Reise 1, Uruguay Teil 2, Rocha, Caballos de Luz-Reiten in Uruguay

Reiten in Uruguay – Caballos de Luzfullsizeoutput_242e
Wir haben wirklich drei unglaubliche Tage in der Nähe von Rocha verbracht und haben dabei nicht nur Uruguay von einer neuen Seite, sondern auch eine andere Art der Lebensführung kennengelernt. Ich weiss noch immer nicht, ob ich die Erfahrung als positiv oder negativ einschätzen soll. Eines ist aber sicher – diese drei Tage werde ich so schnell nicht vergessen. Warum?
Luzie:
die Pferde-Närrin aus Montafon hat vor 11 Jahren gemeinsam mit Ihrem Mann Santi und 12 anderen Parteien ein riesiges Areal im No-Where-Land gekauft, um dort mit Touristen Pferdetouren zu unternehmen.P1010638
Tatsächlich haben die Beiden am Anfang vor dem absoluten Nichts in der Pampa gestanden – keine Elektrizität, kein Wasser (nur ein Fluss in der Nähe),
P1010650kein Baumaterial – nichts und daraus haben Sie in mühseliger Handarbeit ein rustikales Gelände geschaffen. Statt rustikal könnte man auch primitiv sagen.
Unsere Unterkunft war vor unserem Eintreffen zusammengebrochen und man hat noch 20 Minuten bevor wir eintrudelten an der neuen Unterkunft gebaut. Alles ist offen; die Tür nicht schließend – steht eh immer offen; Trinkwasser wird in alten Weinflaschen zur Verfügung gestellt;
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Toilette ist im Extrahäuschen und wird mit Sägemehl bedient; zum Frühstück gibt es ein Tablett mit Obst und Butter und Käse und mit einer Frischhaltetüte, in der Milch und Joghurt ist; alles sehr lecker!
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überall ist Staub; es gibt nur einen Kühlschrank und der ist im Haupthaus; Baden/Duschen bitte im nächstgelegenen See.
P1010600Einfach aber akzeptabel !? Grenzwärtig.
Dennoch, unsere Wirtin strahlt soviel Zufriedenheit und positive Energie aus – in all dem Chaos -, man merkt, dass es für Sie genau der richtige Weg war und ist, hier zu leben. Man möchte helfen, Ihr Arbeit abnehmen, denn die Menge der Aufgaben sind schier unendlich.
12 Pferde, 3 Katzen und 2 Hunde sowie zwei Volunteers leben derzeit mit Luzie und Santi vor Ort. Hier hätte jeder Winnetou Film gedreht werden können. Es gibt eine scheinbar unendliche Landschaft mit sanften Hügeln über denen seit dem Morgen die Geier Ihre Kreise ziehen.
Von unserer kleinen Terrasse aus sehen wir abends einen Sternenhimmel, den ich mit meinen Worten nicht beschreiben kann. Nur soviel – es wird einem deutlich, wie unbedeutend man im Weltall ist.
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Abends kommen Walter, das Gürteltier oder Claudia der Skunk (oder umgekehrt) heraus und schauen auch einmal nach, was so in der Küche passiert. Vor unserem Haus liegt in der Sonne ein ca. 1 1/2 Meter langer Leguan und zeigt an, dass dieser Platz offensichtlich seiner ist. In dem nahen Teich wohnt eine Nutria-Familie (Biberratte), welche wir abends bei Ihren üppigen Mahlzeiten beobachten dürfen.
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Ausritte / die Pferde:
Mit Uwe ging die Luzie ab; Querfeldein, Berg auf, Berg ab, Galopp, durch Flüsse, Pferdewiesen manchmal Kühe treibend – das ist Westernreiten. Die Pferde extrem trittsicher, vertrauenserweckend – man sieht wieviel Liebe und Pflege in Ihnen steckt. Auch für mich als nicht Pferde-Frau wird der Wunsch geweckt (und befriedigt) die Pferde zu striegeln, zu füttern, zu reiten, etc. Wir können das Leben der Gauchos nachempfinden.
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Utopia – gibt es auch hier nicht:
Luzie erzählt uns, dass die ursprüngliche Idee der 13 Parteien, dieses Land als freie Kommune zu führen, gescheitert ist. Zunächst gab es nur drei Regeln: alles Bio; alles Vegetarisch; 10% aller Einnahmen gehen in die Gemeinschaft, um gemeinsame Projekte zu finanzieren. Viele dieser Projekte sind nach 11 Jahren aber gescheitert – die Schule für die Kinder steht leer; das Gemeinschaftshaus wird meist nur noch für die Versammlungen genutzt; die gemeinsame Wasserversorgung funktioniert nur manchmal, so dass sich jeder ein eigenes Versorgungssystem angeschafft hat; einige Parteien möchten deutlich mehr Häuser in der Region bauen lassen (bis zu max. 50), andere wollen die ursprüngliche Größe beibehalten. Es gab so viele Streitpunkte, dass man bereits seit zwei Jahren keine Versammlung einberufen hat und jeder macht mehr oder weniger, was er will. Die Notwendigkeit, weitere Regeln aufzustellen ist erkannt, kann aber aufgrund der vielfältigen Interessen nicht vollzogen werden.
… und was ist uns sonst noch aufgefallen / gibt es sonst noch zu berichten:
  • Wie schwer es ist Häuser zu bauen, wenn keine Ziegel, kein Baumaterial vorhanden ist. Hier werden Flaschen und Reifen in die Lehmwände eingebaut, um Stabilität zu erhalten;P1010641P1010642
  • Was tun, wenn das Toilettenhäuschen von einem Bienenschwarm und danach von einer Monster-Spinne besetzt wird ?;
  • Wie geht es dem kleinen Salamander, der im Schlauch sesshaft ist, welches das Wasser aus dem Handwaschbecken nach draußen leitet – steht er auf Seife und Rutschpartien ?P1010735
  • Zoro is still alive – seht selbst;P1010731
  • die Menschen, die wir hier antreffen, haben alle eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen; z.B. die beiden Volunteers – ein Pärchen -sie kommt aus Tasmanien, er aus Brasilien- beide seit 2 Jahren in Südamerika unterwegs. Freie Kost und Logis gegen Arbeitseinsatz. Zuletzt waren Sie monatelang in Kolumbien. Er versucht, sich verzweifelt deutsch beizubringen, indem er deutsche Lieder hört; die Beiden sind zwei Tage für das vegetarische Essen verantwortlich und was Sie mit Ihren 24 Jahren servieren – tja, da können wir noch etwas lernen ;
  • eines abends sitzt ein Pärchen mit uns am Tisch – er kommt aus Australien und Israel, lebte zuletzt in Kalifornien und will in Uruguay eine Farm aufbauen, um Bio-Cannabis anzubauen. Auch ein interessantes Thema :))
  • Santi arbeitet mit zwei Kollegen an der Dorfschule; 18 Kinder im Alter von 3- 11; weil jemand Geld gespendet hat, können die Kinder mit einem Kleinbus von einer Mutter abgeholt und zur Schule transportiert werden – alternativ hätten die Kinder im weit entfernten Rocha im Internat bleiben müssen; der Lohn als Lehrer ist aber viel zu gering, um damit ein Auskommen zu haben.

