Overlanddriver

Reise 3 Teil 34: Oase Huacachina, Ica, Halbinsel Paracas, Nationalpark Huascaran, Inka-Ruinen in Chavin u.v.m.

Als wir in der wunderbaren Oase Huacachina sind (schon in der Inka Zeit ein heiliger Ort), IMG_0154treffen wir nicht nur einen weiteres Biomobil, klettern die Sanddünen hinauf P1150677und bewundern die Licht-/Schattenspiele im untergehenden Sonnenlicht. P1150679Hier gibt es außerdem viele Touristen und die kommen alle, um mit den Strandbuggies die Dünen rauf und runter zu jagen. IMG_0252Wir mögen es etwas gediegener, liegen am Pool IMG_0212und beobachten das geschäftige Treiben. Auch wenn wir nur in der Hofeinfläche eines Hotels stehen, es fühlt sich wie Urlaub an. P1150659Doch die weitere Route will geplant werden. Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, ganz entspannt an der peruanischen Küste entlang in Richtung Ecuador zu fahren. In etwa so, wie wir es in Chile oder Argentinien gemacht haben: Entspannte Übernachtungsplätze ganz wild romantisch. Aber um so mehr wir die iOverlander-Einträge lesen, desto blasser werden wir und stellen gemeinsam schnell fest: Wir müssen unsere Route ändern. An der Küste nördlich von Lima sind sehr viele aktuelle Einträge von bewaffneten Raubüberfällen und Begegnungen mit korrupten Polizisten zu finden. Eine wunderbare Kombi auf die wir verzichten wollen.P1150935

Also schlagen wir uns nach einem kleinen Abstecher auf die vorgelagerte Halbinsel Paracas erneut in die Berge. Diese Halbinsel ist spektakulär P1150823und wird gemeinsam mit den vorgelagerten Inseln als das kleine Galapagos Perus bezeichnet. P1150791Wir stehen mal wieder unschlagbar, direkt an der Steilküste und können das bunte Treiben der Vögel, insbesondere der Guanotölpel in der Steilwand beobachten.P1150812

P1150782Unser neues Ziel sind die peruanischen Anden und insbesondere der Nationalpark Huascaran in den Cordillera Blanca, eine Gebirgskette, welche knapp 200 km lang ist. Auf einer Breite von 20 km türmen sich über 50 Schneegipfel und Eisgletscher, die höher als 5.700 Meter liegen. IMG_0519Der Huascaran ist dabei mit fast 6.800 Metern der höchste Gipfel. Das klingt doch beeindruckend und wir hoffen, einen Teil der Gletscher IMG_0546 (1)trotz der bereits beginnenden Regenzeit zu sehen.P1160398

Nur so ganz schnell kommen wir in dieses Gebiet nicht. Uns trennen noch verschiedene andere, leider auch nicht niedrige Gebirgszüge, welche alle hinauf und hinab gefahren werden wollen. P1160034Wir fahren in Summe 14 Tage durch die peruanischen Anden, übernachten auf 4.800 Meter (ja, wir sind wohl wirklich endlich an die Höhe akklimatisiert), besuchen den Ruinenkomplex der Inka P1160245in Form einer Tempelburg in Chavin,IMG_0554wandern in der Höhe und sehen strahlend grüne und hellblau P1160412schimmernde Lagunen P1160429und sind begeistert, manchmal die weiß-schimmernden Gletscherspitzen der umliegenden Berge zu sehen.P1160032

So könnte man die positiven Eindrücke kurz zusammenfassen. Fakt ist aber auch, dass das Wort „fahren“ übertrieben gewählt ist. IMG_0517Wir kriechen im Untersetzungsgetriebe durch die Berge und deren Bergdörfer, oder stehen geraume Zeit in Baustellen. P1150945Einmal wird erst nach 3 Stunden die aufgewühlte Strasse von beiden Seiten gleichzeitig zur Befahrung freigegeben. Das sich dann die Fahrzeuge irgendwann treffen, ist für uns vorhersehbar und dass es ein Chaos im Matsch gibt ebenso. P1150954Egal, dass wird wohl jeden Tag seit mindestens 2017 so gemacht. Die Strassen, wenn man diese Bezeichnung wählen darf, sind eng, kurvig und oft ohne Einsicht in möglichen Gegenverkehr – und den gibt es natürlich. Und das führt einige Male für uns zu schweißtreibenden und nervenkostenden Rückfahrmanövern. P1150981Wir haben Passagen mit Schlaglöchern an Schlaglöchern, Passagen sind mal matschig P1160348oder alternativ eisig, versehen mit herabgefallenen Steinen, P1160397ausgespült und mit abgebrochenen Rändern und zu guter letzt auch gespickt mit Murenabgängen, die wir einmal erst mit der Schaufel begradigen müssen, IMG_0457um hinüber zu kommen. Abenteuer pur !P1160386

Die Leute in den Bergdörfern P1160265begegnen uns fast alle sehr freundlich, obwohl wir genau genommen „geschockt“ sind, wie die Menschen hier verhaftet in ihren Traditionen leben:P1160218Wir sehen hier in den Bergen von Peru keine ansatzweise modern angezogene Frau, alle tragen ihre Trachten P1160341und ziehen morgens mit ihren Tierherden P1160306bestehend aus Esel, Kuh, mehreren Ziegen oder alternativ Schafen und Schweine P1150865über die Strassen und Felder, wobei sie ihre Kinder im allgegenwärtigen Schultertuch tragen; P1160385und die Männer  begegnen uns mit Hacke oder mit Pflug und Giftspritze bewaffnet, die Ochsen vor sich hertreibend. Wir fühlen uns wirklich in ein anderes Jahrhundert versetzt.IMG_0487

