Overlanddriver

Reise 3 Teil 29 Iguazu Wasserfälle, Itaipu Staudamm, Gigantomanie, Selfiemanie, Birdpark, we are on the road again

Auch wir wollen den Besuch der Wasserfälle in Iguazu nicht ganz unkommentiert lassen.

img_8617Wikipedia weiss über die Wasserfälle folgendes zu berichten: Bestehen aus 20 grösseren sowie 255 kleineren Wasserfällen auf einer Länge von 2,7 Kilometer. Einige sind bis zu 82 m, der Grossteil der Fälle ist etwa 64 m hoch. Angeblich eins der größten Wasserfallsysteme der Erde. Im Jahresdurchschnitt rauschen rd. 1.800 cbm je Sekunde in die Tiefe. Die Wasserfälle sind sowohl von der brasilianischen, als auch von der argentinischen Seite zu besichtigen – wir haben beides gemacht.image_e45726de-f946-458c-9559-801c7421a01c.p1120658

Von der brasilianischen Seite sieht man die ganzen Ausmasse deutlich besser als von der argentinischen, dafür kommt man auf dieser Seite viel unmittelbarer an die Fälle heran, als in Brasilien. Uns haben beide Seiten super begeistert. p1120758Die Wasserfälle von Iguazu sind eines der modernen 7 Weltwunder – aus unserer Sicht durchaus zu Recht.

Dummerweise waren wir nicht ganz alleine – heißt, bereits morgens stellt man sich in Schlangen an, um entweder per Bus oder Zug zu den ausgeschilderten Wegen zu gelangen. Tja und dann schiebt man sich mit den Massen die Wege entlang. Dabei fällt auf, dass viele unserer Mitreisenden gar kein wirkliches Interesse an den Fällen zeigen. Ganz im Gegenteil, Sie meiden sie gerade zu. Denn wie sonst kann man verstehen, dass Sie permanent mit Ihrem Rücken zu den Fällen stehen und sich selbst fotografieren. Allerdings – wir haben es auch gelegentlich gemacht und von daher können wir den Mund nicht allzu voll nehmen.img_8598

Dennoch, hat man sich früher darum gerissen, den besten Platz zu haben, um die beste Sicht zum Beobachten zu haben, geht es heute nur noch darum den besten Platz zu finden, an dem man selbst fotografiert werden kann. Die Steigerung ist dann nur noch der asiatische Mitmensch, der nicht nur unbedingt ein Foto von sich haben will, sondern auch noch auf seinem iPad den Namen der jeweiligen Attraktion festhält, sonst vergisst er vermutlich wo er war. Auf dem Weg zum nächsten Viewpoint werden dann bereits die ersten Fotos hochgeladen; Willkommen in der digitalen Welt.image_873b9c4d-991a-4c44-a018-7a2fd2809df7.p1120650

Trotzdem – noch einmal- die Fälle sind sensationell und absolut sehenswert. Auch gemeinsam mit vielen anderen Touristen.img_8631

Neben den Fällen gibt es hier als Highlight die Nasenbären, die auf beiden Seiten ihr Unwesen treiben. Diese Nasenbären ernähren sich offensichtlich nur noch von den Fastfood-Resten und Fastfood, das Sie den überraschten Touristen abnehmen. Dies sieht man durchaus auch an Ihrer properen Figur. P1120817Drollig sind sie allemal.p1120751

Wir übernachten in Brasilien auf dem Parkplatzgelände eines empfehlenswerten Hostels, von welchem die Fälle fussläufig erreichbar sind. Hier können wir am nächsten Morgen eine große Familie Nasenbären in freier Natur erleben. Die hier durchaus scheuen Tiere in ihrem normalen Lebensraum zu beobachten ist ein schönes Erlebnis.p1120789

Hier im brasilianischen Teil von Iguazu besuchen wir noch den vielfach gelobten Birdpark, in dem man wirklich hautnah die Vögel der Region (insbesondere Tukans p1120480und p1120820große und kleine Papageienp1120542) sehen kann. Es ist ein grossartig farbenfroher und intensiver Vorgeschmack und wir hoffen sehr, diese Tiere auch in freier Wildbahn erleben zu können, wenn wir weiter Richtung Pantanal fahren.

Um das Tripple perfekt zu machen, besuchen wir am 3. Tag auch noch den Staudamm von Itaipu. P1120850Der gigantische Staudamm liegt auf der Grenze von Brasilien zu Paraguay und wurde von beiden Ländern zusammen errichtet. Itaipu ist nicht nur ein gigantischer Staudamm von 7,7 km länge, fast 100 m Breite und 196 m Höhe, sondern war bis vor kurzen das größte Wasserkraftwerk der Welt. P1120833Die 24 Turbinen produzieren etwa 25 % des gesamten Energieverbrauches von Brasilien und 85% von Paraguay. Im Rahmen der Panoramatour dürfen wir uns einen Eindruck von den gigantischen Ausmassen des Staudammes machen.P1120836

Hier auf unserer Tour durch Brasilien ist uns insbesondere aufgefallen, wie sauber die Vorgärten und auch die Städte sind. Die Landschaft ist nicht mit Plastiktüten dekoriert und das, obwohl sie hier gar nicht verboten sind. Wir waren jetzt nur 2 Tage in Argentinien und können es fast nicht fassen wie unglaublich vermüllt der Campingplatz und dessen nähere Umgebung ist. Also decken uns noch mit argentinischen Wein ein und fahren schnell wieder nach Brasilien zurück, wo wir uns überraschend wohl und sicher fühlen. Und zwar obwohl wirklich häufig vor Reisen in Brasilien gewarnt wird – z. B. hat uns neulich jemand aus Paraguay an der Tankstelle angesprochen und davor gewarnt, mit unserem Auto durch Brasilien weiter zu reisen. Wir nehmen diese Hinweise durchaus Ernst und stehen von daher nachts auch meistens auf insb. Campingplätzen. Dies ist natürlich kein Garant, hilft aber beim Einschlafen.

