Overlanddriver

Reise 1 Teil 9: Gletscher, Gletscher und noch mehr Gletscher, Steaks, „Straßenstrich & Coyhaique, alles BLAU !

Chile würde uns noch besser gefallen, wenn doch irgendwo WLan zu bekommen wäre und möglichst auch noch ein WLan, welches geeignet ist, Bilder in den Blog hochzuladen. Ich kann die Anzahl an viel zu teuren (löslichen) Kaffees gar nicht mehr zählen, die wir in der Hoffnung getrunken haben, dass uns dieses Cafe`oder jenes Restaurant im Gegenzug mit halbwegs gutem Internet versorgt. Leider mit bislang sehr, sehr mäßigem Erfolg.
Ich schreibe diesen Blog, ohne zu wissen, ob und wann er jemals hochgeladen werden kann. Besonders schwierig ist es, die Bilder in den Blog zu bekommen. Manchmal müssen wir bis zu einer halben Stunde warten, bis ein Bild endlich in der entsprechenden Mediathek ist … und Geduld ist wirklich nicht unser Ding. Deshalb gibt es öfter nur weniger Fotos, aber grundsätzlich bleiben wir diesbezüglich zuversichtlich.
Zwischenzeitlich haben wir bereits 4 Wochen im Wohnmobil erfolgreich überlebt. Die Anzahl der „wilden Nächte“ steigt rapide, da die Zeltplätze hier unten im Süden tatsächlich nichts mehr bieten, was den Preis aus unserer Sicht in irgendeiner Weise rechtfertigt. Uwe hat die Körperpflege insofern umgestellt, dass er anstatt zu duschen lieber einmal in einen eiskalten See springt (manchmal auch nur für 1 Minute). Ich wähle eher die Variante „Mütze statt Haarewaschen mit eiskaltem Wasser“. Wir müssen improvisieren; eine große Dusche ohne Getier mit viel warmen Wasser wäre soooo ein Luxus.
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Und übrigens, es ist wirklich nicht immer lustig, stundenlang mit max. 40 km/h über Rüttelpisten zu fahren. Der Haltegriff neben mir am Beifahrersitz ist bereits einigermaßen abgegriffen, denn die Hälfte des Tages hänge ich an diesem und es graut mir nicht nur einmal vor der Weiterfahrt. Wenn auf den Wellblechpisten -insbesondere bergab- das Auto anfängt, sich aufzuschaukeln oder in der Kurve wegrutscht oder auf dem Wellblech „schwimmt“, dann schlägt mein Herz schon mehr als höher. Abenteuer, da ist es, zumindest für mich als Beifahrer.  Seit einiger Zeit leuchten auch die Warnsignale für ESP und ABS auf, so dass wir davon ausgehen, dass diese Systeme nicht mehr einwandfrei funktionieren ! Ein Werkstattbesuch wird wohl notwendig werden.
Die letzten Tage haben wir uns unaufhaltsam Richtung Süden bewegt und der Wettergott war uns wohlgesonnen, so dass wir -nachdem wir Coyhaique hinter uns gelassen haben- hier in Puerto Tranquillo einen unglaublich türkis-blaufarbenen See erleben dürfen. Niemals zuvor habe ich einen See in einem so intensiven türkis-blau schimmern sehen. Wir übernachten direkt am See mit einer Aussicht, die uns den Atem verschlägt. Von hier aus kann man für relativ wenig Geld per Boot in die nahegelegenen Mamorhöhlen fahren. Wir erwischen einen sonnigen Tag und sind fasziniert, wie das Wasser dieses Urgestein geformt hat. Die Maserungen des roten und weißen Marmors sind faszinierend, und auch die Geschicklichkeit, mit dem die Bootsführer die Boote tief in die Höhlen hineinführen. Von Puerto Tranquillo werden auch Touren auf den 50 km entfernten Gletscher angeboten. Doch statt eine organisierte Tour zu wählen, entscheiden wir uns dafür, selbstständig in das Tal „Valle de Exploradores“ hineinzufahren. Eine richtige Entscheidung. Wir können an all den tollen Aussichtspunkten anhalten, verweilen und Fotos über Fotos machen von den Unmengen an Gletschern, Wasserfällen, mintgrünen oder stahlblauen Seen, Bächen, Flüssen, Bergformationen. Es ist einfach nur wunderschön und keines dieser Bilder kann jemals diese Eindrücke wirklich wiedergeben. Leider müssen wir aber mit einer dichten Wolkendecke und schlechter Sicht direkt am Gletscher kämpfen.
