Reise 2 Teil 26: Farmleben; der Aconcagua; Reunion in Maipu; Gartenzwerge in Argentinien

Bevor wir uns wieder nach Argentinien aufmachen, wollen wir noch die 2 Voluntäre treffen, welche wir Anfang des Jahres bei Luzie in Uruguay getroffen haben. Diese Beiden haben zwischenzeitlich eine ca. 3.000 qm große Farm incl. 8 Pferde, 4 Hunde, 3 Katzen und div. Gänsen und Hühnern übernommen. Der Inhaber, ein Deutscher, hat aus persönlichen Gründen vor ca. 7 Monaten das Gelände einer 20-jährigen dänischen Voluntärin alleine in die Verantwortung gegeben, wofür Sie sich im Gegenzug für 2 Jahre verpflichtet hat, vor Ort zu bleiben. Die Belohnung war auch ein Hundebaby. 4 Monate später wurden die uns bekannten Voluntäre als „Manager“ engagiert – Gehalt: 100 USD pro Monat plus 40 Dollar für Essen pro Monat. Weiterhin sind noch 2 weitere 18-jährige deutsche Mädels vor Ort, welche sich gerne möglichst nur um die Pferde kümmern würden. Das Gelände ist -nach europäischen Standards- in einem desolaten Zustand und zunächst glauben wir nicht, dass wir die Einfahrt überhaupt mit unserem Wagen hochkommen. Überall liegen Pferdeäpfel und Gänseköttel etc. herum und wir lassen uns belehren, dass dies auch so bleiben soll, um die Erde zu düngen. OK !?, ist aber trotzdem irgendwie unangenehm, permanent in irgendetwas hinein zu treten. Die Stimmung ist zwischen den Voluntären spannungsgeladen und wir halten uns soweit wie möglich von der Truppe entfernt. Wir kochen und essen einmal zusammen und Uwe macht einen schönen Geländeausritt mit – doch das soll es auch sein. Nach 3 Tagen verlassen wir diesen heißen Flecken Erde und brechen auf Richtung Argentinien.

Die Anden queren wir diesmal über den wohl bekanntesten und frequentiertesten Pass zwischen den beiden Ländern, welcher auf einer Höhe von 3.000 m liegt -Paso de Redentor-. Steil geht es auf der chilenischen Seite vom Pazifikniveau in über zwei Dutzend Spitzkehren hoch und belohnt werden wir dann mit einem Stellplatz mit direktem Blick auf den schneebedeckten höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua mit einer Höhe von nahezu 7.000 Meter. Nach einer unruhigen Nacht (wir können uns einfach nicht daran gewöhnen, in der Höhe zu schlafen) wandern (wandeln) wir ein wenig auf den Spuren von Reinhold Messner und erfreuen uns an der Tatsache, dass wir den Berg und seine Spitze tatsächlich klar sehen. Denn dies ist keineswegs selbstverständlich und wir erinnern uns noch an unsere schlechten Erfahrungen mit dem „schüchternen“ Kilimandscharo, der sich vor uns leider  immer in den Wolken versteckte.

Doch dann müssen wir auch schon weiter, da wir eine Verabredung mit Bille und Thomas in Maipu – dem Weinort – haben. Wir wollen noch einmal gemeinsam eine Bodega unsicher machen, Billes Geburtstag nachfeiern und überhaupt noch Zeit gemeinsam verbringen, bevor sich unsere Wege dann doch für längere Zeit trennen. Pünktlich wie deutsche Maurer erreichen wir die Bodega Mevi – die wir leider gar nicht mehr weiter empfehlen können und haben die nächsten Tage gemeinsam viel Spaß.

Leider können wir irgendwann nicht mehr die Tatsache leugnen, dass wir in Richtung Osten den Kontinent queren müssen, um in 14 Tagen dann in Buenos Aires in den Fliegen gen Heimat zu steigen, nachdem wir Hektor für seinen „Winter/Sommer-Ruheplatz“ in Uruguay fit gemacht haben.

Bevor wir dies tun, tummeln wir uns noch ein wenig in den Cordolieren um Cordoba. Wir wandern einen ganzen Tag und sehen Kondoren bei den ersten Flugversuchen zu, besuchen die wohl deutscheste Stadt Argentiniens inkl. Oktoberfest und überhaupt wundern wir uns mal wieder, wie unglaublich vielseitig dieses Land ist. Hier, rund um Cordoba, ist alles saftig grün, die Wohnverhältnisse entsprechen deutschen Vorstädten (mit Gartenzwergen im Vorgarten) und überhaupt erinnert uns viel an das Alpenvorland. Nicht unbedingt etwas, weswegen Deutsche nach Argentinien reisen würden, was aber für Argentinier offensichtlich einen großen Reiz ausübt, denn hier ist die drittgrößte Urlaubsregion Argentiniens. Doch auch diese müssen wir irgendwann verlassen und uns auf staubige Strassen begeben zwecks langer Fahrt zu Silvia und Heinz in Uruguay.

