Reise 2 Teil 25: immer noch Chile, immer noch Pazifik, La Serena, Tongoy, Valparaiso

Was man so alles an der fast 5.000 km langen chilenischen Küste erleben kann:

  1. Zunächst einmal kann man ganz wunderbar Geburtstag feiern; mit Kaffee, Kuchen, Kerzen und einer drei Kilo schweren Dorade. Wir sind mit Bille und Thomas an der Playa de Virgin, dem angeblich schönsten Strand Chiles angekommen und geniessen trotz des unwirschen Campingplatzbetreibers diesen Tag. Erstaunlich ist nur, was sich Frauen und Männer von einem Playa de Virgin erhoffen. Bille und ich setzen auf blaues Wasser und wenig Wind, die Herren sind in gespannter Erwartung, der sich vermeintlich am Strand aalenden Jungfrauen. Das war wohl leider nichts.
  2. Wer hier in der Region Meeresfrüchte-Paella bestellt, sollte darauf vorbereitet sein, dass es 2- 3 Körner Reis und gaaaaaanz viel unterschiedliche Meeresgetier gibt. Soviel davon auf einmal, hat selbst Uwe noch nie auf seinem Teller gesehen, geschweige denn gegessen.
  3. „Missing Green“ – bis nach La Serena sind wir keinem Baum, keiner Blume, keiner Farbe außer allen Ockertönen begegnet. Halt Wüste und Wasser, sonst nichts. Gibt es noch so etwas wie grün? Nachdem wir den Touri-Ort La Serena hinter uns gelassen haben, ebbt die Wüste so ganz allmählich ab und wir können endlich ganz vereinzelt bestellte Felder erkennen. Dies wird immer intensiver, je weiter wir in den Süden fahren und dann ist es endlich soweit – wir sehen seit langem mal wieder Bäume!
  4. Verkehrte Welt: An der Küste ist es morgens oft bewölkt und kalt, um die 12 Grad. Erst wenn die Sonne die Kraft hat den Nebel/Dunst zu lichten, wird es bis zu 20 Grad warm. Wenn man es mal so richtig warm haben will, fährt man hier in die Berge. Hier ist nur wenig Wind, kein Nebel und wunderbare 30 Grad. Und im Übrigen – nein, baden können wir Deutschen hier nicht. Dazu sind wir nicht ausreichend abgehärtet, dass machen max. chilenische Kinder. Der Pazifik ist für Blauwale und Co. da, nicht für uns. Auch wenn wir immer mal wieder faszinierende, zum Teil fast schneeweiße Sandstrände erleben, meistens ist die Küste geprägt von Klippen und starker Brandung.
  5. Wir sind ständig auf der Suche nach Wasser für Hektor; während wir in Argentinien fast immer an den Tankstellen unseren Wassertrank problemlos füllen können, ist dies hier in Chile problematisch. Während wir mal wieder durch einen kleinen Ort cruisen und neidisch auf die Sprinkleranlagen des öffentlichen Parks schauen, fährt plötzlich ein Auto neben uns, hupt und der Fahrer fragt uns zunächst in Spanisch und dann im gebrochenen Englisch, ob wir etwas benötigen würden. Wir sagen Wasser. Er sagt kein Problem, wir sollen mit zu ihm zu seinem Haus kommen. Wir erhalten Wasser, eine neue Autokarte für Chile, lernen alle Leute in der Umgebung kennen und freuen uns Ricardo getroffen zu haben, der Biker ist und gerne mit Ausländern unterwegs ist. Das ist gelebte Gastfreundschaft. Kann man so etwas in Deutschland erleben?
  6. Unsere Tour führt uns zu einem kleinen, abgelegenen Strand in einem Fischerort. Wir stehen zwischen den Booten und geniessen den Blick aufs Wasser, bis ein Fischer auf uns zukommt. Dieser kann die Sprachbarriere dermaßen gut durch Pantomime durchbrechen, dass wir nach gut 1 Stunde wissen, dass er a) 30 Jahre verheiratet ist und seine Frau noch immer liebt b) er 5 Kinder hat (die Namen habe ich vergessen) c) in dem Ort viele junge Männer wohnen, die abends gerne feiern, d) wir bereits eobachtet werden und e) es hier nicht sicher ist zu übernachten. Wir bedanken uns und fahren – trotz bereits fortgeschrittener Uhrzeit – wieder los. So einen Hinweis wollen wir lieber ernst nehmen.
  7. Blauwale und Humboldt-Pinguine soll man hier an der Küste bzw. auf den vorgelagerten Inseln sehen können. Aufgrund von Nebensaison müssten wir leider ein ganzes Boot alleine bezahlen und da auch noch starker Nebel am Morgen aufgezogen ist, sehen wir weder das eine noch das andere.
  8. Die besten Dinge im Leben können einen ganz unvorbereitet treffen: Wir besuchen einen kleinen Ort namens Tongoy, als die Fischer Ihren Tagesfang verarbeiten. Dies läßt nicht nur die Herzen der menschlichen Besucher, sondern auch vor allen Dingen der tierischen Besucher hochschlagen. Neben Möwen, Pelikanen warten auch mindestens 4 Seelöwen auf die anfallenden Fischabfälle. Ein Bild für die Götter, insbesondere wie die Pelikane die ganzen Fischköpfe in ihren riesigen Schnabelsack hebeln und in eins hinunterwürgen.
  9. Das größte touristische Observatorium in Chile lohnt keinen Besuch. Hier in Chile gibt es weltweit die allerbesten Bedingungen Sterne zu sehen. Nirgends ist die Luft klarer und es gibt so wenige störende Lichtquellen. Doch das Observatorium „Cruz de Sur“ an einem Tag zu besuchen, wenn Vollmond ist, ist auf jeden Fall keine gute Idee. Dieser überstrahlt mit seiner Brillanz alle anderen Sterne/ Planeten und auch durch das Teleskop sehen wir die Planeten und Nebel nur sehr, sehr klein. Da muss es noch etwas anderes geben.

So, in genau 4 Wochen ist Weihnachten und wir werden uns ab morgen wieder Richtung Uruguay aufmachen. Ein ganzer Kontinent ist noch zu durchqueren. Wir hatten hier an der chilenischen Küste eine unglaublich gute Zeit. Wir haben in der ganzen Zeit nichts für unsere Übernachtungsplätze bezahlen müssen und konnten doch trotzdem fast jeden Tag mit Meeresrauschen einschlafen. Leider sind all diese wunderbaren, naturbelassenen Plätze mehr oder weniger vermüllt. Zwar stöhnen wir auf hohem Niveau. Sicherlich wird es schwierig sein, irgendwo anders auf der Welt vergleichbare Stellplätze zu finden, die nicht von Hotels zugebaut sind. Dennoch, es wäre schön, wenn auch hier in Chile die Menschen ihre wunderbare Natur etwas mehr zu schätzen wüssten und ihren Müll mitnehmen könnten.

Ach ja, und dann haben wir noch eine Kommunion erlebt und in der etwas heruntergekommendem Hafenstadt Valparaiso die wunderbaren Strassenmalereien bewundert.

Bald mehr, wenn wir wieder in Argentinien sind.

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