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P1030833P1030829P1030822P1030814IMG_5195IMG_5160Chile – hat uns bislang wirklich beeindruckt. Die Vielfalt der Landschaft von endlosen trockenen Wiesenlandschaften, Pampa-Flächen, welche sich derzeit im saftigsten goldgelb zeigen, bis zu den unterschiedlichen Bergformationen – oft mit großartigem Gletschereis überzogen -, Wasserfälle und immer wieder die „blauen“  Gewässer – wirklich eine Reise wert. Es ist unglaublich, wie vielfältig die Landschaft hier ist. Wir sind gespannt, wie es jetzt demnächst auf der argentinischen Seite weitergeht. Denn hier in Chile sind wir die Carretera Austral fast bis zum Ende hinuntergefahren. Argentinien wollen wir über den Pass Roballos erreichen und somit gleichzeitig noch den neueren Nationalpark „Patagonien“ erleben. Dazu bald mehr.
Und sonst so?
Wir sind begeistert von den möglichen Farbnuancen der Bergseen und der Flüsse – von dunkelblau, hellblau, blaugrün, stahlgrau, ultramarinblau bis hin zu mintgrün leuchten diese. Wenn wir einen See oder Fluss sehen, sind wir immer der Meinung, so eine Vielfalt von unglaulichichen Blautönen haben wir vielleicht in Kroatien gesehen und nun hier in überschäumender Masse.
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IMG_5127P1030280Ich habe das erste Brot im Omina gebacken, die ersten Delfine und wilden Guanakos sowie einen Rotfuchs gesehen. An das Duschen und Haarewaschen mit kaltem Wasser werde ich mich wohl nie gewöhnen. Und noch immer freuen Uwe und ich uns jeden Tag über die Entscheidung, hier zu sein.
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P1030956Wetter haben wir hier auch, und zwar Wetter in jeder Form, möglichst alles an einem Tag. Eigentlich kann man aufgrund des Windes nie wirklich vorhersagen, wie es wird. Morgens 2 Grad, mittags 25 Grad und abends wieder 10 Grad – nichts Ungewöhnliches. Wie gut, dass wir den Kleiderschrank stets dabei haben.
Wir empfinden die touristische Infrastruktur hier als rudimentär und -soweit vorhanden- mehr oder weniger nur auf spanisch sprechende Touristen ausgerichtet. Es ist für uns deshalb wirklich schwer, gute Infos zu bekommen. Alle sind freundlich – aber auf spanisch. Tendenziell sprechen aber immer mehr die jungen Menschen Englisch und es passiert auch, dass wir mit unserem rudimentären Spanisch ein Gespräch beginnen und uns jemand auf Englisch antwortet. Jipppi.
Wir haben in Puerto Cisne ganz hervorragenden, vergleichsweise sehr günstigen Lachs gekauft. Wer hätte gedacht, dass Chile zweitgrößter Lachsexporteur der Welt ist und hier in Puerto Cisne der Lachs verkauft wird, der angeblich aus der Zucht „ausgebüchst“ ist. Natürlich sind wir hier auch essen gegangen, in der Hoffnung nach fast 10 Wochen Fleisch endlich einmal gut zubereiteten Fisch zu erhalten. Der Preis von umgerechnet 30,—Euro würde auch gute Qualität erwarten lassen. Tatsächlich gab es nur Merluza- Seehecht, welcher bei uns beiden nicht durchgegart war und somit einen zweiten Gang durch die Friteuse erlebte. Gewürzt wird anscheinend nur mit Salz. Wenn wir nach Pfeffer fragen, erhalten wir nur einen unverständigen Blick. Die Zitronenhälfte ist trocken. Wie gut, dass wir keine Restaurantester sind. Wir entschließen uns: Das können wir besser und konzentrieren uns lieber auf eigenes Kochen und Grillen.