Nach fast 3 Monaten reicht es uns jetzt auch mal wieder. Zu Hause ist Vor-Weihnachtsstimmung – mit Weihnachtsmarkt und Co. – und auch wenn wir unseren Hektor ein wenig schmücken, mir fehlt etwas. Die richtige Stimmung will bei 25 Grad und Sonnenschein einfach nicht aufkommen. Die mit Plastik-Weihnachtsbäumen geschmückten Geschäfte sehen unnatürlich aus – und : Wir waren in 2018 jetzt fast 7 Monate in Südamerika unterwegs und haben wunderbare Erlebnisse geteilt und wunderschöne Landschaften besucht; nun ist die Zeit wieder reif, Familienleben zu geniessen, mit Freunden zu lachen und zu weinen, Sport zu treiben und all die anderen Sachen zu tun, die wir uns vorgenommen haben. Auch das Wetter will nicht mehr so richtig mitspielen. Es regnet immer mal wieder und somit wird der Abschied endgültig eingeläutet. Wenn wir jetzt Hektor abstellen werden, werden wir ca. weitere 10.000 km durch Südamerika gefahren sein und in den 3 Monaten -mit Ausnahme von 7 Übernachtungen- immer in der freien Natur übernachtet haben. Wir sind glücklich und zufrieden mit unserer Entscheidung, unsere Weltreise mit Hektor hier in Südamerika begonnen zu haben.

Und wie geht es weiter? :  Hektor bleibt in Uruguay und nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Wir haben schon jetzt den nächsten Trip -Richtung Brasilien- im Kopf und werden sicherlich bald mit der Detailplanung beginnen.

Reise 2 Teil 22: Bolivien wir kommen

Nach unseren ersten schlechten Erfahrungen mit der Höhe wollen wir es diesmal richtig machen. Da wir wissen, dass uns unser Weg nach Uyuni in Bolivien mal wieder über 4.400 Meter führt und die danach angestrebte Lagunen-Route sogar die 5.000 Meter Marke reißen wird, entschließen wir uns, uns ganz in Ruhe zu akklimatisieren. Insgesamt 4 Nächte schlafen wir auf Höhen zwischen 3.500 und 3.800 Meter Höhe, dass sollte wohl reichen.

Wir übernachten an einem großartigen Canyon, den wir morgens bewandern und besuchen zudem noch eine Lagune, in der sich neben uns über 20.000 Flamingos und sonstige Wasservögel einfinden. Hier sind wir mit den Tieren vollständig alleine. Ab und zu ziehen Vincunas oder Lamas an unserem Wohnmobil vorbei – ansonsten herrscht hier absolute Ruhe.

Wir fahren an sogenannten Regenbogen-Bergen vorbei – entweder schimmern diese in den Farben des Regenbogens, oder diese haben die Form eines Bogens. Wir geniessen den Norden Argentiniens in vollen Zügen. Doch dann ist es soweit. Wir erreichen den Grenzort nach Bolivien. Wir haben noch einmal das Auto vollgetankt und über 100 Liter Wasser sind ebenfalls an Bord. Wir sind gerüstet – dachen wir.

Die argentinischen Grenzformalitäten werden professionell abgearbeitet. Die Grenzer wissen, was Sie tun müssen. Wir auch. Dann geht es zur bolivianischen Seite. Zunächst will der Grenzer uns gar nicht beachten und macht uns Zeichen, wir mögen einfach ins Land einreisen. Nur nachdem wir mehrfach darauf hinweisen, dass wir ein Auto dabei haben, bemüht er seinen Computer und wir erhalten das notwendige Einreisedokument für Hektor. Wir gehen weiter ins nächste Büro und hoffen, auch für uns einen Stempel in den Reisepass zu erhalten. Dort sitzen zwei Eis essende Grenzer, die uns sehr freundlich mitteilen, dass ein Stempel im Reisepass absolut nicht notwendig sei. OK. Wir wundern uns, aber das ist halt Bolivien.

Wir gehen zurück zum Auto und wollen losfahren, da erscheint ein weiterer Grenzer, der uns auffordert mit in sein Büro zu kommen. Bitte Tür schließen. Dann dürfen wir – natürlich ohne Quittung – die ersten 10 Bolivars bezahlen, so dass er einen weiteren gewichtigen Stempel auf unser TIP (Auto-Reisepass) hinzufügt. Alles klar, wir versuchen das System erst gar nicht zu verstehen.

Wieder im Auto sitzend, können wir unsere Fassungslosigkeit über das wilde Treiben dieses Grenzortes kaum verbergen. Offensichtlich versucht hier jeder die gleichen billige Klamotten an die wenigen Touristen zu verkaufen.

