Reise 2 Teil 26: Farmleben; der Aconcagua; Reunion in Maipu; Gartenzwerge in Argentinien

Bevor wir uns wieder nach Argentinien aufmachen, wollen wir noch die 2 Voluntäre treffen, welche wir Anfang des Jahres bei Luzie in Uruguay getroffen haben. Diese Beiden haben zwischenzeitlich eine ca. 3.000 qm große Farm incl. 8 Pferde, 4 Hunde, 3 Katzen und div. Gänsen und Hühnern übernommen. Der Inhaber, ein Deutscher, hat aus persönlichen Gründen vor ca. 7 Monaten das Gelände einer 20-jährigen dänischen Voluntärin alleine in die Verantwortung gegeben, wofür Sie sich im Gegenzug für 2 Jahre verpflichtet hat, vor Ort zu bleiben. Die Belohnung war auch ein Hundebaby. 4 Monate später wurden die uns bekannten Voluntäre als „Manager“ engagiert – Gehalt: 100 USD pro Monat plus 40 Dollar für Essen pro Monat. Weiterhin sind noch 2 weitere 18-jährige deutsche Mädels vor Ort, welche sich gerne möglichst nur um die Pferde kümmern würden. Das Gelände ist -nach europäischen Standards- in einem desolaten Zustand und zunächst glauben wir nicht, dass wir die Einfahrt überhaupt mit unserem Wagen hochkommen. Überall liegen Pferdeäpfel und Gänseköttel etc. herum und wir lassen uns belehren, dass dies auch so bleiben soll, um die Erde zu düngen. OK !?, ist aber trotzdem irgendwie unangenehm, permanent in irgendetwas hinein zu treten. Die Stimmung ist zwischen den Voluntären spannungsgeladen und wir halten uns soweit wie möglich von der Truppe entfernt. Wir kochen und essen einmal zusammen und Uwe macht einen schönen Geländeausritt mit – doch das soll es auch sein. Nach 3 Tagen verlassen wir diesen heißen Flecken Erde und brechen auf Richtung Argentinien.

Die Anden queren wir diesmal über den wohl bekanntesten und frequentiertesten Pass zwischen den beiden Ländern, welcher auf einer Höhe von 3.000 m liegt -Paso de Redentor-. Steil geht es auf der chilenischen Seite vom Pazifikniveau in über zwei Dutzend Spitzkehren hoch und belohnt werden wir dann mit einem Stellplatz mit direktem Blick auf den schneebedeckten höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua mit einer Höhe von nahezu 7.000 Meter. Nach einer unruhigen Nacht (wir können uns einfach nicht daran gewöhnen, in der Höhe zu schlafen) wandern (wandeln) wir ein wenig auf den Spuren von Reinhold Messner und erfreuen uns an der Tatsache, dass wir den Berg und seine Spitze tatsächlich klar sehen. Denn dies ist keineswegs selbstverständlich und wir erinnern uns noch an unsere schlechten Erfahrungen mit dem „schüchternen“ Kilimandscharo, der sich vor uns leider  immer in den Wolken versteckte.

Doch dann müssen wir auch schon weiter, da wir eine Verabredung mit Bille und Thomas in Maipu – dem Weinort – haben. Wir wollen noch einmal gemeinsam eine Bodega unsicher machen, Billes Geburtstag nachfeiern und überhaupt noch Zeit gemeinsam verbringen, bevor sich unsere Wege dann doch für längere Zeit trennen. Pünktlich wie deutsche Maurer erreichen wir die Bodega Mevi – die wir leider gar nicht mehr weiter empfehlen können und haben die nächsten Tage gemeinsam viel Spaß.

Leider können wir irgendwann nicht mehr die Tatsache leugnen, dass wir in Richtung Osten den Kontinent queren müssen, um in 14 Tagen dann in Buenos Aires in den Fliegen gen Heimat zu steigen, nachdem wir Hektor für seinen „Winter/Sommer-Ruheplatz“ in Uruguay fit gemacht haben.

