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Teil 30:  Pantanal, Fahrt auf der Transpantaneira, Jaguare

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Das Pantanal ist umwerfend !  Es ist das größte Feuchtgebiet der Erde. 20mal so groß wie die Everglades in den USA. Eine riesige Flussmarsch, welche in der Regenzeit (Nov.-Januar) fast vollständig überflutet wird, so dass sich Mensch und Tier auf die wenigen höhergelegenen Ebenen zurück ziehen müssen. Eins der letzten Rückzugsorte von vom Aussterben bedrohter Tiere. Ein Naturparadies, welches leider massiv durch den Einsatz von Düngemitteln in der angrenzenden Landwirtschaft und dem Quecksilbergebrauch der umliegenden Minen bedroht ist. Man unterscheidet das südliche und das nördliche Pantanal und wir befinden uns jetzt schon seit Tagen im nördlichen Teil. Es gibt in der Region nur eine größere Stadt, im übrigen gehört diese Welt den Tieren und den Transpantaneiros, den Einheimischen, die schon vor Jahrhunderten hier im kleinen Umfang Viehzucht betrieben haben. Alleine 650 Arten von Vögeln kann man hier sehen; das sind doppelt so viele wie in den USA und Kanada zusammen zu finden sind. Des Weiteren gibt es nirgends auf der Welt so viele Kaimane wie hier – bis zu 80 Kilo schwer können die „Kleinen“ werden. Kaimane sind zudem das Lieblingsessen von Jaguaren, doch hierzu später mehr.

Vor allen die großen Aras, auch die vom Aussterben bedrohten Hyazinth-Aras, P1130858Tukane, Jaribus (größter Storch der Welt und das Wahrzeichen des Pantanals ) leben hier und wir können Sie alle beobachten. Es ist ein riesiger Zoo, nur dass hier die Tiere entscheiden, ob sie sich zeigen oder nicht. Jetzt in der Trockenzeit versammeln sich die Tiere bei den verbliebenen Wasserlöchern und am Fluss und wir staunen, wie einfach es ist die Tiere zu erspähen. Aras klettern an den Palmen und fressen deren Früchte, Tukane fliegen von Baum zu Baum, Gürteltiere, Ameisenbären P1130143kreuzen mehr oder weniger durch Zufall unseren Weg.

In das nördliche Pantanal führt eine ca. 140 km lange, fast schnurgerade, aufgeschüttete und nicht asphaltiert Strasse, die mit ca. 125 abenteuerlichen Brücken gespickt ist: Die sogenannte Transpantaneira. 1a96fa8f-434d-4cde-8ccb-036e8c05936bViele der Brücken verdienen den Namen nicht, sind es doch nur Holzkonstruktionen, bei denen im Laufe der Zeit auch mal das ein oder andere wesentliche Teil verfault, abgerissen, verschoben ist bzw. schlicht fehlt. Nur Fahrzeuge bis zu 6 Tonnen dürfen die Brücken angeblich befahren und von daher gibt es bei einigen Brücken sogenannte Umfahrungen, die dann halt durch mehr oder weniger Wasser führen. Einige Brücken sind so kaputt, dass alle – die es wissen – immer die Umfahrung nutzen. Entsprechende Hinweisschilder gibt es natürlich nicht. Bei 3 Brücken diskutieren wir erstmal, mit dem Ergebnis: Ich gehe lieber vor und filme, wie Uwe gekonnt unseren Hektor auf einer Planke balanciert und sicher auf die andere Seite bringt. Manchmal muss ich die Augen schließen und ich mag mir nicht vorstellen, was passiert, wenn er die richtige Planke nicht trifft, sondern in das Loch daneben fährt.IMG_8991

Als wir im nördlichen Teil des Pantanal ankommen regnet es heftig und die Strasse verwandelt sich in eine große Matschpiste, auf der selbst die größeren LKWs stecken bleiben. Wir warten erstmal ein wenig ab und fahren lieber erst nach 2 Sonnentagen weiter.  Dennoch treffen wir einen Viehtransporter, der mit seinen Kühen in der Umfahrung im Matsch stecken geblieben ist. Angeblich hat er die Nacht unter dem Auto mit einem Messer in der Hand liegend verbracht. Das mit dem Messer glauben wir sofort, denn hier liegen wirklich in jeder noch so kleinen Fütze die Kaimane herum. Da wir hier nun die Umfahrung nicht nutzen können, hilft er Uwe über die marode Brücke zu fahren.  Uns tut der Mann, aber erst recht die Tiere leid, die in der sengenden Hitze stundenlang ausharren. Wir helfen noch mit Wassre aus und hoffen, dass schnell Hilfe kommt. Gott sei Dank sehen wir dann auch bald einen Trecker, der dem  Viehtransporter zur Hilfe eilt.

