Overlanddriver

Teil 32: Peru wir kommen! Titicacasee; Arequipa, die weiße Stadt; Atacama Wüste oder nicht; Streik

Morgens um 5.30 Uhr schleichen wir uns mehr oder weniger aus La Paz. Wir sind extra früh aufgestanden, um halbwegs gut durch den Verkehr zu kommen und Gott sei Dank, unser Plan geht auf. Natürlich brauchen wir länger als erwartet, aber mehr oder weniger unbeschadet fahren wir aus dem Schmelztiegel La Paz hinaus, hinauf auf die Hochebene und fahren Richtung Titicacasee, welchen wir jedoch nur kurz streifen. Unser Ziel ist ja zunächst die Pazifikküste von Peru. So bewundern wir nur ganz kurz das intensive Farbspiel des höchsten Sees der Welt, welcher Dutzende-fach größer ist als der Bodensee. Die Dächer und zum Teil auch die Wände der Häuser bestehen immer öfter aus dem hier typischen Schilf.IMG_9506

Die Grenze kommt näher und wir stehen in einer kilometerlangen Schlange. Rechts und links der Strasse parken mindestens 2 km lang nur Tankwagen. Anstehen ist ja nun nicht unser Motto, also fahren wir langsam an allen vorbei. Immer fröhlich winken ist unser Motto. Dumm nur, wenn in dieser schmalen Passage einem ein Tankwagen und/oder ein Bus entgegen kommt. Uwe schiebt Hector in Millimeterarbeit an den LKWs vorbei. Ich würde am Liebsten aussteigen, doch meinen Fluchtrieb kann ich gar nicht ausleben, da ich einfach nicht die Tür öffnen kann. Aber wir schaffen es irgendwie. Die Grenze ist total chaotisch, aber in Summe sind alle bemüht und so sind wir nach relativ kurzer Zeit mit allen Papieren bewaffnet. Peru wir kommen. Jippii.

Kurze Anmerkung: Da Bolivien keinen direkten Zugang zum Meer hat, muss sämtliches Benzin umständlich über Tankwagen ins Land transportiert werden.

Der Unterschied zwischen Peru und Bolivien ist sofort augenfällig. Die Strassen sind geteert, die Häuser sind gestrichen und wir sehen keinen Müll( das soll sich noch im Laufe der Zeit drastisch ändern). Es fühlt sich an wie „schöner Wohnen“ auf niedrigem Niveau. Also, wir sind super erfreut und fahren erst einmal Richtung Küste. Wir wollen nach all den Bergen endlich mal wieder entspannen und aufs Meer sehen.P1140621

Wir kommen von einer Höhe von 4.800 Meter und benötigen tatsächlich 2 Tage bis wir endlich Meer sehen. Auf diesem Weg stellen wir überrascht fest, dass es hier im südlichen Peru auch noch die Atacama Wüste gibt. P1140535Die Sand- und Schotterberge faszinieren uns in ihrer Farb- und Formgestaltung. Der Küstennebel lässt in einigen Bereichen Blumen auf den eigentlich kargen Boden wachsen.P1140596

Wir fahren zunächst nach Ilo und geniessen das bunte Treiben des Fischerortes. Hier gibt es FISCH, und zwar ganz frischen. Das wissen nicht nur wir, sondern auch unsere beflügelten und behaarten Tierfreunde. Aber das Warten lohnt sich wirklich für alle. Wir essen hier ganz hervorragend und können vor einem kleinen Restaurant auch noch bestens übernachten. Was will man mehr.P1140553

Nach ein paar Tagen der Entspannung fahren wir weiter die Küste entlang Richtung Arequipa, der zweitgrößten Stadt von Peru, welche wieder ein wenig im Landesinneren liegt. Es ist Montag morgen und überall sehen wir Häuser und Autos geschmückt mit Fahnen auf denen der Slogan „Agro si, Minas no“ propagiert wird. Der Sinn ist uns schnell klar. Hier im Süden von Peru scheint der Boden sehr ertragreich zu sein, hier wächst alles und man will weitere Vorstöße der Minengesellschaften abwehren. Dies erfolgt auch durch intensive Strassensperren, welche heute an einem Montag leider nur zum Teil weggeräumt sind. Wir umfahren Steine und schwelende Baumstämme im Slalom.P1140658