Bevor wir dies tun, tummeln wir uns noch ein wenig in den Cordolieren um Cordoba. Wir wandern einen ganzen Tag und sehen Kondoren bei den ersten Flugversuchen zu, besuchen die wohl deutscheste Stadt Argentiniens inkl. Oktoberfest und überhaupt wundern wir uns mal wieder, wie unglaublich vielseitig dieses Land ist. Hier, rund um Cordoba, ist alles saftig grün, die Wohnverhältnisse entsprechen deutschen Vorstädten (mit Gartenzwergen im Vorgarten) und überhaupt erinnert uns viel an das Alpenvorland. Nicht unbedingt etwas, weswegen Deutsche nach Argentinien reisen würden, was aber für Argentinier offensichtlich einen großen Reiz ausübt, denn hier ist die drittgrößte Urlaubsregion Argentiniens. Doch auch diese müssen wir irgendwann verlassen und uns auf staubige Strassen begeben zwecks langer Fahrt zu Silvia und Heinz in Uruguay.

Nach fast 3 Monaten reicht es uns jetzt auch mal wieder. Zu Hause ist Vor-Weihnachtsstimmung – mit Weihnachtsmarkt und Co. – und auch wenn wir unseren Hektor ein wenig schmücken, mir fehlt etwas. Die richtige Stimmung will bei 25 Grad und Sonnenschein einfach nicht aufkommen. Die mit Plastik-Weihnachtsbäumen geschmückten Geschäfte sehen unnatürlich aus – und : Wir waren in 2018 jetzt fast 7 Monate in Südamerika unterwegs und haben wunderbare Erlebnisse geteilt und wunderschöne Landschaften besucht; nun ist die Zeit wieder reif, Familienleben zu geniessen, mit Freunden zu lachen und zu weinen, Sport zu treiben und all die anderen Sachen zu tun, die wir uns vorgenommen haben. Auch das Wetter will nicht mehr so richtig mitspielen. Es regnet immer mal wieder und somit wird der Abschied endgültig eingeläutet. Wenn wir jetzt Hektor abstellen werden, werden wir ca. weitere 10.000 km durch Südamerika gefahren sein und in den 3 Monaten -mit Ausnahme von 7 Übernachtungen- immer in der freien Natur übernachtet haben. Wir sind glücklich und zufrieden mit unserer Entscheidung, unsere Weltreise mit Hektor hier in Südamerika begonnen zu haben.

Und wie geht es weiter? :  Hektor bleibt in Uruguay und nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Wir haben schon jetzt den nächsten Trip -Richtung Brasilien- im Kopf und werden sicherlich bald mit der Detailplanung beginnen.

Reise 2 Teil 20: Berge und mehr…., Mendoza, Anden, Wein

Nachdem uns bei Ari sehr klar geworden ist, dass wir die späte Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär auf gar keinen Fall anstreben, haben wir uns verabschiedet und sind über Mendoza Richtung Salta aufgebrochen. Unser großes Ziel im Norden ist Bolivien – doch der Weg ist weit und der Weg ist auch ein Ziel.

Zunächst einmal wollen wir die schneebedeckten Anden mit dem höchsten Berg Südamerikas (Aconcagua, fast 7.000 m) bei Mendoza bewundern. Dies kann man am besten mit einem Glas Rotwein in der Hand und einem großen Steak auf dem Teller machen.

Deshalb besuchen wir diesmal die Bodega von Dieter Meier (bekannt von der Band Yellow), welcher überraschender Weise tatsächlich 98% seiner Weinproduktion nach Deutschland und in die Schweiz exportiert. Es ist ein absolut perfekter Tag und wir können soviel hervorragenden Wein „tasten“, dass wir gleich in der Bodega über Nacht stehen bleiben (müssen :)).

