Reise 2 Teil 26: Farmleben; der Aconcagua; Reunion in Maipu; Gartenzwerge in Argentinien

Bevor wir uns wieder nach Argentinien aufmachen, wollen wir noch die 2 Voluntäre treffen, welche wir Anfang des Jahres bei Luzie in Uruguay getroffen haben. Diese Beiden haben zwischenzeitlich eine ca. 3.000 qm große Farm incl. 8 Pferde, 4 Hunde, 3 Katzen und div. Gänsen und Hühnern übernommen. Der Inhaber, ein Deutscher, hat aus persönlichen Gründen vor ca. 7 Monaten das Gelände einer 20-jährigen dänischen Voluntärin alleine in die Verantwortung gegeben, wofür Sie sich im Gegenzug für 2 Jahre verpflichtet hat, vor Ort zu bleiben. Die Belohnung war auch ein Hundebaby. 4 Monate später wurden die uns bekannten Voluntäre als „Manager“ engagiert – Gehalt: 100 USD pro Monat plus 40 Dollar für Essen pro Monat. Weiterhin sind noch 2 weitere 18-jährige deutsche Mädels vor Ort, welche sich gerne möglichst nur um die Pferde kümmern würden. Das Gelände ist -nach europäischen Standards- in einem desolaten Zustand und zunächst glauben wir nicht, dass wir die Einfahrt überhaupt mit unserem Wagen hochkommen. Überall liegen Pferdeäpfel und Gänseköttel etc. herum und wir lassen uns belehren, dass dies auch so bleiben soll, um die Erde zu düngen. OK !?, ist aber trotzdem irgendwie unangenehm, permanent in irgendetwas hinein zu treten. Die Stimmung ist zwischen den Voluntären spannungsgeladen und wir halten uns soweit wie möglich von der Truppe entfernt. Wir kochen und essen einmal zusammen und Uwe macht einen schönen Geländeausritt mit – doch das soll es auch sein. Nach 3 Tagen verlassen wir diesen heißen Flecken Erde und brechen auf Richtung Argentinien.

Die Anden queren wir diesmal über den wohl bekanntesten und frequentiertesten Pass zwischen den beiden Ländern, welcher auf einer Höhe von 3.000 m liegt -Paso de Redentor-. Steil geht es auf der chilenischen Seite vom Pazifikniveau in über zwei Dutzend Spitzkehren hoch und belohnt werden wir dann mit einem Stellplatz mit direktem Blick auf den schneebedeckten höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua mit einer Höhe von nahezu 7.000 Meter. Nach einer unruhigen Nacht (wir können uns einfach nicht daran gewöhnen, in der Höhe zu schlafen) wandern (wandeln) wir ein wenig auf den Spuren von Reinhold Messner und erfreuen uns an der Tatsache, dass wir den Berg und seine Spitze tatsächlich klar sehen. Denn dies ist keineswegs selbstverständlich und wir erinnern uns noch an unsere schlechten Erfahrungen mit dem „schüchternen“ Kilimandscharo, der sich vor uns leider  immer in den Wolken versteckte.

Doch dann müssen wir auch schon weiter, da wir eine Verabredung mit Bille und Thomas in Maipu – dem Weinort – haben. Wir wollen noch einmal gemeinsam eine Bodega unsicher machen, Billes Geburtstag nachfeiern und überhaupt noch Zeit gemeinsam verbringen, bevor sich unsere Wege dann doch für längere Zeit trennen. Pünktlich wie deutsche Maurer erreichen wir die Bodega Mevi – die wir leider gar nicht mehr weiter empfehlen können und haben die nächsten Tage gemeinsam viel Spaß.

Leider können wir irgendwann nicht mehr die Tatsache leugnen, dass wir in Richtung Osten den Kontinent queren müssen, um in 14 Tagen dann in Buenos Aires in den Fliegen gen Heimat zu steigen, nachdem wir Hektor für seinen „Winter/Sommer-Ruheplatz“ in Uruguay fit gemacht haben.

Bevor wir dies tun, tummeln wir uns noch ein wenig in den Cordolieren um Cordoba. Wir wandern einen ganzen Tag und sehen Kondoren bei den ersten Flugversuchen zu, besuchen die wohl deutscheste Stadt Argentiniens inkl. Oktoberfest und überhaupt wundern wir uns mal wieder, wie unglaublich vielseitig dieses Land ist. Hier, rund um Cordoba, ist alles saftig grün, die Wohnverhältnisse entsprechen deutschen Vorstädten (mit Gartenzwergen im Vorgarten) und überhaupt erinnert uns viel an das Alpenvorland. Nicht unbedingt etwas, weswegen Deutsche nach Argentinien reisen würden, was aber für Argentinier offensichtlich einen großen Reiz ausübt, denn hier ist die drittgrößte Urlaubsregion Argentiniens. Doch auch diese müssen wir irgendwann verlassen und uns auf staubige Strassen begeben zwecks langer Fahrt zu Silvia und Heinz in Uruguay.

Nach fast 3 Monaten reicht es uns jetzt auch mal wieder. Zu Hause ist Vor-Weihnachtsstimmung – mit Weihnachtsmarkt und Co. – und auch wenn wir unseren Hektor ein wenig schmücken, mir fehlt etwas. Die richtige Stimmung will bei 25 Grad und Sonnenschein einfach nicht aufkommen. Die mit Plastik-Weihnachtsbäumen geschmückten Geschäfte sehen unnatürlich aus – und : Wir waren in 2018 jetzt fast 7 Monate in Südamerika unterwegs und haben wunderbare Erlebnisse geteilt und wunderschöne Landschaften besucht; nun ist die Zeit wieder reif, Familienleben zu geniessen, mit Freunden zu lachen und zu weinen, Sport zu treiben und all die anderen Sachen zu tun, die wir uns vorgenommen haben. Auch das Wetter will nicht mehr so richtig mitspielen. Es regnet immer mal wieder und somit wird der Abschied endgültig eingeläutet. Wenn wir jetzt Hektor abstellen werden, werden wir ca. weitere 10.000 km durch Südamerika gefahren sein und in den 3 Monaten -mit Ausnahme von 7 Übernachtungen- immer in der freien Natur übernachtet haben. Wir sind glücklich und zufrieden mit unserer Entscheidung, unsere Weltreise mit Hektor hier in Südamerika begonnen zu haben.

Und wie geht es weiter? :  Hektor bleibt in Uruguay und nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Wir haben schon jetzt den nächsten Trip -Richtung Brasilien- im Kopf und werden sicherlich bald mit der Detailplanung beginnen.