Da kommt ein offensichtlich verwirrter Mann direkt auf unser Auto zu und haut mit dem Kopf immer wieder gegen unseren Frontgrill, so dass Uwe in letzter Not die Hupe betätigt.

Jetzt hat er nicht nur einen Kopf, sondern auch noch einen Hörschaden. Kein Mitleid. Alles direkt und zur Belustigung der bolivianischen Grenzbeamten.

Wir haben nur ein Ziel – möglichst schnell raus aus diesem merkwürdigen Ort. An der ersten Mautstelle stehen Jugendliche, welche die Zeit der sich ebenfalls anschließenden Polizeikontrolle nutzen, um sich an unser Auto zu hängen und zu prüfen, ob denn auch alle Türen wirklich zu sind. Wir sind bedient. Was für ein Empfang!

Nach einer ruhigen Nacht geht es jetzt endlich Richtung Uyuni. Leider merke ich auf dem Weg zum 4.000 Meter Pass, dass mein eines Ohr noch immer rumzickt und ein Druckausgleich nicht möglich ist. Ein kleines Problem mit großer Wirkung!

Traumstraße:

Die Straße von Humahuaca bis nach Uyuni ist wirklich eine der Weltbesten, absoluten Traumstrassen dieser Welt. Haben wir gedacht, die argentinischen Bergformationen seien nicht zu toppen – wir haben uns geirrt. Die Tour durch Süd-Bolivien ist unbeschreiblich schön. Wir durchfahren einen Nationalpark nach dem anderen, nur dass diese hier gar nicht weiter als solche bezeichnet werden.

Ungefähr 90% dieser Strasse von Villazon (Grenzort) nach Uyuni ist auch auf bolivianischer Seite fertiggestellt und in einem hervorragenden Zustand. Nur die restlichen 10 % sind nicht vorhanden – ganz einfach nicht da. Kein Hinweisschild; keine Umleitung; keine gar nichts.

Wir fahren durch ein nicht vollständig ausgetrocknetes Flussbett, vorbei an Männern, die hier ihre Wäsche oder alternativ ihr Auto waschen und stehen immer wieder vor zugeschütteten Strassen, quälen uns durch kleine Dörfer und stehen dann irgendwann doch tatsächlich auf der richtigen Strasse.

Dass diese Strasse dann irgendwo durch ein Seil gesperrt ist – moderne Mautstelle – wundert uns fast gar nicht mehr.

Hier fehlt es offensichtlich an allem. Baumaterialien liegen völlig unabgesperrt auf der Strasse, Strassenteile werden mit Steinen gesperrt; Strassen oder Ortschilder sind fast gar nicht vorhanden. Immer wieder ist nur eine Spur befahrbar. Und man weiss weder, wie lange diese Strecke dauert, noch hat man eine Chance zu erkennen, ob man nicht vielleicht doch Gegenverkehr hat. … und dieser könnte aus uralten Bussen bestehen, die sich hier in Massen schnaufend die Strassen hochquälen.

Die offensichtliche, tiefe Armut der Menschen hier bewegt uns sehr. Die Häuser werden i.d.R. aus Lehmziegeln gebaut und wir können uns nur schwer vorstellen, wie die vielen Kinder in den kalten Nächten dort in den armseligen Hütten hausen, bzw. wie es hier wohl in der Regenzeit aussieht. Läden sehen wir so gut wie gar nicht, doch es ist Feiertag – Allerheiligen. Die Menschen schmücken die Gräber mit Plastikblumen und Großfamilien treffen sich zum Feiern.

Die Menschen, denen wir hier begegnen sind alle ausgesprochen freundlich und sehen wunderschön in Ihrer Tracht aus.

Kurz vor Uyuni müssen wir noch einmal übernachten und uns wird klar, dass ich erneut unter der Höhenkrankheit leide. Wir entscheiden uns daraufhin, am nächsten Tag für nur einen Tag zur größten Salzwüste der Welt zu fahren, dort zu übernachten, aber dann möglichst schnell wieder unter 3.000 Meter Höhe zu fahren.

Reise 2 Teil 21: Ein Zug auf 4.200 Meter Höhe; Salta – die Schöne; Cachi – die Wunderschöne

Die Tour von Cafayate nach Salta ist wirklich spektakulär. Dass sehen leider nicht nur wir so, sondern auch Massen an anderen Touristen. Bevor wir wissen wie uns geschieht, steht Hektor zwischen diversen Bussen eingezwängt und wir pilgern mit vielen anderen Touristen zu den steinernen Sehenswürdigkeiten dieser Strecke. Dennoch, das Ganze hat auch etwas gutes. Spontan stellen sich 3 Musiker zusammen und singen und musizieren in dem Felsendom, dem sogenannten Amphitheater. Genau hier ist der richtige Platz für so eine Darbietung; wunderschön, da vergisst man fast die anderen Touristen.

