Reise 1 Teil 12: Tierra del Fuego; Pinguine; Orcas; Magellan-Strasse; Ushuaia; das Ende der PanAmerica

Eigentlich hätten wir es uns ja denken können. Wenn man dahin fahren will, wo das Festland von Argentinien wirklich am Ende ist, um 160.000 brütende Magellan-Pinguine fullsizeoutput_2902zu sehen, ja dann muss man Strapazen auf sich nehmen. Dass es sich dann tatsächlich um 115 km schlechteste Piste handelt (eine einfache Strecke), fullsizeoutput_2915hätten wir uns wirklich nicht vorgestellt. Auf spanisch klingt es irgendwie angenehm „Zona de Baches“ – auf deutsch: Schlagloch an Schlagloch. fullsizeoutput_291eEgal, ob man rechts, links oder mittig fährt, man trifft mit ziemlicher Genauigkeit ein weiteres tiefes Loch. Alles schaukelt hin und her und wenn es dann soweit ist, dass ich mit beiden Händen am Haltegriff des Autos hänge und schreie, ja dann ist es vorbei mit der Gelassenheit.
Das Ende vom Festland mit Blick auf die Magellan-Strasse und mit Pinguinen am Strand – fullsizeoutput_2945so in etwa habe ich mir diesen Zipfel Erde in meiner romantischen Ader lebhaft vorgestellt. P1050742Die Realität ist völlig anders. Als uns auf dieser unmöglichen Piste der erste LKW entgegenkam, dachten wir noch, das wäre ein Zufall. Leider nein. Auch der letzte Zipfel der Welt wird wirtschaftlich genutzt. In der Magellan-Strasse stehen Ölbohrtürme dicht aneinander und auf unserem Weg zu den Pinguinen fullsizeoutput_2903fahren wir durch ein „Fracking-Gebiet“, womit sich auch die Gas-LKWs P1050773und die fliegenden Helikopter u.a. erklären lassen.
Der „Pinguin-Ranger“ erklärt uns später, dass die Öl-Gesellschaft nicht nur die Verpflegung für die beiden Ranger stellt, sondern auch die beiden Häuser, in denen sich diese tagsüber aufhalten können. Das ist wohl der -kleine- Preis dafür, dass im Angesicht der drittgrößten Pinguin-Kolonie die Natur hier ausgebeutet werden darf.
Dennoch – der Weg hat sich für uns wirklich gelohnt. Noch nie zuvor haben wir außerhalb eines Zoos Pinguine gesehen. Und hier sind sie. Ca.160.000 Brutpaare. Überall rufen die Kleinen laut nach ihren Eltern, die zum Teil in der naheliegenden See frischen Fisch holen und auf dem Rückweg auch über die angelegten Wege watscheln – direkt an uns vorbei. Sie haben hier in der Dünenlandschaft ihre windgeschützten Nester und die „Chicken“ sind bereits 4 Monate alt. Anfang April, wenn alle Kleinen ihr erstes Federkleid verloren haben, wird die Kolonie für fast 6 Monate Richtung Süd-Brasilien schwimmen. Wir wünschen allen eine gute Reise.
Unsere Reise führt uns jetzt zu unserer südlichsten Etappe – Tierra de la Fuego = Feuerland. Schon auf der kurzen Überfahrt sehen wir unseren ersten Orca und die Erwartungen an die 3. größte Insel Südamerikas sind hoch. Nach erneutem Grenzübergang – Feuerland wird ja von Chile und Argentinien beansprucht (während bzgl. der Antarktis sogar drei Länder Eigentumsansprüche erheben: Chile, Argentinien sowie Großbritannien) sind wir mal wieder in Chile ohne frische Lebensmittel gelandet (wir nur noch die, die wir „geschmuggelt“ haben). Wie immer hat der Grenzbeamte IMG_5834unsere Trostzwiebel und -kartoffel mitgenommen. Also muss dringend eingekauft werden, denn wir wollen hier in Chile soweit wie möglich in den Süden fahren, bevor wir dann auf der argentinischen Seite nach Ushuaia fahren, der südlichsten Stadt der Welt.
Allzu viel gibt es über die letzten Tage in Feuerland jedoch nicht zu berichten. Nur folgendes in Kürze:
  • es ist kein Sommer mehr – will heißen hier auf der chilenischen Seite, wo Feuerland eh nicht dicht besiedelt ist, ist jetzt der Hund verfroren. fullsizeoutput_2969Wenn wir eine Lodge oder ein etwas touristisch angehauchtes Örtchen fullsizeoutput_2970sehen, ist dieses bereits geschlossen. Auch die Rinder sind nicht mehr auf der Weide. Wo diese sind, keine Ahnung. Nur vereinzelt sehen wir Schafe, dafür aber jede Menge Guanakos. fullsizeoutput_2939Auch die Bäume beginnen mit der Rotfärbung und die Temperaturen sind eh bereits im Keller (eines Nachts hatten wir Frost, sonst so zwischen 2 bis 6 Grad). Überhaupt die Bäume sind hier besonderst. Nicht nur die sucheinfärbenden Südbuchen, sondern auch die vielen Bäume die vom Wind rasiert wirken, bzw. abgestorben und grau im Wasser stehen oder gespenstisch im Wald sich drängen. Jeder einzelne Baum scheint hier eine Geschichte erzählen zu können;  P1050940
  • Uwe grillt – egal ob es Sommer, Herbst oder Winter ist. Es ist unglaublich bei welchen Temperaturen und Windgeschwindigkeiten er dennoch leckerstes argentinisches Steak zaubern kann. Yummi !