Von Mendoza aus führt unser Weg immer entlang der Andenkette, mit all den beeindruckenden Gipfeln, viele über 6.000 Meter hoch. Ein Wow-Effekt jagt den anderen; hinter jeder Kurve eine neue unglaubliche Szenerie und das beste daran – wir sind alleine. Die  Strasse führt Kilometer um Kilometer schnurgerade aus. Aus der saftigen grünen Landschaft bei Mendoza wird ein staubiges grau-braun. Unsere Schlafplätze sind spektakulär, zum Teil auf fast 3.000 m Höhe mit direktem Blick auf den 2. höchsten Berg der Region. Die Andenkondore sind neugierig und ziehen immer enger werdende Kreise über uns Quartier. Im Nationalpark El Leoncio, in dem wir eine kleine Wanderung machen, wurde am Tag zuvor eine Puma-Mutter mit Kind beobachtet, doch wir sind leider nicht die Glücklichen. Dennoch – hier leben diese fast ausgerotteten Großkatzen.

Die Bergpanoramen, die wir hier auf unserem Weg erleben, sind extrem abwechslungsreich und müssen sich nicht hinter den bekannten amerikanischen Nationalparks verstecken. Das Auge staunt und staunt, der Fotoapparat kann hier nur schwächeln. Es ist, als wenn Giganten die Erdoberfläche gefaltet und geknetet hätten, mal scharfkantig, mal abgerundet. Herr Wind und Frau Wasser, oder auch umgekehrt haben Ihres dazu beigetragen, dass die skurrilsten Formen entstehen konnten. Eine Fee hat über die unterschiedlichsten Gesteinsformen noch Ihren Farbtopf mit Rot/ Ocker/ – und Brauntönen ausgeschüttet, so dass in der Abendsonne die Berge in den buntesten Farben glühen.

Patagonien war zweifelsfrei beeindruckend, doch diese Seite von Argentinien ist für uns völlig überraschend, wunderschön, viel einsamer als gedacht und mindestens genauso schön wie Patagonien, wenn nicht sogar beeindruckender.

Und was haben wir sonst noch erlebt:

  • Die Tankstellendichte hat deutlich abgenommen; teilweise wird nur widerwillig vollgetankt; Kreditkarten werden nicht mehr selbstverständlich angenommen;
  • Die Wege durch die Berge sind zum Teil super eng und es kann passieren, dass man vor einem Tunnel steht ohne jegliche Höhen-/Breitenangabe. Da geht man doch lieber erst einmal zu Fuss durch, um ein Gefühl zu bekommen, ob Hektor vielleicht durchpassen könnte;
  • Weil ein LKW Fahrer mich am Wegesrand hat fotografieren sehen, hält er an und fährt dann vor, um uns zur nächsten Sehenswürdigkeit zu bringen – nochmals vielen Dank;
  • Wir sind im Gaucho-Land und die traditionellen Häuser werden aus Lehm gebaut; wir möchten hier definitiv nicht einziehen;
  • Die ersten Perspektiv-Fotos wurden gemacht – auf einem großen ausgetrockneten See haben wir unsere ersten Versuche unternommen …  und während wir so da sitzen, kommt ein Bus mit argentinischen Schulkindern auf die ca. 50 Quadratkilometer große Fläche gefahren und hält fast neben uns an. Wo auch sonst?
  • Wenn man sich schon mit kaltem Wasser duschen muss, dann wäre es a) schon schön, wenn man keine 8-beinigen Mitduscher hätte und b) wenn man nicht -„Wasserdruck bedingt“- über Gebühr lange unter dem Strählchen stehen müsste; so geschehen auf unserem allerersten und allerletzten Campingplatz;
  • Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen: Ein Campingplatz auf einem Sonntag ist eine Freiluftdisco mit unzähligen selbsternannten Discjockeys. Bis tief in die Nacht – 4 Uhr morgens – wird unter freiem Himmel getanzt und definitiv nicht geschlafen;
  • Dafür haben wir ganz wunderbar an einem anderen Platz direkt am Abgrund geschlafen – wir hatten ja auch einiges nachzuholen. Der Ausblick war mal wieder grandios;
  • Die Temperaturen schwanken wie die Höhen auf denen wir uns befinden – mal auf 1.000m mal auf 3.000 m Höhe, so daß wir morgens häufig max. 10 Grad – jedoch abends um die 30 Grad ertragen;
  • Je weiter wir in den Norden kommen, desto mehr verändern sich die Gesichter. Die Gesichter werden breiter, die Haare schwärzer, der europäische Einschlag wird durch den bolivianischen, indigenen abgelöst.
  • Im Ort Cafayate lernen wir den nur hier angebauten Weißwein Torrentes kennen. Hier liegen die weltweit höchsten Weinanbaugebiete auf 2.700 m Höhe, welche durch fast 300 Tage Sonne höchste Qualität erreichen. Wir haben uns auch hiervon natürlich gerne persönlich überzeugt.