Salta, die hochgelobte Stadt im Norden, die Schöne. Ja, es gibt einen wunderbaren Platz mit gut erhaltenen Gebäuden im Kolonialstil und eine wirklich interessante und eindrucksvolle Kathedrale. Es gibt auch eine Fussgängerzone und für uns viel wichtiger, eine offene Wechselstube. Unsere Erwartungshaltung war schon nicht sehr hoch und das ist auch gut so. Sehr schnell sind wir wieder unterwegs in den Bergen.

Stellt euch vor, ihr plant einen Ort aufzusuchen, der mindestens auf 4.200 Metern Höhe über Meeresspiegel liegt. Auf 1.000 Meter Höhe sind morgens 11 Grad, was macht ihr? Wie kalt muss es dann auf 4.000 Meter Höhe sein? Also ich habe meine Winterjacke, Handschuhe und Mütze herausgeholt, um schließlich festzustellen, dass hier alles gaaaanz anders ist. Hier ist mit die trockenste Gegend der Welt; Regen oder Schnee gibt es nur an ganz wenigen Tagen, fast immer herrscht „ knalle blauer Himmel „ – auch in 4.200 m Höhe. Sprich – ich habe das ganze Equipment kein Stück gebraucht, im Gegenteil – Uwe und ich haben in unseren dicken Hosen bei fast 20 Grad geschwitzt.

Dennoch die Tour hoch zum Viaduct „La Polvorilla“ ist Abenteuer pur. Wir fahren auf ungeteerter, kurviger Strasse, die an vielen Stellen max. so breit ist, dass Hektor sich wohlfühlt – und wenn dann Gegenverkehr kommt…   Dieses Viadukt ist die Endstation des Zuges „Tren a las Nubes“, der Zug in den Wolken, welcher mit seinen max. 468 Passagieren früher einmal eine Strecke von 217 km und einen Höhenunterschied von fast 3.000 Meter überwunden hat. Heute fährt er nur noch ca. 13 km, und wir haben Glück, dass wir ihn nicht nur im Bahnhof, sondern auch in Fahrt sehen können. Wir stehen mit 4 anderen Deutschen am Fuße des Viaduktes und sehen die eindrucksvolle Ankunft des Zuges auf fast 4.400 Meter Höhe. Nebenbei dürfen wir unseren ersten Lamas Hallo sagen.

Eigentlich wollen wir von hier aus Richtung Cachi weiterfahren und somit einen weiteren Pass mit einer max. Höhe von 4.900 Meer überqueren. Doch gegen 14 Uhr merken Uwe und ich, dass uns nicht nur leichter Schwindel, sondern auch zunehmender Kopfschmerz zu schaffen machen, so dass wir uns vernünftiger Weise dagegen entscheiden und schnell wieder deutlich tiefer fahren. Erst als wir wieder eine Höhe von 2.500 Meter Höhe erreichen, geht es uns allmählich besser. Vielleicht hätten wir wie die Einheimischen Coca-Blätter kauen oder zumindest einen Coca-Tee kochen sollen. Was noch nicht ist, kann ja noch kommen.

An dieser Stelle wollen wir noch schnell die Fahrradfahrer erwähnen, die uns auf dem 4.200 Meter hohen Pass begegnet sind und die zudem Ihren Hund im Anhänger transportierten. Hut ab vor dieser Leistung.

Die 158 km lange Strecke von Salta nach Cachi gehört laut unserem Reiseführer zu den spektakulärsten Strassen dieser Welt. Wirklich wunderschön, zunächst fahren wir durch die dichtbewaldeten grünen Yungas , satt-grüne Bergregenwälder, um uns dann in endlosen nicht asphaltierten Serpentinen in die Höhe zu schrauben. Am Ende kommen wir auf eine riesige, flache Puna- trockene Hochebene an. Hier wachsen nur noch Kakteen. Die Erdgeschichte liegt hier vor einem, wie ein offenes Buch – doch wir können Sie nicht wirklich gut lesen, sondern nur über die farbenfrohen Bergformationen um uns herum staunen.

Kurz vor Cachi, auf der Hochebene mit einem 360 Grad Rundblick ,halten wir es trotz starkem Wind 2 Tage aus. Unsere Augen können sich an den unterschiedlichen, farbigen Felsformationen nicht sattsehen. Wir wandern durch Canyon und ausgetrocknete Flussläufe.

Auch Cachi, die weiße Stadt mitten in der Puna besuchen wir und erfreuen uns an den touristischen Angeboten wie Kaffee, Empanadas und Internet.

