Reise 1,Reveillon in Rio de Janeiro

IMG_3428IMG_3455Dank Lufthansa und Premium Economy sind wir sehr entspannt in Rio de Janeiro kurz vor dem Jahreswechsel angekommen. Offensichtlich sind wir nicht alleine auf die Idee gekommen, an der weltberühmten Copacabana in das neue Jahr zu tanzen. Bisher dachte ich, dass die Zustände bei der Einreise nach Amerika nicht zu toppen sind, doch siehe da ich wurde eines besseren belehrt. Das Chaos im Immigration-Center strapaziert unsere Geduld erheblich, doch endlich haben wir es geschafft. Wir sind in Südamerika – unsere Taschen sind da und im Flughafen steht jemand mit einem Schild auf dem unser Name steht : der Taxiservice. Alles ist gut (auch wenn es regnet). Auch die über Airbnb gemietete Wohnung -nur drei Minuten von der Copacabana entfernt- ist klein aber fein (incl. Strandstühle und Sonnenschirm). Nach einem kurzen Schlaf kann das Abenteuer nun beginnen. Wir starten auf der Copacabana mit einem Caipi und sind sicher, dass können die Brasilianer. Ansonsten sind wir etwas enttäuscht von dem weltberühmten Strand. Breiter Strand – ja, breite Promenade – ja, großartige Kulisse – ja, aber auch 6spurige Strasse und viele hässliche Gebäude. Am Strand ist eine große Tribüne aufgebaut und schon jetzt erklingen die ersten Sambaklänge. Sylvester kann offensichtlich kommen.

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Unser Hauseingang – gewöhnungsbedürftig, aber mit einem aufmerksamen Concierge, der uns trotz fehlendem Safe das Gefühl von Sicherheit vermittelt.

 

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Insgesamt sind wir 4 Tage in Rio. Hier eine kleine Übersicht unserer Aktivitäten und Erfahrungen:

  • Wir besuchen den Zuckerhut im Nebel und Regen; trotzdem ist dieser Monolith beeindruckend und wir verbringen dort fast 5 Stunden; die Aussicht ist zwar bescheiden, aber in der Ferne sehen wir die Christus Statue, die hoch über der beeindruckenden Skyline zu schweben scheint. Favelas (Elendsviertel) sind in der Ferne fast auf jeden Hügel zu erkennen (insgesamt soll es über 500 geben, wovon nur eine gute Handvoll offiziell befriedet sind).                                                              Der Zuckerhut liegt in dem Stadtteil Urca und nachdem wir eine 1/4 Stunde auf den  Bus gewartet haben, hat uns eine Frau (die im übrigen nur Portugiesisch spricht)      angeboten per Uber ein Taxi zu rufen. Auf diesem Wege noch einmal ein                      herzliches Dankeschön.

 

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  • Mit einer dänischen Familie und Bruno haben wir eine 5-stündige Radtour durch Rio unternommen. Bruno ist Historiker und nimmt uns mit auf eine interessante Reise durch die Vergangenheit und zeigt uns gleichzeitig sein Rio. Wenn Bruno nicht Fahrradtouren organisiert, unterrichtet er mit 3 Freunden in einer Favela Kinder in Geschichte, um diesen zu ermöglichen, trotz der schlechten Ausbildung an den öffentlichen Schulen, die Tests für das Studium zu bestehen. Ehrenamtlich ! Ein tolles Projekt. Aus meiner Sicht unbedingt zu unterstützen. Wir bleiben bestimmt mit Bruno in Kontakt.

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  • Die Christus Statue besuchen wir frühmorgens und erleben ein absolutes Highlight. Wir erwischen einen klaren Tag und können weit ins Land hineinsehen: Während sich im Süden von Rio die Hochhäuser zwischen den Hügeln und der Lagune quetschen ist im Norden viel freie Fläche und die Olympia Stadien zu erkennen. Die Statue – schon so oft auf Fotos gesehen – ist in ihrer Schlichtheit grandios.