Von Cafayate geht es dann direkt weiter zur ziemlich letzten großen Stadt im Norden Argentiniens: nach Salta, der Schönen. Wir sind gespannt. Dazu bald mehr.

Reise 2 Teil 19: Volunteers in San Rafael

Einen so langen Arbeitsweg hatten wir wohl noch nie. Nach 4 Tagen sind wir endlich in San Rafael im Restaurant „Naranja Blue“ angekommen. Hier herrscht Ari, eine Holländerin, die vor 11 Jahren nach Argentinien ausgewandert ist und zunächst mit ihrem Mann und nunmehr alleine, hier vor Ort ein deutsches Restaurant führt. Das Restaurant zeichnet sich durch deutsche Küche aus und wird bei TripAdvisor mit als das beste Restaurant vor Ort geführt. Zunächst müssen wir feststellen, dass das Gelände weit außerhalb der Stadt ist und sich hierher niemand zufällig verirrt.

Lautstark werden wir von 6 Hunden unterschiedlicher Größe begrüßt: Naranja, Blue, Golo, Lenni, Tim und Max, alles ehemalige Strassenhunde, die Ari aufgenommen und zu einem wundervollen Rudel zusammengeführt hat. Kinderersatz.

Wir wollen Ari 14 Tage als sogenannte Volunteers im Rahmen von Workaways unter die Arme greifen und ein wenig die argentinische Realität kennenlernen. Das Gelände ist mit Blumen und Bäumen gesäumt, in der Ferne sieht man die schneebedeckten Anden – als Gast ein Ort der Entspannung.

Der Arbeitsalltag beginnt spätestens um 9.00 bis 13.00 Uhr und erneut ab 18.00 – 20.00 Uhr. Das Restaurant öffnet dann um 21.00 Uhr (völlig normal hier, es kommt öfter vor, dass die Gäste erst um 23.30 Uhr aufschlagen). Alles was auf der selbstgemalten Speisekarte steht ist handmade.

Die Vorteile einer Spülmaschine sind schnell erkannt; fast täglich stehe ich bis zu 4 Stunden in der Küche und wasche ab. Ansonsten werden Kartoffeln oder Zwiebeln geschält, Brot gebacken (24 Brote am Stück), Spätzle vorbereitet, Zwiebelkuchen gebacken, Gemüse geschnitten, geputzt und wieder abgewaschen. Ich glaube nicht, dass ich jemals jemanden gesehen habe, der nachhaltiger lebt als Ari. Hier wird nichts, absolut nichts weggeschmissen. Alles kann und muss weiter verwendet werden. Ein täglicher Überlebenskampf. Seit dem Währungsverfall können es sich nur noch wenige Argentinier überhaupt leisten, essen zu gehen – und dann auch noch „deutsch“. Wir sind beeindruckt mit welcher Energie Ari den täglichen Kampf antritt, bemerken dabei aber auch, dass sich Abnutzungserscheinungen zeigen. Offensichtlich wird man müde, abgekämpft und ungerecht, wenn man sich täglich nur mit der Unterstützung von Volunteeren über Wasser halten kann.