Die Zeit hier ist mega anstrengend. Bei 30 Grad atmen wir auf, doch meistens zeigt das Thermometer bis 40 Grad an. Auch jetzt zum Ende der Trockenzeit herrscht hier eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit, was besonders die Moskitos lieben. Wir sind zerstochen, unausgeschlafen, verschwitzt aber doch meist glücklich. Die Tierwelt entschädigt uns immer wieder für alles. Ab 18.30 Uhr wird es schlagartig dunkel. Dann sitzen wir in unserem heißen Hektor und warten auf die leichte nächtliche Abkühlung, sitzen dort ohne Klimaanlage im Dunkeln. Licht anmachen ist nicht möglich, weil wir dann zu viele ungebetene Besucher haben, die wir dann den Rest der Nacht jagen müssen. Zwischenzeitlich kann ich sogar schon im Dunkeln kochen, wobei dies doch nichts mit Gourmetküche gemein hat.

Nach der Hälfte der Strecke wird die Vegetation an der Pantaneira immer dichter. Wir kommen allmählich in die Region des Jaguars – dem König des Pantanals. Er kann im Wasser sowie an Land jagen und hat nach unserem Kenntnisstand nur einen wirklichen Feind und das ist der Mensch. Er „liebt“ Kaimane und die gibt es hier in jeder Preisklasse (bis zu 80 Kilo schwer).P1130653

Am Ende der Pantaneira ist der kleine Ort Porto Joffre und von hier starten die Boote mit dem Ziel, Jaguare zu beobachten. In der Jaguar Eco Lodge schließen wir uns einer Tour mit Eduardo an und werden nicht enttäuscht. Ein krönender Abschluss für diese Tage: Wir beobachten Jaguare – schlafend, jagend, schwimmend. Unglaubliche Tiere. Wir sind super glücklich, auch wenn wir hierfür 7 Stunden im Boot ausharren mussten und diese Freude definitiv nicht alleine erlebt haben. Sobald ein Jaguar gesehen wird, stürzen sich alle Touristenboote auf ihn. Stets bedacht mindestens 10 Meter Abstand zu halten, denn so weit kann der Jaguar springen.

Mein Moskitoanzug fühlt sich hier wohl – hier findet er erstmalig auch eine Reihe Brüder und Schwestern. In anderen Booten sitzen aber auch einige vermutlich professionelle und bestens ausgerüstete Fotografen, die schmunzeln max. über meinen Versuch des Schutzes. Auch die Pferdefliegen lachen darüber. Irgendwie finden sie immer einen Weg – und sei es, dass sie während des Fotografierens in die Hände stechen. Wir wundern uns, dass wir so wenige Kaimane sehen und Eduardo erklärt uns, dass auch die Kaimane auf Pferdefliegen reagieren und von daher an solchen Tagen lieber abtauchen. – Wer hätte das gedacht.-fullsizeoutput_6d5c

Auch sonst unternehmen wir hier viel. Schnorcheln und „floaten“ in glasklaren Flüssen, weitere Bootsausflüge und relaxen auf einer der vielen Faziendas. Wir beobachten so viele Tiere, hauptsächliche Vögel, deren Namen wir nicht einmal im Ansatz wissen. Immer wieder haben es uns die Aras, Sittiche und Tukane und Affen angetan.

