Overlanddriver

Teil 33: Colca Canyon, Cotahuasi – der tiefste Canyon der Welt; Reisanbau in der Wüste, Nazca-Linien

Beinahe hätte ich diesen Blog mit den Worten begonnen: „Captain Kirk und Raumschiff Enterprise ist nichts gegen Dicki und Hector in Peru“. Tatsache ist nämlich, dass diese beiden Bimobile und ihre Fahrer aufgebrochen sind, hier in Südamerika neue Welten zu entdecken und dabei in den letzten Tagen einen wirklich großartigen Job gemacht haben. 7 Tage sind wir zu viert IMG_9838zwischen  900 und 4.900 Metern die Canyons in endlosen Serpentinen rauf und runter gefahren. P1150239Während wir Menschen so manche Anpassungsprobleme hatten, steckten das die beiden Autos locker weg. 24.10.2019 Cotahuasi Ri. Pazifik 7Auf den Hochebenen begegneten wir immer wieder Herden von Alpakas, Lamas sowie wilden Vicunias. P1150207Diese sind immer optimal der jeweiligen Wetterlage angepasst bekleidet, P1150280wir leider nicht. Morgens starten wir bei 25 Grad mit kurzer Hose und T-Shirts, um wenige Stunden später frierend im heftigen Wind, wenn nicht im Schnee zu stecken und nach Jacke und Mütze zu suchen. 22.10.2019 nach Cotahuasi 7So ging es Tag um Tag. Dennoch, die Tour durch den Colca Canyon, durch das Valle de Volcanes, entlang einer Strasse die nicht einmal unsere App „Mapsme“ kennt, vorbei an schneebedeckten Vulkangipfeln bis hinunter nach Cotahuasi – zum angeblich tiefsten Canyon der Welt, ist unglaublich.P1150026

Wir alle sind uns sicher, dass wir so schnell nie wieder durch so eine einsame und eindrucksvolle Landschaft fahren werden. Die Strasse ist selten breiter als für ein Fahrzeug, aber fast immer geteert. 22.10.2019 nach Cotahuasi 7Gegenverkehr – meistens Fehlanzeige. Die Menschen der wenigen Orte sind vom Tourismus noch völlig unbeleckt. Freundlichkeit, Menschlichkeit ist fast fühlbar, obwohl alle hier einen schwierigen und beschwerlichen Alltag erleben. Die Hänge der Canyon sowie der engen Täler sind mit präinka-Terassen durchzogen P1150001und hier wird alles für die Selbstversorgung angebaut. Wir wundern uns insbesondere über die Menge der Reisfelder, welche wir in den Tälern sehen.20.10.2019 Colca - Valle de los Volcanes 6

In einem kleinen Ort wird Uwe „Chicha“ angeboten. P1150124Das bierartige Getränk entsteht, in dem die Frauen gebackene Maismehlfladen durchkauen und dann den Inhalt in einen Tontopf ausspucken. Durch den Speichel erfolgt eine Fermentation der verschiedenen Pflanzen und hat danach einen Alkoholgehalt von 1-6 % Vol. Chicha gab es bereits zur Inkazeit. Wir haben davon gelesen, doch probieren wollen wir dann doch irgendwie nicht.P1150135

Abends stehen wir im absoluten nowhere Land. Um uns herum ist nichts, außer Kakteen und Berghänge. Der Sternenhimmel ist unsagbar und wir versuchen es mal wieder mit Nachtfotografie.

21.10.2019 Volcanes Mirador 7

Wir kochen gemeinsam, wir lachen gemeinsam und sind froh diese faszinierende Welt teilen zu können.IMG_9860

Dennoch ist es irgendwann soweit und unsere Wege trennen sich. Christin und Thomas müssen nach Arequipa um Dicki zu versorgen und wir wollen weiter in den Norden. Somit fahren wir gemeinsam so ganz allmählich Richtung Küste und wundern uns über die intensive landwirtschaftliche Nutzung. Wer hätte gedacht, dass hier zwischen all den Geröllhalden in mitten der Wüste so intensiv Landwirtschaft betrieben werden kann. P1150341Immer wieder sehen wir auch Versuche die Wüste zu begrünen. Manche Pflanzen scheinen mit extrem wenig Wasser auszukommen, denn wir sehen auch hier kleinere Plantagen.P1150355

Mit viel Wehmut verabschieden wir uns dann, wohl wissend, dass wir uns wohl so schell nicht wieder treffen werden.f3636606-6875-4891-90fc-b8e004ac6709

Unser Weg führt uns zunächst einmal hinunter zur Küste. IMG_0015Wir wollen frischen Fisch, Wellen, Brandung und Entspannung. IMG_9985Tagelang aufs Wasser schauen und die letzten ereignisreichen Tage ganz in Ruhe Revue passieren lassen. Das ist der Plan. IMG_0003Das gelingt uns auch. Immer wieder finden wir entlang der Küstenstrasse sensationelle Übernachtungsorte. P1150587Hier peitscht der Wind die Gischt den steilen Küstenkamm hinauf und wir stehen mit Hector oben und schauen gemütlich zu.P1150559

Dann fahren wir zu den Nasca Linien, den Geoglyphen. Diese uralten Rätsel im Sand entstanden dadurch, dass man die in der Sonne dunkel gewordenen Steinchen von der Wüstenoberfläche entfernte, um den helleren Boden darunter zum Vorschein kommen zu lassen.  Aber wer hat das getan und zu welchem Zweck wurden die Linien angelegt, da sie doch nur aus der Luft zu erkennen sind ? P1150633An der Strasse steht ein ca. 10m hoher Turm, der noch von der wohl bekanntesten Forscherin der Geoglyphen, der deutschen Mathematikerin Maria Reiche gebaut wurde. Wir klettern hinauf und können 3 Figuren erkennen. IMG_0250Zu- gegebener Maßen hätte ich mir etwas mehr vorgestellt. Vom Flugzeug aus soll man noch viel mehr der weitläufigen Figuren sehen können, doch wir fahren weiter.