Während Ari mir zeigt, wie man aus fast nichts noch vegetarisches Essen zaubert, muss Uwe, gemeinsam mit dem anderen Volunteer Simon, im großzügigen Garten kämpfen. Mähen, malern, Holz machen, Einfriedungen bauen – schon nach kurzer Zeit sind Blasen an den Fingern. Wir fühlen uns als Spülfrau und Hilfsgärtner und fallen abends todmüde ins Bett (Gott sei Dank schlafen wir in Hektor). Wir wissen, was wir tagsüber getan haben und denken doch manchmal mit Wehmut an gewohnte Schreibtischarbeit zurück.

Leider erleben wir hier keinen Einblick in das argentinische Leben, sondern können dafür eine Frau bewundern oder bestaunen, wie Sie mit den täglichen Herausforderungen, alleine ein Restaurant zu betreiben und 6 Hunde sowie ein 3000 qm großes Areal zu versorgen, klar kommt. Das Leben ist hart hier in Argentinien. Auch zu Ari würde der Begriff „hart aber herzlich“ gut passen. Chapeau.

Nach guten 11 Tagen (wir haben Anspruch auf 2 freie Tage pro Woche) und einem leichten Lagerkoller verabschieden wir uns. Dennoch wünschen wir Ari und ihren wunderbaren Hunden, die uns in der kurzen Zeit so ans Herz gewachsen sind, für die Zukunft alles Gute! Für uns ist auch klar, dies wird nicht unsere letzte work-away-Station bleiben. Wir wollen unbedingt Vergleiche anstellen können und haben auch gelernt, dass wir vielseitig einsetzbar sind.

Überraschend müssen wir hier auch etwas über sogenannte Wasserrechte lernen – sprich, einmal in der Woche wird das Grundstück geflutet ( Andenwasser durch Kanäle umgeleitet). Und wir erfahren, dass auch hier der Klimawandel zugeschlagen hat. Die in der Nähe liegenden Skigebiete in den Anden (und diese sind hier bis zu 6.000 Meter hoch) sind nicht mehr ausreichend beschneit, so dass mit Schneekanonen nachgeholfen werden muss. Wer hätte das gedacht. Überhaupt, hier ist es staubtrocken. Der warme Wind scheint der Haut und auch allem anderen jegliche Feuchtigkeit zu entziehen. Wir sind gespannt wie es weitergeht, wenn wir jetzt Richtung Norden – nach Mendoza- aufbrechen.

Reise 1 Teil 5: Zerbissen im Nordwesten von Argentinien; Vulkan „El Tromen“, Thermen von Copahue, Route 40, Mapuche