Uns geht es gut – nur leider zieht aus dem Tal Regen auf. Mal sehen, ob und wie wir morgen wieder nach Salta zurück gelangen.

Reise 2 Teil 20: Berge und mehr…., Mendoza, Anden, Wein

Nachdem uns bei Ari sehr klar geworden ist, dass wir die späte Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär auf gar keinen Fall anstreben, haben wir uns verabschiedet und sind über Mendoza Richtung Salta aufgebrochen. Unser großes Ziel im Norden ist Bolivien – doch der Weg ist weit und der Weg ist auch ein Ziel.

Zunächst einmal wollen wir die schneebedeckten Anden mit dem höchsten Berg Südamerikas (Aconcagua, fast 7.000 m) bei Mendoza bewundern. Dies kann man am besten mit einem Glas Rotwein in der Hand und einem großen Steak auf dem Teller machen.

Deshalb besuchen wir diesmal die Bodega von Dieter Meier (bekannt von der Band Yellow), welcher überraschender Weise tatsächlich 98% seiner Weinproduktion nach Deutschland und in die Schweiz exportiert. Es ist ein absolut perfekter Tag und wir können soviel hervorragenden Wein „tasten“, dass wir gleich in der Bodega über Nacht stehen bleiben (müssen :)).

Von Mendoza aus führt unser Weg immer entlang der Andenkette, mit all den beeindruckenden Gipfeln, viele über 6.000 Meter hoch. Ein Wow-Effekt jagt den anderen; hinter jeder Kurve eine neue unglaubliche Szenerie und das beste daran – wir sind alleine. Die  Strasse führt Kilometer um Kilometer schnurgerade aus. Aus der saftigen grünen Landschaft bei Mendoza wird ein staubiges grau-braun. Unsere Schlafplätze sind spektakulär, zum Teil auf fast 3.000 m Höhe mit direktem Blick auf den 2. höchsten Berg der Region. Die Andenkondore sind neugierig und ziehen immer enger werdende Kreise über uns Quartier. Im Nationalpark El Leoncio, in dem wir eine kleine Wanderung machen, wurde am Tag zuvor eine Puma-Mutter mit Kind beobachtet, doch wir sind leider nicht die Glücklichen. Dennoch – hier leben diese fast ausgerotteten Großkatzen.

Die Bergpanoramen, die wir hier auf unserem Weg erleben, sind extrem abwechslungsreich und müssen sich nicht hinter den bekannten amerikanischen Nationalparks verstecken. Das Auge staunt und staunt, der Fotoapparat kann hier nur schwächeln. Es ist, als wenn Giganten die Erdoberfläche gefaltet und geknetet hätten, mal scharfkantig, mal abgerundet. Herr Wind und Frau Wasser, oder auch umgekehrt haben Ihres dazu beigetragen, dass die skurrilsten Formen entstehen konnten. Eine Fee hat über die unterschiedlichsten Gesteinsformen noch Ihren Farbtopf mit Rot/ Ocker/ – und Brauntönen ausgeschüttet, so dass in der Abendsonne die Berge in den buntesten Farben glühen.

Patagonien war zweifelsfrei beeindruckend, doch diese Seite von Argentinien ist für uns völlig überraschend, wunderschön, viel einsamer als gedacht und mindestens genauso schön wie Patagonien, wenn nicht sogar beeindruckender.

Und was haben wir sonst noch erlebt:

  • Die Tankstellendichte hat deutlich abgenommen; teilweise wird nur widerwillig vollgetankt; Kreditkarten werden nicht mehr selbstverständlich angenommen;
  • Die Wege durch die Berge sind zum Teil super eng und es kann passieren, dass man vor einem Tunnel steht ohne jegliche Höhen-/Breitenangabe. Da geht man doch lieber erst einmal zu Fuss durch, um ein Gefühl zu bekommen, ob Hektor vielleicht durchpassen könnte;
  • Weil ein LKW Fahrer mich am Wegesrand hat fotografieren sehen, hält er an und fährt dann vor, um uns zur nächsten Sehenswürdigkeit zu bringen – nochmals vielen Dank;
  • Wir sind im Gaucho-Land und die traditionellen Häuser werden aus Lehm gebaut; wir möchten hier definitiv nicht einziehen;
  • Die ersten Perspektiv-Fotos wurden gemacht – auf einem großen ausgetrockneten See haben wir unsere ersten Versuche unternommen …  und während wir so da sitzen, kommt ein Bus mit argentinischen Schulkindern auf die ca. 50 Quadratkilometer große Fläche gefahren und hält fast neben uns an. Wo auch sonst?
  • Wenn man sich schon mit kaltem Wasser duschen muss, dann wäre es a) schon schön, wenn man keine 8-beinigen Mitduscher hätte und b) wenn man nicht -„Wasserdruck bedingt“- über Gebühr lange unter dem Strählchen stehen müsste; so geschehen auf unserem allerersten und allerletzten Campingplatz;
  • Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen: Ein Campingplatz auf einem Sonntag ist eine Freiluftdisco mit unzähligen selbsternannten Discjockeys. Bis tief in die Nacht – 4 Uhr morgens – wird unter freiem Himmel getanzt und definitiv nicht geschlafen;
  • Dafür haben wir ganz wunderbar an einem anderen Platz direkt am Abgrund geschlafen – wir hatten ja auch einiges nachzuholen. Der Ausblick war mal wieder grandios;
  • Die Temperaturen schwanken wie die Höhen auf denen wir uns befinden – mal auf 1.000m mal auf 3.000 m Höhe, so daß wir morgens häufig max. 10 Grad – jedoch abends um die 30 Grad ertragen;
  • Je weiter wir in den Norden kommen, desto mehr verändern sich die Gesichter. Die Gesichter werden breiter, die Haare schwärzer, der europäische Einschlag wird durch den bolivianischen, indigenen abgelöst.
  • Im Ort Cafayate lernen wir den nur hier angebauten Weißwein Torrentes kennen. Hier liegen die weltweit höchsten Weinanbaugebiete auf 2.700 m Höhe, welche durch fast 300 Tage Sonne höchste Qualität erreichen. Wir haben uns auch hiervon natürlich gerne persönlich überzeugt.