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  • Sylvester feiert man an der Copacabana – will heißen der Bereich wird großflächig abgesperrt, weil 3 Mio. Menschen erwartet werden. Man kleidet sich in weiss, analog alter afrikanischer Riten und opfert Blumen ins Meer. Aus ganz Südamerika reisen die Menschen an; überall – wirklich überall – sieht man in der Stadt Busse parken. Die Menschen sind mit Zelten und Strandzubehör bewaffnet und sitzen         -teils auch in mobilen Pavillons- in Großfamilien seit morgens am Strand trinkend, rauchend und warten auf die Party, 24 Uhr und das Feuerwerk.

 

Auch wir mischen uns unter das Volk, doch wir sind mehr als überrascht. Die Brasilianer bauen kleine Sandburgen um Privatsphäre zu haben; alles ist super diszipliniert; keiner benutzt Gläser – sondern nur die Plastikbecher, die man überall für wenig Geld kaufen kann; keiner fällt aus dem Rahmen und pöbelt oder fällt negativ auf. Die meisten sind damit beschäftigt, sich selbst abzulichten und in die sozialen Netze hochzuladen. Die sprichwörtliche SYLVESTER PARTY findet offenbar irgendwo anders statt ???, auf jeden Fall nicht an dem Strandabschnitt der Copacabana, in dem wir uns befinden.

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Wie aus dem Nichts sind 5 riesige Kreuzfahrtschiffe am Horizont erschienen, die wie wir einen Platz mit guter Sicht auf das Feuerwerk haben wollen. Vor dem Strand liegen 7 Bargen, von denen später das Feuerwerk gestartet wird und dies ist wirklich unglaublich. 17 Minuten non stop. Das Beste, was wir je an Feuerwerk gesehen habe.

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Nachdem das Feuerwerk verraucht ist, findet nicht wie erwartet die große Verbrüderung mit Brasilianern statt und es wird auch nicht überall Samba getanzt. Ganz im Gegenteil, jeder packt seine 7 Sachen und trottet Richtung Heimat. Wir waren somit bereits gegen 1 Uhr zu Hause, jedoch im festen Glauben einen unglaublich tollen Tag erlebt zu haben.

  • Der Neujahrstag – alle, wirklich alle Cariocas und alle Gäste sind am 01.01. am Strand. Es ist fast nicht möglich zwischen den einzelnen Sonnenschirmen hindurch zugehen. So etwas erlebt man sonst nur an der Riviera, wenn Hauptsaison ist. Aber hier meckert keiner, alle rücken zusammen und geniessen das Leben. Auch wenn man es kaum glauben mag, in diesem Gedränge hat uns die freundliche Frau von der Bushaltestelle wiedergefunden und wir werden sofort mit Küsschen begrüßt und zum Bier eingeladen. Wunderbar – wenn wir doch nur mehr als ein paar wenige Wörter verstehen könnten. Keiner spricht ein Wort Englisch – Cheers! Achja, noch ein Hoch auf die Müllabfuhr. Es ist am Strand so sauber, als wenn am Tag zuvor nicht eine der größten Parties der Welt stattgefunden hätten. Unglaublich. So etwas würden wir gerne einmal zu Hause erleben.

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….und was gibt es sonst noch zu erwähnen:

  • Wir erfahren, dass in Rio Sonntags die Hälfte der Highways gesperrt werden, um Outdoor-Aktivitäten zu fördern. Das Leben findet draußen statt. Wir sehen Menschen in jedem Alter, die sportlich unterwegs sind;
  • Football ist bekanntermaßen eine Religion in Brasilien; es gibt alleine 4 Mannschaften in Rio, welche in der Premium-League spielen. Fussball-Vereine waren ursprünglich Ruder-Vereine und gehören einer Vielzahl von Mitgliedern. Kein Brasilianer will wirklich mit uns über Fussball sprechen – warum eigentlich nicht? :))
  • Die Autos fahren grundsätzlich mit Gas! Nur für LKWs gibt es die Möglichkeit Diesel zu tanken;
  • Die Sklavenhaltung wurde in Brasilien erst 1888 abgeschafft und damit ist Brasilien das letzte Land in der westlichen Welt, welches die Sklaverei offiziel aufhob;
  • In Rio gibt es den drittgrößten Stadtwald/ Urwald der Welt, in dem Tukane, Affen etc. leben;
  • Bikini´s to go; am Strand wird von den fliegenden Händlern wirklich alles angeboten; Essen- Trinken; Bikinis – alles was das Herz begehrt;
  • Bevor man in den Bus einsteigt sollte man wissen wohin er fährt und wann man aussteigen sollte; uns ist es passiert, dass unser Bus wunderbar von der Copacabana nach Impanema fuhr und und weiter nach Leblon. Tolle Strände – doch wir haben das Aussteigen verpasst und befanden uns plötzlich auf direktem Weg in die größte und gefährlichste Favela. Ups. Schnell auf die andere Straßenseite und den nächsten Bus zurück;

 

  • Ansonsten trifft man überall in der Stadt auf die großen Unterschiede. Überall liegen Menschen auf den Strassen oder am Strand und schlafen; alle Appartements und Häuser sind geschützt durch Zäune und Gitter; die Menschen – auch die Einheimischen halten Ihre Taschen vor dem Körper fest; wir werden mehrfach darauf aufmerksam gemacht, bitte unser Handy wegzupacken, weil es zu gefährlich ist; man ist lieber an den Tischen in der zweiten Reihe, weil vorne die Bettler vorbeigehen und um Essen, Trinken, etc. betteln;

 

  • Die Affen trinken nicht Cappucino, obwohl Sie Capuziner-Affen heißen;P1010333
  • In Rio gibt es nicht genügend Spiegel, sonst würden die Damen doch lieber zu etwas mehr Stoff greifen – die sogenannten Copacabana Schönheiten sind sehr selten und nie älter als 20 Jahre;IMG_3546IMG_3545

Resümee:

Die Stadt liegt landschaftlich unglaublich schön!! Die Stadtstrände sind fantastisch! Die Menschen, die wir getroffen haben, waren in der Regel sehr freundlich und hilfsbereit. Das Motto ist „Lebenslust; das hier und jetzt zu genießen“; Es wäre wirklich interessant, die Stadt und deren Menschen noch näher kennenzulernen. Es ist hoffentlich nicht das letzte Mal, dass wir in Rio waren. Wir haben hier in Rio einen wunderbaren Völkermix kennengelernt und dabei gelernt, dass dieser zumeist dunkelhäutigeTyp auf die millionenfach versklavten Afrikaner zurück zuführen ist.  Wir fallen mit unserer Hautfarbe und mit unseren Bikinihosen auf.  Leider wirkt die Stadt verbraucht. Es fehlt offensichtlich überall an Geld und an Investitionen. Wir haben gehört, dass die Fussball WM und die Olympischen Spiele viel bewirkt und dazu beigetragen haben, dass Leben positiv zu verändern. Aber dennoch, es wirkt, als wenn die Zeit stehen geblieben wäre.

 

So, dies ist unser erster wirklich langer Blogbeitrag. Vielleicht etwas zu lang – aber es zeigt auch wie sehr uns doch Rio beeindruckt hat. Dennoch würde ich mich freuen, von euch Lesern ein kleines Feedback zu erhalten – in welcher Form auch immer. Danke im Voraus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Reise 1,Reveillon in Rio de Janeiro“

  1. Moin nach Südamerika, Euren Besuch in Rio habt ihr sehr schön beschrieben. Auch wenn es mich doch ein wenig schmerzt solch eine Reise gerade einmal nicht antreten zu können, so freut es mich dennoch auf diesem Wege etwas davon mitzukriegen.
    Euch ganz viel Spass und weiterhin so toll Eindrücke und schöne Berichte 😉
    VG
    Olaf

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