Overlanddriver

Reise 2 Teil 19: Volunteers in San Rafael

Einen so langen Arbeitsweg hatten wir wohl noch nie. Nach 4 Tagen sind wir endlich in San Rafael im Restaurant „Naranja Blue“ angekommen. Hier herrscht Ari, eine Holländerin, die vor 11 Jahren nach Argentinien ausgewandert ist und zunächst mit ihrem Mann und nunmehr alleine, hier vor Ort ein deutsches Restaurant führt. Das Restaurant zeichnet sich durch deutsche Küche aus und wird bei TripAdvisor mit als das beste Restaurant vor Ort geführt. Zunächst müssen wir feststellen, dass das Gelände weit außerhalb der Stadt ist und sich hierher niemand zufällig verirrt.

Lautstark werden wir von 6 Hunden unterschiedlicher Größe begrüßt: Naranja, Blue, Golo, Lenni, Tim und Max, alles ehemalige Strassenhunde, die Ari aufgenommen und zu einem wundervollen Rudel zusammengeführt hat. Kinderersatz.

Wir wollen Ari 14 Tage als sogenannte Volunteers im Rahmen von Workaways unter die Arme greifen und ein wenig die argentinische Realität kennenlernen. Das Gelände ist mit Blumen und Bäumen gesäumt, in der Ferne sieht man die schneebedeckten Anden – als Gast ein Ort der Entspannung.

Der Arbeitsalltag beginnt spätestens um 9.00 bis 13.00 Uhr und erneut ab 18.00 – 20.00 Uhr. Das Restaurant öffnet dann um 21.00 Uhr (völlig normal hier, es kommt öfter vor, dass die Gäste erst um 23.30 Uhr aufschlagen). Alles was auf der selbstgemalten Speisekarte steht ist handmade.

Die Vorteile einer Spülmaschine sind schnell erkannt; fast täglich stehe ich bis zu 4 Stunden in der Küche und wasche ab. Ansonsten werden Kartoffeln oder Zwiebeln geschält, Brot gebacken (24 Brote am Stück), Spätzle vorbereitet, Zwiebelkuchen gebacken, Gemüse geschnitten, geputzt und wieder abgewaschen. Ich glaube nicht, dass ich jemals jemanden gesehen habe, der nachhaltiger lebt als Ari. Hier wird nichts, absolut nichts weggeschmissen. Alles kann und muss weiter verwendet werden. Ein täglicher Überlebenskampf. Seit dem Währungsverfall können es sich nur noch wenige Argentinier überhaupt leisten, essen zu gehen – und dann auch noch „deutsch“. Wir sind beeindruckt mit welcher Energie Ari den täglichen Kampf antritt, bemerken dabei aber auch, dass sich Abnutzungserscheinungen zeigen. Offensichtlich wird man müde, abgekämpft und ungerecht, wenn man sich täglich nur mit der Unterstützung von Volunteeren über Wasser halten kann.

Während Ari mir zeigt, wie man aus fast nichts noch vegetarisches Essen zaubert, muss Uwe, gemeinsam mit dem anderen Volunteer Simon, im großzügigen Garten kämpfen. Mähen, malern, Holz machen, Einfriedungen bauen – schon nach kurzer Zeit sind Blasen an den Fingern. Wir fühlen uns als Spülfrau und Hilfsgärtner und fallen abends todmüde ins Bett (Gott sei Dank schlafen wir in Hektor). Wir wissen, was wir tagsüber getan haben und denken doch manchmal mit Wehmut an gewohnte Schreibtischarbeit zurück.

Leider erleben wir hier keinen Einblick in das argentinische Leben, sondern können dafür eine Frau bewundern oder bestaunen, wie Sie mit den täglichen Herausforderungen, alleine ein Restaurant zu betreiben und 6 Hunde sowie ein 3000 qm großes Areal zu versorgen, klar kommt. Das Leben ist hart hier in Argentinien. Auch zu Ari würde der Begriff „hart aber herzlich“ gut passen. Chapeau.

Nach guten 11 Tagen (wir haben Anspruch auf 2 freie Tage pro Woche) und einem leichten Lagerkoller verabschieden wir uns. Dennoch wünschen wir Ari und ihren wunderbaren Hunden, die uns in der kurzen Zeit so ans Herz gewachsen sind, für die Zukunft alles Gute! Für uns ist auch klar, dies wird nicht unsere letzte work-away-Station bleiben. Wir wollen unbedingt Vergleiche anstellen können und haben auch gelernt, dass wir vielseitig einsetzbar sind.

Überraschend müssen wir hier auch etwas über sogenannte Wasserrechte lernen – sprich, einmal in der Woche wird das Grundstück geflutet ( Andenwasser durch Kanäle umgeleitet). Und wir erfahren, dass auch hier der Klimawandel zugeschlagen hat. Die in der Nähe liegenden Skigebiete in den Anden (und diese sind hier bis zu 6.000 Meter hoch) sind nicht mehr ausreichend beschneit, so dass mit Schneekanonen nachgeholfen werden muss. Wer hätte das gedacht. Überhaupt, hier ist es staubtrocken. Der warme Wind scheint der Haut und auch allem anderen jegliche Feuchtigkeit zu entziehen. Wir sind gespannt wie es weitergeht, wenn wir jetzt Richtung Norden – nach Mendoza- aufbrechen.

One reply to “Reise 2 Teil 19: Volunteers in San Rafael

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star