Zunächst besuchen wir die angeblich höchste Sanddüne der Welt. Wir sind überrascht, ist doch hier wirklich überhaupt keine Infrastruktur. Nicht mal ein offizieller Parkplatz ist zu finden. Der Aufstieg und Abstieg – anfangs über eine steile Geröllhalde – soll in Summe ca. 7 Stunden dauern. P1150611Das schenken wir uns und übernachten einfach wild direkt am Fusse der Düne. Eigentlich ist es verboten hier zu stehen, aber es stört niemanden. Als früh morgens ein LKW an uns vorbeifährt, um sich wenige Meter weiter im Tiefsand festzufahren, wundern wir uns nur noch ein ganz klein wenig. IMG_0081Wir sind halt in Südamerika und da gehört so etwas halt dazu. Demnächst geht es weiter zu einer der schönsten Oasen von Südamerika.

Wir sind nun bereits 2 1/2 Monate unterwegs und immer öfter merke ich, dass ich eigentlich urlaubsreif bin. Wie kann das eigentlich sein? Ist das nicht eigentlich lächerlich. Ist Reisen wirklich so anstrengend ? Die schliche Antwort lautet: ja !! Diese von uns gewählte Form des Reisens ist anstrengend  – und schön, und aufregend und wunderbar – aber zweifelsfrei fordernd.P1150404

So oft sind wir dankbar dafür, dass wir diese wahnsinnigen Erlebnisse erleben und teilen können. Aber oft sind wir auch einfach ob der Vielzahl der Eindrucke überfordert. Manchmal reicht es einfach. Dann will ich keine Kinder mehr im Dreck spielen sehen, möchte die dekadente deutsche Normalität mit all ihren Höhen und Tiefen.

Reisen bedeutet für uns, jeden Tag neue Entscheidungen zu treffen, sich permanent auf etwas neues einzustellen. Jeden Tag an einem neuen Ort zu sein, regelmäßig einen neuen Supermarkt zu erobern, mit Lebensmitteln konfrontiert zu sein, die wir nicht kennen, aber kennen lernen wollen. Reisen bedeutet auch viele interessante Menschen kennen zu lernen, aber sich auch gleich wieder von Ihnen verabschieden zu müssen. Zeit zum Aufbau von Freundschaften gibt es viel zu selten, hat doch jeder seine eigene Agenda.21.10.2019 Valle de los Vulcanes 6

Es bedeutet, sich permanent Gefahren auszusetzen. Oft schlafe ich schlecht, wenn wir wild campen. Manchmal lesen wir davon,  dass in der Nähe Raubüberfälle stattgefunden haben, oder aber wir wissen, dass wir am nächsten Tag Straßen entlang fahren werden, welche gespickt sein sollen mit korrupten Polizisten. Wir wollen uns nicht beschweren, denn wir haben uns ja entschieden so zu reisen und all diese Herausforderungen anzunehmen. Nur Urlaub im landläufigen Sinn ist das definitiv nicht.P1150128

Ständig die Suche nach sicheren Schlafplätzen, nach sauberen Wasser, nach Internet, nach verträglichem Diesel und der Möglichkeit mit Kreditkarte bezahlen  zu können oder auch nach einer Möglichkeit heiss zu duschen (absoluter Luxus).

Und dann ist da noch immer dieser Verkehr, das ewige Hupen, das völlige Ignorieren jeglicher Regeln, insbesondere von den Tuktuk-Fahrern, die scheinbar nie einen Führerschein gemacht haben und nur die Hupe als Mittel der Wahl kennen. Dazwischen die absolut rücksichtslosen Kleinbusse, welche Fahrbahnwechsel locker mit einem Arm raushalten anzeigen und ansonsten immer Vorfahrt zu haben meinen.

Hinzu kommt etwas, was mich wirklich völlig abnervt – und das ist der allgegenwärtige Müll. Dachten wir noch zu Beginn, dass es hier in Peru kein Müllproblem gibt, wurden wir zwischenzeitlich eines Besseren belehrt. Die gesamte Küstenlinie, die wir bislang entlang gefahren sind, ist „eine riesige Müllhalde“. An einem Strand konnte ich es nicht mehr ertragen und habe angefangen tütenweise die angeschwemmten Plastikflaschen zusammen zu tragen. Doch bei der Menge, die hier rumliegt ist mein bescheidener Versuch nicht einmal zu bemerken.

Also, an manchen Tagen reicht es einfach. Dann wünsch ich mich auf ein Kreuzfahrtschiff oder in ein schickes All-inclusive-Hotel. Doch am nächsten Morgen siegt die Neugier und wir fahren weiter und wir werden i.d.R. belohnt.

Bald mehr ….24.10.2019 Cotahuasi-Ri. Pazifik 6

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