Auch kleine und größere Schrecken passieren: Ich vergesse meine Handtasche in einer Tankstelle und merke es erst 100 km später. Auf dem Rückweg irren wir in der Stadt umher und finden zunächst diese blöde Tankstelle nicht wieder. Mein Puls steigt, sind doch Kreditkarten, Geld, Pass und mein Fotoapparat darin. Gott sei Dank finden wir irgendwann alles wieder. Ende gut, alles gut. Bis zu dem Moment, wo Uwe reiten geht. Während ich ihn filme, wie er im gestreckten Galopp -mit einer Hand winkend- auf mich zu reitet …, bis das Pferd in ein Loch tritt und Uwe nun vornüber auf mich zufliegt.  Beide stürzen zu Boden. Erst bewegt sich Uwe nicht, dann das Pferd nicht, welches auf Uwe liegt !!!  Gott sei Dank rappeln sich beide wieder, schütteln sich und behaupten, es sei nichts ernsthaftes passiert. Da hat der Glücksengel aber vollen Einsatz gezeigt.

Wo wird man beim Frühstück neugierig von Aras beobachtet,

wo läuft eine Büffelherde, eine Emu-Familie, ein Ameisenbär, Gürteltiere, Schildkröten an Hector vorbei,

wo machen Ameisen die Steckdosen kaputt und die Bäume blühen auch gerne mal in den Farben violett und gelb,

wo bestimmen Affen, ob du Internet hast oder nicht – in Abhängigkeit davon, ob sie auf der Schüssel umherturnen oder nicht,

wo ist das Kaltwasser der Aussendusche am Anfang viel zu heiss und du musst warten, bis das Wasser aus den Leitungen gewichen ist ,

wo kann man im glasklaren Fluss schnorcheln und farbenfrohe Fische sehen,

wo sollte man vor dem Aussteigen aus dem Auto nachsehen, ob nicht ein paar hungrige Kaimane am Wegesrand liegen,

wo sehnt man sich tatsächlich nach 13 Grad und leichtem Regen ,

wo hängen die Mangobäume so voll, dass selbst die Büffel die Früchte fressen,

wo ist einem egal, wieviel Chemie im Mückenschutzmittel ist- Hauptsache es hilft ein wenig,

wo sitzt Uwe um 3 Uhr nachts unter unserem Ventilator und trinkt kaltes Bier aus dem Kühlschrank,

wo beträgt unser Bewegungsradius max. 5 Meter um Hector?

wo werden die Hunde unseres Lodgebesitzers vom Jaguar gerissen,

wo sehen wir eine Familie der Giant-Otter ganz nah ?:

…… im einzigartigen Pantanal !!P1140039

Bei all diesen tollen Eindrücken möchte ich aber auch auf die negativen Seiten hinweisen, die uns aufgefallen sind. Gerade auf dem Weg ins Pantanal sind wir an riesigen bereits versteppten Flächen entlang gefahren. Hier muss nichts mehr abgebrannt werden, denn hier wächst schon lange nichts mehr. Monokultur ist überall sichtbar. Wir können in Europa noch so viele Anstrengungen unternehmen, um das Klima zu retten. Es wird nichts helfen, wenn nicht auch hier etwas passiert. Es müssen unbedingt Anreize geschaffen werden zu mehr Diversifikation, auf das Tiere wieder Lebensraum finden und die Natur eine Chance bekommt sich zu erholen. Zur Zeit ist alles auf Viehzucht und Mais- sowie Sojaanbau ausgerichtet. So viele Arbeitsplätze hängen ganz offensichtlich an diesen riesigen Wirtschaftszweigen. Aber es sollte z.B. nicht sein, dass man -wie wir- einen Jaguar mit einer Plastikflasche spielen sehen kann.P1130178

Wir brechen jetzt auf Richtung Bolivien. Unsere Zeit hier in Brasilien haben wir viel mehr genossen als erwartet. Die lange Anfahrt und das elendige Schwitzen hat sich für uns gelohnt. Da wir so viele Bilder von wunderbaren Tieren gemacht haben, werden wir der Einfachheit halber im nächsten Blog nur diese Fotos hochladen (wenn wir denn eine entsprechend gute WLan-Verbindung haben).

Abschließend noch ein kleiner Hinweis. Wir haben Chris aus NY kennengelernt, der ein wildlife-conserver ist. Will heißen er macht brillante Fotos – meistens vom Aussterben bedrohter Tiere- und lädt die auf seinem Insta-Account hoch. Nach dem Motto, was ich liebe- töte ich nicht. Sh. Chrisangphoto. Er freut sich über weitere Follower.

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