  • Laguna Azul fullsizeoutput_2922– Zaunbau-Wut stoppt auch nicht im Vulkankrater;fullsizeoutput_292a
  • Das große Fressen: fullsizeoutput_296aWieviele Kilometer sind wir in der Hoffnung gewandert, oben in den Bergen einen Kondor fullsizeoutput_2968zu sehen. Es geht soviel einfacher. Hier auf Feuerland sehen wir bereits zum 2. Mal eine „Groß-Familie Kondor“. Ca. 30 Stück jeder Altersklasse P1060123zerlegen vor unseren Augen ein totes Guanako. fullsizeoutput_2960Da stören wir Menschen wirklich nur am Rande;
  • Rotfuchs P1060078vs. Graufuchs fullsizeoutput_2965;fullsizeoutput_2964
  • Dass man hier in Feuerland nicht „Moin, moin“ sagt, wundert mich. Ein Großteil der Insel ist unglaublich flach fullsizeoutput_2931und erinnert mich doch stark an Ostfriesland. Nur ganz im Süden, da wo die Cordilliera Darwin quer vor der Insel liegen, wird es hügelig und wir sehen mal wieder Gletscher und eisbedeckte Berge;
  • Königspinguine – diese Pinguine fullsizeoutput_2958sind so wunderschön, dass es einem das Wasser in die Augen treibt, wenn man diese in Freiheit erleben darf. fullsizeoutput_2934Zugegeben – hier auf Feuerland lebt eine wirklich nur sehr kleine Kolonie – ca. 90 Brutpaare. Dennoch, diese haben gerade Kinder in verschiedenen Altersklassen und diese Kolonie beobachten zu können, hat mich schwer beeindruckt. Diese Pinguine leben ausschließlich auf den 45- 55 Breitengraden.  P1050896Breitengrade, die auf dieser Welt  wirklich nur schwer zu erreichen sind, wie bspw. weit südlich vor Tasmanien bzw. einsame Inseln vor der Antarktis.  Vermutlich werde ich nie wieder so nahe an diese unglaublich schönen Tiere kommen;
  • Looking for Biber – nicht Justin: P1050964obwohl wir Justin hier vermutlich genauso wenig sehen würden, wie einen lebendigen Biber. Angeblich soll der Biber hier eine Plage sein und ja wir sehen auch deutlich die Auswirkungen seiner Aktivitäten in der Dämmerung – dennoch, für uns bleibt er ein Phantom;P1050959
  • Kein Phantom sind jedoch die Wale, die wir hier sehen. Man mag es kaum aufschreiben, aber es ist wirklich wahr. Beim Kaffeetrinken haben wir in der Bucht vor Ushuaia drei Orcas gesehen, die dort offensichtlich ihr Unwesen trieben. Zweimal sind diese vollständig aus dem Wasser gesprungen und meine Freude kennt keine Grenzen; Danach Burger-Essen im Hardrock-Cafe. Das Leben ist gut.IMG_5859
  • Ushuaia: IMG_5870Von hier aus sind es nur noch etwa 1.000 km bis zur Antarktis. IMG_5904Die Südspitze Ushuaia liegt 3200 km südlicher als Kap Horn in Südafrika, wo unser Sohn noch vor Kurzem war. IMG_5880Von hier aus sind es nur noch schlappe 17.848 km bis nach Alaska. Ein Ziel!!!
  • 60.000 Einwohner plus die Kreuzfahrer, die täglich hier ausgeschüttet werden, findet man in Ushuaia. IMG_5876Nur der Beagle-Kanal IMG_5867trennt uns von noch weiter südlich gelegenen Inseln, auf denen nur noch vereinzelt Menschen wohnen. IMG_5859Wir haben Glück mit dem Wetter und erleben hier bei max 11 Grad Tagestemperatur und Sonnenschein keinen wirklich typischen Ushuaia-Tag. Morgen geht es noch einmal in den argentinischen Nationalpark (auf der erneuten Suche nach Bibern) und ab übermorgen gibt es nur noch eine Richtung – zurück in den Norden.
  • Schön fullsizeoutput_2973am fullsizeoutput_2972Atlantik;fullsizeoutput_2961
Celebrate your life

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