Overlanddriver

Reise 2 Teil 22: Bolivien wir kommen

Nach unseren ersten schlechten Erfahrungen mit der Höhe wollen wir es diesmal richtig machen. Da wir wissen, dass uns unser Weg nach Uyuni in Bolivien mal wieder über 4.400 Meter führt und die danach angestrebte Lagunen-Route sogar die 5.000 Meter Marke reißen wird, entschließen wir uns, uns ganz in Ruhe zu akklimatisieren. Insgesamt 4 Nächte schlafen wir auf Höhen zwischen 3.500 und 3.800 Meter Höhe, dass sollte wohl reichen.

Wir übernachten an einem großartigen Canyon, den wir morgens bewandern und besuchen zudem noch eine Lagune, in der sich neben uns über 20.000 Flamingos und sonstige Wasservögel einfinden. Hier sind wir mit den Tieren vollständig alleine. Ab und zu ziehen Vincunas oder Lamas an unserem Wohnmobil vorbei – ansonsten herrscht hier absolute Ruhe.

Wir fahren an sogenannten Regenbogen-Bergen vorbei – entweder schimmern diese in den Farben des Regenbogens, oder diese haben die Form eines Bogens. Wir geniessen den Norden Argentiniens in vollen Zügen. Doch dann ist es soweit. Wir erreichen den Grenzort nach Bolivien. Wir haben noch einmal das Auto vollgetankt und über 100 Liter Wasser sind ebenfalls an Bord. Wir sind gerüstet – dachen wir.

Die argentinischen Grenzformalitäten werden professionell abgearbeitet. Die Grenzer wissen, was Sie tun müssen. Wir auch. Dann geht es zur bolivianischen Seite. Zunächst will der Grenzer uns gar nicht beachten und macht uns Zeichen, wir mögen einfach ins Land einreisen. Nur nachdem wir mehrfach darauf hinweisen, dass wir ein Auto dabei haben, bemüht er seinen Computer und wir erhalten das notwendige Einreisedokument für Hektor. Wir gehen weiter ins nächste Büro und hoffen, auch für uns einen Stempel in den Reisepass zu erhalten. Dort sitzen zwei Eis essende Grenzer, die uns sehr freundlich mitteilen, dass ein Stempel im Reisepass absolut nicht notwendig sei. OK. Wir wundern uns, aber das ist halt Bolivien.

Wir gehen zurück zum Auto und wollen losfahren, da erscheint ein weiterer Grenzer, der uns auffordert mit in sein Büro zu kommen. Bitte Tür schließen. Dann dürfen wir – natürlich ohne Quittung – die ersten 10 Bolivars bezahlen, so dass er einen weiteren gewichtigen Stempel auf unser TIP (Auto-Reisepass) hinzufügt. Alles klar, wir versuchen das System erst gar nicht zu verstehen.

Wieder im Auto sitzend, können wir unsere Fassungslosigkeit über das wilde Treiben dieses Grenzortes kaum verbergen. Offensichtlich versucht hier jeder die gleichen billige Klamotten an die wenigen Touristen zu verkaufen.

Da kommt ein offensichtlich verwirrter Mann direkt auf unser Auto zu und haut mit dem Kopf immer wieder gegen unseren Frontgrill, so dass Uwe in letzter Not die Hupe betätigt.

Jetzt hat er nicht nur einen Kopf, sondern auch noch einen Hörschaden. Kein Mitleid. Alles direkt und zur Belustigung der bolivianischen Grenzbeamten.

Wir haben nur ein Ziel – möglichst schnell raus aus diesem merkwürdigen Ort. An der ersten Mautstelle stehen Jugendliche, welche die Zeit der sich ebenfalls anschließenden Polizeikontrolle nutzen, um sich an unser Auto zu hängen und zu prüfen, ob denn auch alle Türen wirklich zu sind. Wir sind bedient. Was für ein Empfang!

Nach einer ruhigen Nacht geht es jetzt endlich Richtung Uyuni. Leider merke ich auf dem Weg zum 4.000 Meter Pass, dass mein eines Ohr noch immer rumzickt und ein Druckausgleich nicht möglich ist. Ein kleines Problem mit großer Wirkung!

Traumstraße:

Die Straße von Humahuaca bis nach Uyuni ist wirklich eine der Weltbesten, absoluten Traumstrassen dieser Welt. Haben wir gedacht, die argentinischen Bergformationen seien nicht zu toppen – wir haben uns geirrt. Die Tour durch Süd-Bolivien ist unbeschreiblich schön. Wir durchfahren einen Nationalpark nach dem anderen, nur dass diese hier gar nicht weiter als solche bezeichnet werden.

Ungefähr 90% dieser Strasse von Villazon (Grenzort) nach Uyuni ist auch auf bolivianischer Seite fertiggestellt und in einem hervorragenden Zustand. Nur die restlichen 10 % sind nicht vorhanden – ganz einfach nicht da. Kein Hinweisschild; keine Umleitung; keine gar nichts.

Wir fahren durch ein nicht vollständig ausgetrocknetes Flussbett, vorbei an Männern, die hier ihre Wäsche oder alternativ ihr Auto waschen und stehen immer wieder vor zugeschütteten Strassen, quälen uns durch kleine Dörfer und stehen dann irgendwann doch tatsächlich auf der richtigen Strasse.

Dass diese Strasse dann irgendwo durch ein Seil gesperrt ist – moderne Mautstelle – wundert uns fast gar nicht mehr.

Hier fehlt es offensichtlich an allem. Baumaterialien liegen völlig unabgesperrt auf der Strasse, Strassenteile werden mit Steinen gesperrt; Strassen oder Ortschilder sind fast gar nicht vorhanden. Immer wieder ist nur eine Spur befahrbar. Und man weiss weder, wie lange diese Strecke dauert, noch hat man eine Chance zu erkennen, ob man nicht vielleicht doch Gegenverkehr hat. … und dieser könnte aus uralten Bussen bestehen, die sich hier in Massen schnaufend die Strassen hochquälen.

Die offensichtliche, tiefe Armut der Menschen hier bewegt uns sehr. Die Häuser werden i.d.R. aus Lehmziegeln gebaut und wir können uns nur schwer vorstellen, wie die vielen Kinder in den kalten Nächten dort in den armseligen Hütten hausen, bzw. wie es hier wohl in der Regenzeit aussieht. Läden sehen wir so gut wie gar nicht, doch es ist Feiertag – Allerheiligen. Die Menschen schmücken die Gräber mit Plastikblumen und Großfamilien treffen sich zum Feiern.

Die Menschen, denen wir hier begegnen sind alle ausgesprochen freundlich und sehen wunderschön in Ihrer Tracht aus.

Kurz vor Uyuni müssen wir noch einmal übernachten und uns wird klar, dass ich erneut unter der Höhenkrankheit leide. Wir entscheiden uns daraufhin, am nächsten Tag für nur einen Tag zur größten Salzwüste der Welt zu fahren, dort zu übernachten, aber dann möglichst schnell wieder unter 3.000 Meter Höhe zu fahren.

One reply to “Reise 2 Teil 22: Bolivien wir kommen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star