Coyhaique, der angeblich wirklich letzte große Ort bevor es in die Wildnis geht. Noch einmal Großeinkauf bei Unimart. Leider hat der Markt nicht mit uns gerechnet, denn die Auswahl an frischen Produkten ist, wie auch in den kleinen Märkten zuvor, sehr übersichtlich. Aber es gibt Müsli – teuer und nicht unbedingt unser Geschmack, aber nun gut, wir können ja nicht auf alles verzichten. Kaffee ist noch teurer. Aber da Uwe eh unter permanenten Koffeinentzug leidet, kaufen wir trotzdem eine Großpackung. Abends fahren wir noch aus der Stadt raus und übernachten zugegebenermaßen an einem nicht wirklich romantischen Ort. Eher eine Abfahrt von einer kleinen Zubringerstrasse, doch wir hoffen hier ungestört schlafen zu können. Die diversen Überreste von toten Kaninchen wundern uns zwar, doch wir wollen die Tragödien, die sich hier vielleicht abgespielt hat, gar nicht weiter hinterfragen. Es wird dunkel und wir sind bettfertig, als neben uns ein Auto einbiegt und sich unter einen Baum versteckt. Es steigen ein Mann und eine Frau vorne aus und steigen hinten wieder ein. Im Folgenden dürfen wir nicht nur die muhenden Kühe in der Ferne hören, sondern auch dem Wirken der beiden Übernachtungsgäste. Auch weitere Autos versuchen sich nachts auf diesem Parkplatz und sind offensichtlich durch unsere Anwesenheit gestört.
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…und zuletzt noch einmal zurück zu einem meiner Lieblingsthemen – die Strasse:P1030889
Während bei uns in Deutschland die Fahrbahn i.d.R. in sich gerade ist, gleicht hier die ungeteerte Strasse (und davon erleben wir gerade sehr viele) oft eher einem umgedrehten v. Nur in der Mitte der Strasse kann man halbwegs gerade fahren. Rechts und links liegen Mengen an leicht aufgeschüttetem Schotter. Kommt man zu weit nach rechts oder links, ist man zum Einem in einer unglaublichen Schräglage und zum anderen fährt man wie durch weichen Sand und hat keinerlei Kontrolle mehr. Gerne werden diese Seitenränder auch noch durch sog. Pottholes gewürzt – tiefe, natürlich nicht markierte Löcher, die der Regen ausgewaschen hat. Dies führt in Summe jedoch dazu, dass in der begehrten Mitte der Strasse viel Verkehr ist und somit auch Schlagloch an Schlagloch oder „Wellblech“ zu finden ist. Wie Uwe hier die Übersicht behält – für mich ein kleines Wunder. Hektor schaukelt durch die Landschaft und hält sich gemeinsam mit mir tapfer. Auch wenn an dem Griff über der Beifahrertür bereits -wie erwähnt – kleine Abnutzungserscheinungen zu finden sind. Die Strassenbauer hier haben aber auch wirklich dafür gesorgt, dass Autofahren niemals langweilig wird: Immer dann, wenn es über eine Brücke geht oder besonders steil wird, wird es einspurig – natürlich ohne jegliche Vorfahrtregelung. Dies ist wohl bei der Menge an Verkehr nicht notwendig. So kann es öfter mal passieren, dass wir mitten auf dem Highway ein Zeichen erhalten, dass die nächsten z.B. 1,3 km nur einspurig zu befahren sind. Man fährt dann weiter und hat keine Ahnung, wie genau ein Ausweichen möglich wird, wenn ein größeres Fahrzeug entgegenkommt. Bisher ist alles gut gegangen.
Wir sind zwischenzeitlich bereits fast 2 Monate am Reisen und vielleicht ist dies ein guter Zeitpunkt einmal inne zu halten und zum Ausdruck zu bringen, dass wir dankbar sind.  Dankbar, dass wir gemeinsam gesund und munter diese Reise und all diese Erfahrungen erleben und teilen dürfen. Dankbar, dass wir Familie, Freunde und eine sichere Arbeitsstelle zu Hause wissen. All das ermöglicht uns erst dieses Reiseabenteuer. Familie und Freunde sind so wichtig für uns ! Das ist unsere Homebase, die wir vermissen und auf deren Wiedersehen wir uns bereits jetzt ganz schrecklich freuen.
„It is the journey, not the destination“.
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