Es ist Ende Januar und wir verlassen leicht enttäuscht die Weinregion von Mendoza Richtung Süden. Dabei fahren wir durch das berühmte Valle de Uco, welches einzigartigen Wein hervorbringt, aufgrund des besonderen Bodens.
fullsizeoutput_2558 Von nun an bewegen wir uns entlang des Andengürtels, immer zwischen Chile und Argentinien und auf einer Höhe von 700 – 2.500 Meter. Zur Zeit ist es selbst auf 2.200 Meter abends um 20.00 Uhr noch angenehme 20 Grad warm. Nur nachts kühlt es hier in den Bergen ab, so dass wir erstmals am Morgen eine lange Hose anziehen müssen.
P1020384Wie großartig ist der Moment, wenn man aus der planen Fläche plötzlich die ersten schemenhaften Konturen der diversen Vulkane erkennt und dann dem üppig leuchtenden Gestein bei strahlend blauem Himmel immer näher kommt.
fullsizeoutput_2554Hier in der Region um Malague gibt es die größte Vulkandichte der Welt. Und tatsächlich, ein Vulkan ist schöner als der andere, reiht sich aneinander. Begeisterung pur macht sich bei mir breit.
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P1020567Wir stoppen an einem malerischen Ort, direkt an einem namhaften Fluss. Ein idealer Platz für eine kostenlose Übernachtung. Badesachen an, ins Wasser und dann: Wir sind leider nicht alleine in diesem Paradies. 100derte von Pferdefliegen stürzen sich auf uns und versuchen uns in möglichst kürzester Zeit möglichst viel Blut abzunehmen. Den Rest des Tages verbringe ich in Sicherheit in Hektor. So hatte ich mir das gar nicht vorgestellt.P1020537
img_4541Es wird Zeit für uns, ausgetretene Touripfade zu verlassen und wir entscheiden uns, in den relativ unbekannten Nat.park „El Tromen“ zu dem gleichnamigen Vulkan + Lagune zu fahren. Die Schotterpiste führt uns über viele Kilometer, aber dann sind wir endlich da. Mutterseelenallein an einem so großartigen Platz. In der Lagune sehen wir die schwarzköpfigen Schwäne und rosa Flamingos.
P1020553img_4582Der aktive Vulkan mit seinem erkalteten üppigen Lavazungen scheint nur für uns im Abendlicht zu leuchten. Genauso haben wir uns das Abenteuer Argentinien vorgestellt. Ach ja, nicht zu vergessen der unglaubliche Sternenhimmel an so einem Ort. Einfach nur wunderschön!fullsizeoutput_2545
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fullsizeoutput_2548P1020653img_4647P1020674Nach diesem Genuss fahren wir weiter Richtung Süden zu der „7-Seen-Route“, auf der berühmt berüchtigten Route 40 -das Pendant der Route 66 in den USA- , die Argentinien von Norden bis Süden durchquert, teilweise als Verlängerung der PanAmerica.
Wir tanken in einem kleinen Ort im Nirgendwo und plötzlich kommt Uwe eine Blondine freudestrahlend entgegen. Die Frankfurterin lebt hier in der Pampa mit Ihrem Mann und als Sie unser Nummernschild aus „Hamburg“ gesehen hat, mußte Sie einfach „ Hallo“ sagen. Dies ist schon das 2. Mal, dass uns das passiert und wir freuen uns auch über ihre so ehrliche, unverfälschte Lebensfreude. Sie rät uns dringend, diese Region nicht zu verlassen, bevor wir nicht die Thermen in Copahue besucht haben. Da wir diesen Tip jetzt bereits zum 2. Mal hören, werfen wir unsere Pläne um und fahren Richtung Copahue, vorbei an dem Winterskigebiet Caviahue.
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fullsizeoutput_256eDer Weg führt uns durch einen extrem idyllischen Canon. Zwischen Lavagestein wiegt sich silbrig schimmerndes Pampagras und unten wird das Tal durch einen Grünstreifen durchzogen, genährt von dem kleinen Flusslauf. Vereinzelt Hütten und viele Schafe, Ziegen und Pferde sowie Kühe säumen die Hänge und Straßen. Idylle pur.
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fullsizeoutput_255cP1020705P1020740Den Vulkan „Copahue“ , einen aktiven „Smoker“, sehen wir schon von weitem.
fullsizeoutput_256cfullsizeoutput_2566Hier auf über 2.000 Meter Höhe liegt noch Schnee und gleichzeitig brodelt und dampft es aus vielen Erdlöchern. Eine unwirkliche Gegend in der die Thermen liegen. Hier kann man bei strahlend blauem Himmel in den heißen Thermal- und Schlammquellen liegen und „gesünder werden“.
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fullsizeoutput_2562„Wir nehmen uns einen Tag frei“ und machen Wellness. Doch am Ende des Tages stinken wir nach Schwefel und der sogenannte Heilschlamm, will nicht wirklich von der Haut. Aber eine tolle Erfahrung.
Und was gab es sonst noch Interessantes ?:
Wir sind erstmalig mit den berühmten Windböen von Patagonien konfrontiert worden. Wie aus dem Nichts fängt es an zu wehen und bevor man sich versehen hat, ist das Phänomen auch schon wieder vorbei. Besonders schön, wenn man entspannt auf kilometerlangen Straßen unkonzentriert geradeaus fährt, oder aber gerade frisch geduscht und eingecremt in der Sonne sitzt und dann mit einer Staubschicht paniert wird.
Schweinefleisch ist hier eine Rarität und das argentinische Rindfleisch benötigt nach argentinischem Rezept nichts weiter als etwas Salz – so gut ist der Eigengeschmack. Biofleisch par execellent.
Tankstellen werden zu einem unglaublichen Anziehungspunkt. Offensichtlich haben wir nur dort Zugang zum Internet. Die Mär, dass es in Argentinien überall freies Internet gibt, stimmt einfach nicht. Wer weiß, wann wir jemals die Blogbeiträge plus Fotos hochladen können. Dies bedeutet stundenlanges Kaffeetrinken in einem Tankstellenrestaurant im Nirgendwo.
Und wer weiß, wie lange man ein großes Ei auf 2.200 Meter Höhe kochen muss, damit man es halbwegs genießen kann ?: Mindestens 9 Minuten; wir sprechen aus leidvoller Erfahrung.
So, und nun geht es endlich zu der 7- „Seen-Route“. Hasta Luego.