In Arequipa 2580c742-d4a2-404b-a028-31880207ce6afällt uns zunächst auf, dass überall Toyota Hilux umherfahren (das Standardmodell für Minenarbeiter in ganz Südamerika) und wir kommen auf die Idee, dass dies ein guter Ort sein könnte, um Hector einen Full Service zu gönnen. Gesagt, getan. Wir fahren an einer Toyota Werkstatt vorbei, drehen um und schon melden wir Hector für die große Inspektion an. Wir sind überrascht, wie professionell es hier zugeht und haben tiefstes Vertrauen. Selbst die Taxifahrt zurück in die Stadt wird von Toyota übernommen und dennoch fällt die Rechnung für deutsche Verhältnisse bescheiden aus. Wir sind mal wieder begeistert. Aber nicht nur von Toyota, sondern vor allem auch von Arequipa.

Das ist unsere Stadt. IMG_9644Die sogenannte weiße Stadt -diesen Namen trägt die Stadt übrigens nicht von dem vielerorts verbautem weißen Sillargestein vulkanischen Ursprungs-  ist picturesque umgeben von mehreren teilweise über 6.000 m hohen Vulkanen und lockt zudem mit einem ganzjährig milden und sonnigen Klima. Uns fallen die vielen sauberen und kunstvoll gearbeiteteten Gebäude aus der Kolonialzeit auf. Überhaupt hat die Altstadt von Arequipa alles, was europäische Touristen schätzen. Sauber, an den touristischen Highlights kein oder nur wenig Verkehr, touristisch – aber nicht zu überlaufen, kleine Cafés, bunte und originelle Innenhöfe, in denen man in ungezwungener Atmosphäre etwas kaufen kann, bunte Markthallen, Supermärkte … und überall kann man Waren aus Baby-Alpaka-Wolle sehen und kaufen, wobei wir sicher sind, dass mindestens 80 % Fake-Ware ist. In manchen Läden können wir Schals aus Vicunia-Wolle bestaunen, diese kosten weit über 1.000 Euro, da die Wolle doch so selten und wertvoll ist.P1140704

Abends gehen wir mit unseren Mitcampern zu 12 essen und trinken -viel zu viel Pisco Sour- : ein gelungener Abend. IMG_9579Das Leben ist schön und die Strapazen von Bolivien scheinen weit entfernt zu sein. Hier in Arequipa treffen wir auch Jürgen und Hilde wieder, mit denen wir schon in La Paz auf dem Campingplatz standen. Immer wieder schön andere Overlander zu treffen, die die eigene Sprache sprechen und von interessante Abenteuern berichten können. Wir Vier haben das gleiche Ziel, denn alle wollen wir im Dezember von Quito Richtung Deutschland fliegen. Wir sind beunruhigt, ob der Nachrichten von Ecuador und hoffen sehr, dass sich die Lage in den nächsten Wochen beruhigt. Derzeit lesen wir über Ecuador täglich über Straßenblokaden und Flughafensperrungen. Da wir mit Condor zurückfliegen wollen, bleibt es allemal spannend, wie sich unser Rückzug entwickelt. Aber wir haben ja noch sooooo viel Zeit bis dahin.

Dann wir es Zeit für Kultur – muss ja auch mal sein. In der Innenstadt von Arequipa gibt es das Kloster Santa Catalina aus dem Jahr 1579 in der Größe von ca. 20.000 qm. Eine kleine Stadt in der Stadt. In diesem Kloster lebten früher über 280 Nonnen, derzeit nur noch 18. Dennoch, das Kloster wurde nach einigen Erdbeben aufwendig renoviert und ist nun ein wahrer Augenschmaus.IMG_9614

