernünftiger Weise dagegen entscheiden und schnell wieder deutlich tiefer fahren. Erst als wir wieder eine Höhe von 2.500 Meter Höhe erreichen, geht es uns allmählich besser. Vielleicht hätten wir wie die Einheimischen Coca-Blätter kauen oder zumindest einen Coca-Tee kochen sollen. Was noch nicht ist, kann ja noch kommen.

An dieser Stelle wollen wir noch schnell die Fahrradfahrer erwähnen, die uns auf dem 4.200 Meter hohen Pass begegnet sind und die zudem Ihren Hund im Anhänger transportierten. Hut ab vor dieser Leistung.

Die 158 km lange Strecke von Salta nach Cachi gehört laut unserem Reiseführer zu den spektakulärsten Strassen dieser Welt. Wirklich wunderschön, zunächst fahren wir durch die dichtbewaldeten grünen Yungas , satt-grüne Bergregenwälder, um uns dann in endlosen nicht asphaltierten Serpentinen in die Höhe zu schrauben. Am Ende kommen wir auf eine riesige, flache Puna- trockene Hochebene an. Hier wachsen nur noch Kakteen. Die Erdgeschichte liegt hier vor einem, wie ein offenes Buch – doch wir können Sie nicht wirklich gut lesen, sondern nur über die farbenfrohen Bergformationen um uns herum staunen.

Kurz vor Cachi, auf der Hochebene mit einem 360 Grad Rundblick ,halten wir es trotz starkem Wind 2 Tage aus. Unsere Augen können sich an den unterschiedlichen, farbigen Felsformationen nicht sattsehen. Wir wandern durch Canyon und ausgetrocknete Flussläufe.

Auch Cachi, die weiße Stadt mitten in der Puna besuchen wir und erfreuen uns an den touristischen Angeboten wie Kaffee, Empanadas und Internet.

Uns geht es gut – nur leider zieht aus dem Tal Regen auf. Mal sehen, ob und wie wir morgen wieder nach Salta zurück gelangen.