Reise 1 Teil 4: Heiße Nächte in Zentral-Argentinien, Rosario, Delta de Parana, Mendoza; ein Paradies für Weinkenner bzw. Weintrinker

Nachdem wir unseren Hektor so problemlos in Empfang genommen haben, hält uns nichts mehr in Montevideo. Wir wollen uns endlich in das Abenteuer stürzen und testen, wie es sich anfühlt, auf 8 qm monatelang in einer Puppenstube zu leben. Wir lassen unsere Gasflaschen vor Ort füllen und los geht die Fahrt. Ca. 13.000 km liegen vor uns. Die nächste Brücke über den Rio Uruguay / sprich der Grenze zwischen Uruguay und Argentinien liegt bei Rosario. Wunderbar, dies gibt uns die Möglichkeit, entlang und durch das einzigartige Parana-Delta (dem größten Süsswasser-Delta der Welt) zu fahren. Der Grenzübergang ist relativ problemlos. Hektor und wir erhalten nach kurzer Zeit ein Visum für 90 Tage ??. Angeblich soll es in dieser Region korrupte Polizisten geben und wir sind dementsprechend nervös. Doch entweder haben wir Glück oder es gibt Sie doch nicht.IMG_4240Dem Parana-Delta (= Spreewald in XXL-Format) kommen wir leider nicht wirklich nah. Aus dem Auto heraus sehen wir viele Wasservögel – u.a. viele Störche -, doch in das Delta kann man nur mit dem Boot eindringen. So bleibt uns leider nur ein sehr oberflächlicher Eindruck einer angeblich einzigartigen Landschaft.