Was uns hier auch überrascht hat, sind die Menge an Blitzern. Die Geschwindigkeit in den Städten und Dörfern wird nicht nur, wie in den anderen Ländern auch, durch eine Vielzahl von beeindruckenden Bumps geregelt – nein, hier hat jedes Dorf mindestens eine Blitzerstrecke – und an die halten sich alle. P1120931Mit der brasilianischen Polizei will offenbar wirklich niemand diskutieren. Apropos Polizei- wir wurden doch tatsächlich auf argentinischer Seite von der Polizei angehalten und sollten Touristensteuer bezahlen. Es wird einem ein für uns unleserlicher Zettel unter die Nase gehalten und Geld eingefordert. Wir weigern uns, die Frau geht weg, kommt wieder und sagt es sei in Ordnung, wir könnten weiterfahren. Achja, so geht das.

Wir hören immer wieder, dass es jetzt dringend Zeit wird ins Pantanal aufzubrechen. Die Regenzeit kommt! und die will dort eigentlich keiner erleben. Das heißt, nachdem wir nochmals so richtig shoppen waren, brechen wir auf Richtung Porto Jofre. 1700 km liegen bereits hinter uns und weitere 1700 km liegen vor uns. Die Wettervorhersage stimmt uns pessimistisch – soll es doch über 40 Grad warm werden.

Die 1.700 km ziehen sich wie Kaugummi. Hat jemand gemeint, dass es langweilig ist durch Patagonien zu reisen, der ist noch nie die Strecke von Iguazu nach Cuiaba gefahren. Links und rechts nur riesige Felder, Felder, Felder. Hauptsächlich Mais, der aber nicht an die armen Kühe verteilt wird, die hier links und rechts vereinzelt grasen und bei denen wir die Rippen zählen können. Der Mais wird vermutlich in den Export gehen.P1120925

Es ist immer noch grau, seit Tagen sehen wir keinen richtig blauen Himmel mit Sonnenlicht, immer wieder sehen wir kleinere Feuer. Aus meiner persönlichen Sicht würde ich meinen, dass die Brasilianer hier nicht mehr allzu viel abbrennen müssen – das Werk ist bereits getan. Jeder Zentimeter ist industriell benutzt. Nur noch ganz – wirklich ganz kleine Streifen der ursprünglich üppigen Vegetation sind zu erkennen. Kein Wunder, dass wir die Aras bereits auf einer 4spurigen Strasse am Wegesrand sehen. Ihr Lebensraum ist massiv gefährdet. Bäume scheinen nur noch als Schattenspender für das Viehzeug wichtig.P1120928

Wir überholen immer wieder diese unsäglichen Tiertransporte. Insbesondere die Hennen, die in so kleinen Käfigen liegen, so dass sie sich nicht einen Zentimeter mehr bewegen, können einen so Leid tun. Diese Tiere werden alle lebendig transportiert, bei 45 Grad in der Sonne. Eigentlich kommen sie doch dann schon gekocht an, töten ist nicht mehr notwendig.P1120899

Der Schweiß läuft immer, kein Windzug. Morgens nach dem Aufstehen zunächst eine kleine chemische Keule auf den Gesamtkörper verteilen gegen die allgegenwärtigen Moskitos und tagsüber immer wieder nachlegen. Urlaub??  Nein, das sieht anders aus. Wir sind offenbar mehr auf einer durchaus anstrengenden Abenteuerreise. Das Gesicht ist immer nass vor Schweiss. Also nicht wundern, wenn es keine Fotos von uns gibt. Mein „Imkeranzug“ – zu Hause noch verpönt, hier mein bester Freund. Ohne diesen könnte ich viele Tage, insbesondere an den Nachmittagen, gar nicht rausgehen. Wir merken auch, dass wir zunehmend gereizt werden. Dennoch, wir erleben hier soviel interessante Sachen, sehen jeden Tag unglaublich viele Früchte, Bäume, Tiere, die wir nicht kennen. Das Einkaufen ist jeweils ein Erlebnis/Wagnis; was kennen wir, was probieren wir, was machen wir daraus? Meist klappt es ganz gut.

Tja und dann treffen wir auch noch auf unglaublich tolle Menschen z.B.

  • Wir übernachten bei einer Familie, die davon lebt, dass die Tochter Marathons läuft und entsprechend Preisgelder erhält. Die Familie ist ebenfalls 2 Jahre im Wohnmobil umher gefahren und stellt nunmehr auf Ihrem Grundstück ein kleines Appartement sowie Platz für Overlander zur Verfügung. Der Vater spricht kein Wort Englisch. Die herzliche Gastfreundschaft ist trotzdem greifbar und erlebt man wirklich ganz selten.
  • Auf einem unterirdischen Campingplatz werden wir von den bereits anwesenden Hobbyfischern begrüßt und als Willkommensgeschenk erhalten wir frisch gefangene Fische.
  • Als wir aufgrund eines Feuers unseren gewählten Campingplatz nicht finden, fragen wir bei einer Fazienda, ob wir vor den Toren stehen bleiben können. Selbstverständlich. Wir können auch hinein fahren. Nein, uns gefällt der große Baum und wir schlafen bestens, bis wir morgens ein intensives Brummen hören. Der im Baum lebende Schwarm -was auch immer- ist aufgewacht und brummt um Hector. Wir bewegen uns nicht und hoffen, dass er irgendwann abzieht. Und so passiert es dann auch.P1120879

image_ba2d89d9-3dbe-4b60-8652-e25eae805e4b.p1120683

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star