Auch Christin und Thomas, die Vollzeitreisenden, sind in der Nähe und wir wollen uns mit Ihnen treffen, um gemeinsam in den nahe gelegenen Colca-Canyon zu reisen. P1140789Unser Treffen steht jedoch anfangs unter keinem guten Stern, auch wenn die Wiedersehensfreude groß ist. 18.10.2019 bis Chivay 6Es regnet und regnet und wir fahren schließlich nur bis in den kleinen Ort Chivay, um dort abzuwettern. In der Nacht stehen wir mit unseren Autos direkt an der Plaza de Armas, was sicher ist, aber leider auch unglaublich laut. An Schlaf ist eigentlich weniger zu denken, jedenfalls nur mit vielen Unterbrechungen. Dennoch -wir essen erstmals Meerschweinchen-, tingeln durch den Markt und können am nächsten Morgen sogar einen Umzug miterleben. Die Akteure ziehen samt Bullen direkt an Hector und Dicki vorbei.IMG_9798

Dicki wurde am Titicacasee von einem Priester gesegnet und Hector ist ein wenig eifersüchtig. Von daher übernimmt Thomas die kleine Zeremonie, schmückt Hector und sagt die magischen Worte. Schwups – nun fühlt sich Hector nicht mehr benachteiligt und wir brechen nachmittags in die Berge auf, obwohl es immer noch regnet bzw. oben in den Bergen bereits schneit. Morgen früh zwischen 7 und 8 Uhr sollen im Colca-Canyon die Kondore aufsteigen und bestens zu sehen sein. Direkt an einem der Aussichtspunkte bleiben wir stehen und übernachten dort. IMG_9824Der Regen hat den Parkplatz aufgelöst und wir rutschen mehr oder weniger in eine endgültige Parkposition. Hier geht erstmal gar nichts mehr. Am Besten früh schlafen gehen und hoffen, dass es morgen besser aussieht. Wir schlafen auf 3.600 Metern und es geht uns trotzdem gut. Offenbar sind wir diesmal ausreichend akklimatisiert.

Ein unfreundlicher Fremdenführer weckt uns durch intensives Klopfen bereits um 6 Uhr. Wir stehen auf, klettern aus Hector und bevor all die anderen Touristen kommen, sind wir alleine mit unseren Kondoren. Wir stehen am Canyon Rand und sehen wie sie kurz vor 8 Uhr, als die Sonne allmählich die Luft erwärmt, ihre riesigen Schwingen ausschütteln, um sich dann majestätisch in die Lüfte zu schwingen. P1140867Absolute Meister der Luft. Vom Aussterben bedroht. Flügellänge bis zu 3,20 Meter. Geschlechtsreif erst nach 12 Jahren und dann legen sie alle 3 Jahre nur 1 Ei. Sie sind neugierig. Wir werden von der Bande genauestens beobachtet. Wir haben absolut nichts dagegen, denn wir machen es ebenso. Die Kameras sind ausgepackt und ein Foto nach dem anderen wird geschossen. Wir sind so begeistert, diese wunderbaren Tiere in ihrem natürlichen Umfeld beobachten zu dürfen. Als die anderen Touristen kommen, sind wir schon satt, voll von positiven Eindrücken und wir ziehen uns in unsere Mobile zurück, um zu frühstücken.P1140900

Doch der Tag ist noch lang. Wir haben beschlossen, uns gemeinsam mit Thomas und Christin ins Abenteuer zu stürzen. Der Colca-Canyon soll der weltweit zweittiefste Canyon der Welt sein, aber der in der Nähe gelegene Canyon von Cotahuasi soll sogar der tiefste Canyon der Welt sein. Dazwischen liegt das Valle de Volcanes. Das alles klingt gut. Wir haben ausreichend Essen, Wasser und Diesel und sind zudem offenbar endlich gut an die Höhe klimatisiert. Wir brechen auf in eine überwältigende Gegend, die noch vom Tourismus weitestgehend unbeleckt ist. Als wir starten ahnen wir noch nicht, dass wir insgesamt 7 Tage zusammen reisen werden und durch eine der eindrucksvollsten Gegenden unserer bisherigen Reise fahren. Es ist einfach schön, durch diese sehr einsamen Gebiete mit Freunden zu fahren, Erfahrungen und Eindrücke direkt zu teilen, gemeinsam zu frühstücken und Abends gemeinsam zu kochen. Eine rundum positive Erfahrung.P1140903

Einzelheiten dazu im nächsten Blog.IMG_9494

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