Von Cafayate geht es dann direkt weiter zur ziemlich letzten großen Stadt im Norden Argentiniens: nach Salta, der Schönen. Wir sind gespannt. Dazu bald mehr.

Reise 2 Teil 19: Volunteers in San Rafael

Einen so langen Arbeitsweg hatten wir wohl noch nie. Nach 4 Tagen sind wir endlich in San Rafael im Restaurant „Naranja Blue“ angekommen. Hier herrscht Ari, eine Holländerin, die vor 11 Jahren nach Argentinien ausgewandert ist und zunächst mit ihrem Mann und nunmehr alleine, hier vor Ort ein deutsches Restaurant führt. Das Restaurant zeichnet sich durch deutsche Küche aus und wird bei TripAdvisor mit als das beste Restaurant vor Ort geführt. Zunächst müssen wir feststellen, dass das Gelände weit außerhalb der Stadt ist und sich hierher niemand zufällig verirrt.

Lautstark werden wir von 6 Hunden unterschiedlicher Größe begrüßt: Naranja, Blue, Golo, Lenni, Tim und Max, alles ehemalige Strassenhunde, die Ari aufgenommen und zu einem wundervollen Rudel zusammengeführt hat. Kinderersatz.

Wir wollen Ari 14 Tage als sogenannte Volunteers im Rahmen von Workaways unter die Arme greifen und ein wenig die argentinische Realität kennenlernen. Das Gelände ist mit Blumen und Bäumen gesäumt, in der Ferne sieht man die schneebedeckten Anden – als Gast ein Ort der Entspannung.

Der Arbeitsalltag beginnt spätestens um 9.00 bis 13.00 Uhr und erneut ab 18.00 – 20.00 Uhr. Das Restaurant öffnet dann um 21.00 Uhr (völlig normal hier, es kommt öfter vor, dass die Gäste erst um 23.30 Uhr aufschlagen). Alles was auf der selbstgemalten Speisekarte steht ist handmade.

Die Vorteile einer Spülmaschine sind schnell erkannt; fast täglich stehe ich bis zu 4 Stunden in der Küche und wasche ab. Ansonsten werden Kartoffeln oder Zwiebeln geschält, Brot gebacken (24 Brote am Stück), Spätzle vorbereitet, Zwiebelkuchen gebacken, Gemüse geschnitten, geputzt und wieder abgewaschen. Ich glaube nicht, dass ich jemals jemanden gesehen habe, der nachhaltiger lebt als Ari. Hier wird nichts, absolut nichts weggeschmissen. Alles kann und muss weiter verwendet werden. Ein täglicher Überlebenskampf. Seit dem Währungsverfall können es sich nur noch wenige Argentinier überhaupt leisten, essen zu gehen – und dann auch noch „deutsch“. Wir sind beeindruckt mit welcher Energie Ari den täglichen Kampf antritt, bemerken dabei aber auch, dass sich Abnutzungserscheinungen zeigen. Offensichtlich wird man müde, abgekämpft und ungerecht, wenn man sich täglich nur mit der Unterstützung von Volunteeren über Wasser halten kann.