Kleines Resümee: Luzie als Frau hat mich total beeindruckt. Eine Frau mit Visionen, die bereit ist, für diese Visionen auch kleine Opfer zu bringen (u.a. trägt Sie seit 20 Jahren Dreadlocks, weil „keine Zeit ist zum Friseur zu gehen“). Aber trotz allem, sie sieht gut aus – man sieht Ihr die Lebensfreude und Ihr erfülltes Leben an. Ganz herzlichen Dank, dass wir ein paar Tage ein Teil dieses Lebens sein durften. …und ja, ich bin froh wieder in der Zivilisation zu sein. :))P1010679

Reise 1, Uruguay / Montevideo/ Costa Oceanico Teil 1

IMG_3786Montevideo/ Uruguay Übersicht

Nach einem kurzen Flug (3 Stunden) sind wir in Montevideo gelandet. Es fühlt sich an, als wenn man in Hannover ankommt und nicht in einer Hauptstadt. Alles ist klein und überschaubar. Obwohl wir gleich vom Taxifahrer um ca. 10 Euro übers Ohr gehauen wurden ( Taxameter ist an, aber man fährt die lieben Touris halt entlang der Küste, anstatt den direkten Weg zu nehmen), wissen wir doch zwischenzeitlich, warum Uruguay bei europäischen Einwanderern so hoch in der Gunst steht. Und um es gleich vorweg zu nehmen, wir würden es auch in Erwägung ziehen in dieses wunderbare Land umzusiedeln.
Uruguay:
3,3 Mio. Einwohner, flächenmäßig halb so groß wie Deutschland, keine Naturkatastrophen; lange, warme Sommermonate und kurze Winter ohne Frost; sehr moderne, fortschrittliche und stabile präsidiale Demokratie; Wasserreichtum; 1a- Ärzteversorgung; großartige Küstenlinie; kaum giftige Tiere; Winnetou-Hinterland und agroökonomisches Potential/Exportland; freundliche, hilfsbereite Menschen, alle ihren Mate-Tee schlürfend (ohne Thermoskanne scheinen die Uruguayos sich nicht aus dem Haus zu wagen);IMG_3758
liberale Gesetzgebung (Homo-Ehe seit Jahren anerkannt; Cannabis weitgehend freigegeben); in jedem noch so kleinem Ort gibt es Outdoor-Fitness-Geräte, die von jedermann angenommen werden;
es gibt tatsächlich 1000 und 1 Grund hier herzukommen und zu bleiben. Wer hätte das gedacht. Es ist an vielen Stellen so europäisch, im besten Sinne. Sauber, aufgeräumt- überall ist man bemüht, es „hübsch“ zu machen.
 
Zurück nach Montevideo:
Sicherlich würde niemand gerne in Montevideos Altstadt lange bleiben wollen, denn hier fühlt man sich wie in Little Havanna. Ein paar Töpfe Farbe, ein paar Investitionen könnten Wunder bewirken.  Eine tolle alte Bausubstanz, die leider vor unseren Augen verfällt.
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In der berühmten Markthalle wird uns klar, dass wir in einem „Fleischland“ sind. Auf den Grills liegen Unmengen an Fleisch, die alle auf Abnehmer warten.
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Neben der Altstadt gibt es direkt an der langgezogenen Küstenlinie das moderne Montevideo, wo offensichtlich die Menschen wohnen (75% Prozent der Menschen sollen in Montevideo bzw. küstennah leben; der Rest des Landes ist streckenweise nahezu menschenleer)
Scenic Costa Oceanico Route:
Da sich unser Reisemobil noch immer nicht entschließen kann, zu uns zu kommen, fahren wir mit unserem Mietwagen (einem Gol, da hat jemand offensichtlich das f vergessen) entlang der 660 km langen uruguayischen Küste Richtung Norden, also Richtung Brasilien.  Costa Oceanico – ein kleiner Traum. Der Name ist Programm. Es ist Hochsommer und Urlaubszeit. Somit sind wir ganz offensichtlich nicht die Einzigen mit dem Ziel, uns am Strand bei 38,5 Grad und mehr zu vergnügen. Orte wie Piriapolis
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und Punta de Este sind jedoch hoffnungslos überfüllt.
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Uns sind diese Regionen zu trubelig, so dass wir uns entscheiden in kleineren Orten wie Neptunia
oder in der Nähe von Rocha
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abzusteigen und von dort aus mit dem Auto Ausflüge zu teilweise menschenleeren Strandabschnitten zu machen.
Da wir ja doch Unruhegeister sind, können wir uns nicht vorstellen, die nächsten 1 1/2 Wochen lediglich badend am Strand zu sein. Von daher folgt demnächst Teil 2 – unser Bericht über die 3 besonderen Tage bei Luzie und Ihren Pferden.
… und was gibt es sonst noch zu berichten:
  • Wer Oldtimer liebt, sollte dringend nach Uruguay kommen – hier fahren viele Modelle noch umher;

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  • Tannat – die Uruguayer Weinrebe – durchaus nach unserem Geschmack, wir sind gespannt, ob wir diese später auch einmal zu Hause finden;
  • Montevideo – und die unheimliche Suche nach funktionsfähigen, gefüllten Bankomaten – eine tagesausfüllende Beschäftigung;
  • Mein erster Wal in der Laguna de Rocha- leider ein Toter;

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  • Eingang zu Mittelerde wurde gefunden;

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  • Die Fauna und Flora ist unglaublich – vom Flamingo zum Geier, leider auch das Kleingetier;

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  • Ach ja – es ist übrigens bereits hier sehr windig. Ohne den Wind wären die Temperaturen wohl auch nicht auszuhalten.