….und dann gibt es noch folgende kleine Geschichten:

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  • In der Oase Huacachina vergessen wir unsere rückwärtige Stange, welche die gesamte Rückfront von Hector sichert. Wir sind bereits eine Stunde durch nerventötenden Verkehr gefahren und stehen mit großen Augen an einer Tankstelle. Auf keinen Fall wollen wir diese Tour noch einmal zurückfahren, zumal stadteinwärts der Verkehr noch heftiger ist. Was tun? Wir setzen uns in eins dieser kleinen Taxis, die wir immer verfluchen, wenn wir in eine Stadt fahren und welche immer an allen Autos laut hupend rechts/links vorbeifahren. Siehe da, nach nur gut einer halben Stunde sind wir zusammen mit unserer Stange schon zurück. Wer hätte das gedacht.P1150905
  • Wir erfahren von Inge, einer Deutschen, die seit 40 Jahren in Peru lebt und dort ein Hotel betreibt, dass der Papst angeordnet hat, dass die Kirchen für die Gläubigen offen zu stehen haben. Das Resultat in Peru ist – die Kirchen werden zum Teil ausgeraubt.P1150921
  • In einem Ort hat der Bürgermeister versucht, eine geordnete Müllabfuhr einzuführen, was mit Kosten in Höhe von 1 Sol (=27 Cent) pro Person pro Monat verbunden sein sollte. Dies wurde von der Bevölkerung abgelehnt. Das Resultat ist, dass man durch Müll wandern kann.IMG_0370
  • Wir stehen im Innenhof eines kleinen Hotels und uns wird ein Zimmer zum Duschen aufgeschlossen. Uwe sagt zu mir, geh in das ganz rechte Zimmer um zu duschen. Gesagt, getan. Ich wundere mich ziemlich, dass Kindersachen und andere persönliche Sachen umherliegen. Ich dusche schnell und husche wieder aus dem Zimmer. Uwe sieht mich aus dem Zimmer kommen und schaut mich fragend an. Ich war im falschen Zimmer. Gut, dass die Gäste gerade unterwegs waren. Das hätte echt peinlich werden können.IMG_0464
  • Die Peruaner (auf jeden Fall denen wir begegnet sind) legen ganz offensichtlich keinen Wert auf „schöner Wohnen“. Das Leben findet draußen -oft direkt an der staubig-schlammigen Dorfdurchgangsstrasse- statt. Viele Häuser haben keinen Fussboden in unserem Sinne, sondern bestehen aus gestampften Lehm. Im Haus steht ein Bett, ein Tisch, Stühle und ein kleiner Fernseher. Oft wird draußen gekocht und gewaschen. Die Toilettenhäuschen stehen irgendwo separat, mal notdürftig mit Plane abgedeckt mal aber auch nicht.P1160292
  • Auch wenn wir gut höhenakklimatisiert sind, es ist doch ziemlich kalt über 4.000 Meter und eine Heizung wäre nett. Doch unsere Truma-Heizung funktioniert offiziell nur bis 2.750 Meter, positiv getestet bis zur Höhe von 3.400 Meter. Das hilft aber nicht, wenn man nächtelang auf höher gelegenen Plätzen steht. Da wünscht man sich, auch die wollene Unterwäsche der Einheimischen dabei zu haben.P1160163
  • Vorausschauendes Fahren ist für Peruaner ein absolutes Fremdwort. Auch wenn sie uns auf den engen Strassen entgegenkommen sehen, wird weitergefahren, bis wir uns unmittelbar begegnen. Dann wird gestikuliert, geschimpft und sich nicht weiter bewegt. Hier spreche ich nicht von LKWs, sondern insbesondere von den PKW-Fahrern, wobei jedoch alle IMMER überholen müssen, egal wie uneinsichtig die Gegenfahrbahn ist. P1160020
  • In Peru gehen offiziell nur 70% der Kinder zur Schule; der Rest wird wohl auf die ein oder andere Weise im „Haushalt“ mithelfen müssen.P1160318
  • Unsere Tour durch die Berge Perus führt uns hauptsächlich durch den Nationalpark Huascaran, in dem wir auch die einzigartigen Puya Raimondii sehen. IMG_0470Die größten Ananasgewächse der Welt, welche bis zu 15 Meter groß werden und erst nach 50 bis 75 Jahren ein einziges Mal blühen, um dann abzusterben. Die Bestäubung der Pflanzen erfolgt durch Kolibris. Wir kommen etwas zu spät, denn die Blüte erfolgt bis zum Oktober.IMG_0535 Dennoch sehen wir die eindrucksvollen Blütenstängel, welche die Peruaner hier auch zum Hausbau verwenden.IMG_0543
  • Peru liegt in einer durch Erdbeben stark gefährdeten Region. Schon häufig wurden gerade hier im Umfeld der Cordillera Blanca ganze Dörfer und Städte ausgelöscht. Dennoch werden hier überall Häuser auf abenteuerliche Weise und zum Teil direkt unter oder auf Berghängen gebaut. Überhaupt erfolgt der Hausbau offenbar mehr oder weniger in mühseliger Eigenarbeit, wobei häufig eher selbst gebrannte Lehmziegel verwendet werden, als die offenporigen Standardziegel.P1160326

Für uns geht es jetzt wieder zurück an die Küste und weiter hinauf nach Ecuador. Noch ca. 1.000 km trennen uns von Quito. Ach ja, und wir merken immer wieder, dass wir viel zu schnell reisen. Danke an Bille, Thomas, Christin und nochmal Thomas, dass ihr uns davor gewarnt habt, in einem Rutsch bis nach Mexico hinauf zu fahren, was wir ja ursprünglich vorhatten. Das wäre ja sooooo ein Fehler gewesen.

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