Während Ari mir zeigt, wie man aus fast nichts noch vegetarisches Essen zaubert, muss Uwe, gemeinsam mit dem anderen Volunteer Simon, im großzügigen Garten kämpfen. Mähen, malern, Holz machen, Einfriedungen bauen – schon nach kurzer Zeit sind Blasen an den Fingern. Wir fühlen uns als Spülfrau und Hilfsgärtner und fallen abends todmüde ins Bett (Gott sei Dank schlafen wir in Hektor). Wir wissen, was wir tagsüber getan haben und denken doch manchmal mit Wehmut an gewohnte Schreibtischarbeit zurück.

Leider erleben wir hier keinen Einblick in das argentinische Leben, sondern können dafür eine Frau bewundern oder bestaunen, wie Sie mit den täglichen Herausforderungen, alleine ein Restaurant zu betreiben und 6 Hunde sowie ein 3000 qm großes Areal zu versorgen, klar kommt. Das Leben ist hart hier in Argentinien. Auch zu Ari würde der Begriff „hart aber herzlich“ gut passen. Chapeau.

Nach guten 11 Tagen (wir haben Anspruch auf 2 freie Tage pro Woche) und einem leichten Lagerkoller verabschieden wir uns. Dennoch wünschen wir Ari und ihren wunderbaren Hunden, die uns in der kurzen Zeit so ans Herz gewachsen sind, für die Zukunft alles Gute! Für uns ist auch klar, dies wird nicht unsere letzte work-away-Station bleiben. Wir wollen unbedingt Vergleiche anstellen können und haben auch gelernt, dass wir vielseitig einsetzbar sind.

Überraschend müssen wir hier auch etwas über sogenannte Wasserrechte lernen – sprich, einmal in der Woche wird das Grundstück geflutet ( Andenwasser durch Kanäle umgeleitet). Und wir erfahren, dass auch hier der Klimawandel zugeschlagen hat. Die in der Nähe liegenden Skigebiete in den Anden (und diese sind hier bis zu 6.000 Meter hoch) sind nicht mehr ausreichend beschneit, so dass mit Schneekanonen nachgeholfen werden muss. Wer hätte das gedacht. Überhaupt, hier ist es staubtrocken. Der warme Wind scheint der Haut und auch allem anderen jegliche Feuchtigkeit zu entziehen. Wir sind gespannt wie es weitergeht, wenn wir jetzt Richtung Norden – nach Mendoza- aufbrechen.

Reise 2 Teil 18: Kontinent-Durchquerung

Von BA fahren wir mit der Fähre nach Colonia del Sacramento

und dann mit dem Bus weiter über Montevideo zum Camping- und Stellplatz Paraiso Suizo und sind so nach ca. 10 weiteren Stunden endlich wieder mit Hektor vereint.

Unser Campingplatz-Herbergsvater Heinz hat Hektor schon aus seinem Winterlager herausgeholt und siehe da, es ist als sei man gar nicht weg gewesen. Hektor ist sauber, springt sofort an 🙂 :).

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. 110 Kilo an die richtigen Stelle zu verstauen. Doch dann ist es endlich geschafft und wir sind wieder auf Tour. Unser erstes Ziel ist San Rafael – auf der anderen Seite von Argentinien. Einmal quer durch den Kontinent.

Auf gar keinen Fall wollen wir wieder über Rosario fahren, so dass wir uns eine neue Route überlegt haben. Die Nationalstrasse No. „7“ soll uns ans Ziel bringen. 3 Tage fahren wir fast ausschließlich geradeaus. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Strassenwahl. Kaum Verkehr, viel flache Landschaft und noch mehr Rinder. Was will man mehr. Als wir uns schon fast am Ziel wähnen, müssen wir ein neues Wort lernen „clausurado”. Meint geschlossen. Und ohne weitere Vorwarnung ist die Strasse plötzlich nicht mehr befahrbar. Ein wirklich riesiges Seengebiet muss umfahren werden.

Dank maps.me können Hektor und Uwe gleich mal wieder zeigen, was in Ihnen steckt. Das Resultat: 3 Stunden Umweg, Hektor sieht wieder aus wie Sau und ich habe die ersten Nerven gelassen. Der Umweg führte uns natürlich wieder über naturbelassene Pisten, in denen uns selbstverständlich LKWs entgegenkommen, was insofern problematisch ist, da meist nur eine Spur befahrbar ist. Irgendwie hatte ich diesen Aspekt unserer Reise schon ein wenig vergessen.

Im übrigen fällt uns auf, dass uns gar nicht mehr so viel auffällt. Wir haben uns schon so an die Zäune, den Staub, den Wind, halt an Argentinien gewöhnt, dass wir gar nicht wissen, was wir in unserem Blog noch neues schreiben können.

Wie gut, dass wir jetzt 14 Tage als sogenannte “Vollies” in einem deutschen Restaurant in San Rafael arbeiten. Dazu hoffentlich demnächst mehr.