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Argentinien – das Silberland; ein Land der Superlative – auch genannt das Land der 6 Kontinente: Die Nord-Süd-Ausdehnung reicht über 34  Breitengrade und entspricht der Strecke Stockholm – Casablanca; doch der größte Teil soll angeblich fast menschenleer sein.
Wir stranden zunächst in der Grenzstadt Rosario. Da wir leider nicht die entsprechenden Karten heruntergeladen haben, fällt es uns sehr, sehr schwer einen geeigneten Schlafpatz zu finden. Erst kurz vor dem Dunkelwerden erreichen wir glücklich ein Schwimmbad, wo man uns gnädigerweise auf den großen Aussenflächen trotz später Ankommenszeit nächtigen lässt.
Hier in Zentral-Argentinien ist es heiß – unser Thermometer im Wohnmobil zeigt um 22 Uhr noch 38 Grad an und es geht kein Hauch von Wind. Wir liegen in unserer Koje und hoffen auf einen einzigen Windzug. Vergebens. Nie in meinem Leben habe ich so geschwitzt. Nasse Waschlappen auf dem Kopf können nur zeitweise sehr bedingt helfen. Obwohl der Weg zum Schwimmbad direkt durch das Township von Rosario führte, müssen wir bei dieser Hitze die Heckklappe komplett offenlassen. Diese Hitze motiviert uns, möglichst schnell diese Provinz zu durchqueren, um in der Nähe der Anden nicht nur ein angenehmeres Klima, sondern auch ein ausgezeichnetes Weinanbaugebiet zu finden.
Auf dem Weg dorthin übernachten wir das erste Mal „wild“. Kaum sind wir von der Straße abgefahren und haben es uns gemütlich gemacht, kommt „El Patrone“. Nachdem er ein Foto von uns und Hektor gemacht hat, wir uns mit Küsschen verabschiedet haben, ist klar, wir sind mehr als willkommen. Wenn doch nicht die Hitze und der Staub wären.
Wir fahren dann zwei Tage durch große Maisfelder und sonstigen Agra-Anbau. Obwohl es so trocken ist, scheint das Land unglaublich fruchtbar zu sein.
Mendoza ist unser Ziel. Das größte Weinanbaugebiet von Argentinien, das zweitgrößte der Welt, im Schatten von  6.000- Meter hohen Bergen der Anden, im direkten Grenzgebiet zu Chile.
Kilometerlang fahren wir gemeinsam mit sehr, sehr vielen LKWs (wir sind tatsächlich auf der „A2“ Richtung Chile“ ) einfach geradeaus in Richtung Westen. Immer wieder nur gestoppt durch die unendliche Zahl an Bumps, denn natürlich führt dieser Highway durch jede Menge kleine, quadratisch angelegte Dörfer in denen die Maximalgeschwindigkeit 60 km/h sein SOLLTE. Da es hier keinen TÜV gibt, sehen wir hier Autos, die nur noch ins Museum gehören und definitiv schon lange nicht mehr die Mindestgeschwindigkeit erreichen. Erkennen kann man die Autos ganz einfach, es hängt ein Arm heraus – sprich Klimaanlage „Fehlanzeige“ und egal wieviel Staub aufgewirbelt wird, das Fenster bleibt unten.
IMG_4343IMG_4305IMG_4388IMG_4270Endlich sind wir in Mendoza angekommen und wir stellen gleich mehrerlei fest: es ist hier genauso heiß wie in Rosario, es gibt hier auch keinen kühlenden Wind dafür aber jede Menge ganz fieser Mücken und die besagten Anden haben sich in ein Nebelkleid gehüllt.
Auf dem Campingplatz treffen wir das erste Mal seit 4 Wochen andere Deutsche, die mit einem aus unserer Sicht „riesigen“ Unimog Südamerika bereits seit langer Zeit bereisen. Am Abend sitzt man zusammen und quatscht über bestandene und noch geplante Abenteuer.
Mendoza ist eine Kleinstadt mit ca. 110.000 Einwohnern. Auffällig ist wie grün hier alles ist. Jede Straße ist mit üppigen Bäumen gesäumt, doch wo sind die Weinberge? … und ja, wo sind die Anden? Leider erwischen wir drei wolkenverhangene Tage in der Mendoza-Region und können die Anden nur erahnen.IMG_4392
WeinBERGE  gibt es hier auch nicht, nur flache Flächen – völlig unspektakulär – auf denen jedoch zugegebenermaßen hervorragender Wein angebaut wird. Hier entfaltet die Malbec-Traube ihren vollen Geschmack. Um uns davon zu überzeugen, besuchen wir zwei Bodegas und decken uns ein gaaaaanz klein wenig mit regionalem Wein ein, bevor wir Richtung Süden aufbrechen.
Ab in den Süden…. zu den Vulkanen…..