P.S.: noch ein paar Fotos von BA

Reise 2 Teil 17: Buenos Aires

Nachdem wir wirklich einen Jahrhundert-Sommer in Hannover erleben durften, sind wir am 25. September -nach fast genau 5 Monaten Abstinenz- wieder ins Flugzeug gestiegen mit dem Ziel Buenos Aires (BA).fullsizeoutput_396c

Keiner von uns hätte am Anfang dieses Jahres gedacht, dass wir so schnell wieder hier in Südamerika sein könnten. Dank sehr glücklicher Umstände können Uwe und ich bereits seit Ende August gemeinsam als sogenannte Ruheständler den neuen Lebensabschnitt geniessen. Wir wissen, dass wir uns sehr, sehr glücklich schätzen können und freuen uns schon auf die vor uns liegenden Herausforderungen, insbesondere auch diesen Lebensabschnitt sinnvoll, glücklich und möglichst gesund zu gestalten.

Was ist uns wichtig, welche Stützpfeiler soll unser neues Lebensmodell haben und mit welche Gewichtung ? Viele Fragen, auf die wir noch keine abschließende Antwort haben. Ein Grundpfeiler ist auf jeden Fall unsere gemeinsame Lust auf Reisen, womit wir wieder bei unserem Ausgangspunkt ankommen – nämlich Buenos Aires, die Hauptstadt von Argentinien. fullsizeoutput_396a

Zur Erinnerung: Argentinien ist ca. achtmal größer als Deutschland, in Argentinien leben aber nur die Hälfte der Menschen, wovon 14 Mio. Menschen allein in und um Buenos Aires leben. Also eine Weltmetropole, die nicht nur durch den Tango und Fussball berühmt wurde.

Obwohl wir eine Machete mit einer fast 40 Zentimeter langen Klinge im Hauptgepäck haben, bekommen wir in Frankfurt nur mit unserem Handgepäckskoffer Ärger, in dem alle Kabel für unsere diversen technischen Geräte sind. Offenbar befürchtet die gute Frau an dem Röntgengerät, dass wir eine Bombe dabei haben und der Koffer wird zur besonderen Begutachtung an einen lieben „Sicherheitsbeamten“ weitergereicht, der als wirklich urtypischer, deutscher Beamter dann alles sehr genau auseinander nimmt. Mit Blick auf das bereits stattfindende Boarding, werden unsere Nerven das erste Mal strapaziert.

Dennoch, nach einem knapp 14-stündigen Flug, kommen wir dann doch relativ entspannt mit rd. 110 Kilo Gepäck morgens um 7 Uhr in BA an. Mit einem Miettaxi sind wir ruckzuck in unserem Hotel, wo natürlich noch kein Zimmer bereit ist.

BA – was haben wir nicht alles darüber gelesen. Wir sind hier 2 1/2 Tage und sind gespannt auf die Hauptstadt des Tangos und des Fussballes (hier gibt es alleine 7 Erstligaclubs). Um möglichst schnell einen Überblick über die Stadt zu bekommen, deren Einwohner sich Portenos nennen, nutzen wir diesmal den Hop-on/Hop-off-Bus, welcher uns zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt bringt: U.a. zur

-Casa Rosada (Präsidentenpalast)

-Iglesia Santa Catalina – die Kathedrale des amtierenden PapstesIMG_9024

-Placa de Mayo – mind. 16-spurige Straße mit Obelisken-fullsizeoutput_396b

-dem ehemaligen Arbeiterviertel „La Boca“ mit dem Stadion, in dem Maradona groß IMG_9068geworden ist und geprägt wird von bunten Häusern IMG_9057

-sowie dem Stadtteil „Recoleta“, fullsizeoutput_38adwo wir u.a. zum Grab von Evita Duarte de Peron pilgern (hier finden wir ca. 7.000 stattliche Mausoleen – eine Stadt der Toten, in der eine Grabstätte mindestens 10.000 USD kosten soll), sowie

-Puerto Madero, wo moderne Hochhäuser mit der restaurierten Speicherstadt das Bild prägen.

Wir lassen uns durch die einzelnen Stadteile und die Fussgängerzone treiben, beobachten Tangotänzer, IMG_9044essen gut und bewundern all die reich verzierten Belle-Epoque-Gebäude, fullsizeoutput_3968die so dringend einer Renovierung bedürften.

Die Armut ist allgegenwärtig. Die Menschen, die betteln, uns Socken verkaufen wollen oder in die großen Abfallbehälter klettern auf der Suche nach Lebensmitteln, Kleidung, etc. sind kaum zu ignorieren. Vielleicht liegt es auch am Regen oder an der Tatsache, dass wir noch nicht wieder akklimatisiert sind – aber BA ist eine Großstadt, die uns leider nicht gefesselt hat.

Wie, wo und wann wir unseren Hektor wieder in die Arme geschlossen haben folgt im nächsten Teil.