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Muy bien – bald mehr!

 

 

 

Reise 1,Reveillon in Rio de Janeiro

IMG_3428IMG_3455Dank Lufthansa und Premium Economy sind wir sehr entspannt in Rio de Janeiro kurz vor dem Jahreswechsel angekommen. Offensichtlich sind wir nicht alleine auf die Idee gekommen, an der weltberühmten Copacabana in das neue Jahr zu tanzen. Bisher dachte ich, dass die Zustände bei der Einreise nach Amerika nicht zu toppen sind, doch siehe da ich wurde eines besseren belehrt. Das Chaos im Immigration-Center strapaziert unsere Geduld erheblich, doch endlich haben wir es geschafft. Wir sind in Südamerika – unsere Taschen sind da und im Flughafen steht jemand mit einem Schild auf dem unser Name steht : der Taxiservice. Alles ist gut (auch wenn es regnet). Auch die über Airbnb gemietete Wohnung -nur drei Minuten von der Copacabana entfernt- ist klein aber fein (incl. Strandstühle und Sonnenschirm). Nach einem kurzen Schlaf kann das Abenteuer nun beginnen. Wir starten auf der Copacabana mit einem Caipi und sind sicher, dass können die Brasilianer. Ansonsten sind wir etwas enttäuscht von dem weltberühmten Strand. Breiter Strand – ja, breite Promenade – ja, großartige Kulisse – ja, aber auch 6spurige Strasse und viele hässliche Gebäude. Am Strand ist eine große Tribüne aufgebaut und schon jetzt erklingen die ersten Sambaklänge. Sylvester kann offensichtlich kommen.

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Unser Hauseingang – gewöhnungsbedürftig, aber mit einem aufmerksamen Concierge, der uns trotz fehlendem Safe das Gefühl von Sicherheit vermittelt.

 

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Insgesamt sind wir 4 Tage in Rio. Hier eine kleine Übersicht unserer Aktivitäten und Erfahrungen:

  • Wir besuchen den Zuckerhut im Nebel und Regen; trotzdem ist dieser Monolith beeindruckend und wir verbringen dort fast 5 Stunden; die Aussicht ist zwar bescheiden, aber in der Ferne sehen wir die Christus Statue, die hoch über der beeindruckenden Skyline zu schweben scheint. Favelas (Elendsviertel) sind in der Ferne fast auf jeden Hügel zu erkennen (insgesamt soll es über 500 geben, wovon nur eine gute Handvoll offiziell befriedet sind).                                                              Der Zuckerhut liegt in dem Stadtteil Urca und nachdem wir eine 1/4 Stunde auf den  Bus gewartet haben, hat uns eine Frau (die im übrigen nur Portugiesisch spricht)      angeboten per Uber ein Taxi zu rufen. Auf diesem Wege noch einmal ein                      herzliches Dankeschön.

 

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  • Mit einer dänischen Familie und Bruno haben wir eine 5-stündige Radtour durch Rio unternommen. Bruno ist Historiker und nimmt uns mit auf eine interessante Reise durch die Vergangenheit und zeigt uns gleichzeitig sein Rio. Wenn Bruno nicht Fahrradtouren organisiert, unterrichtet er mit 3 Freunden in einer Favela Kinder in Geschichte, um diesen zu ermöglichen, trotz der schlechten Ausbildung an den öffentlichen Schulen, die Tests für das Studium zu bestehen. Ehrenamtlich ! Ein tolles Projekt. Aus meiner Sicht unbedingt zu unterstützen. Wir bleiben bestimmt mit Bruno in Kontakt.

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  • Die Christus Statue besuchen wir frühmorgens und erleben ein absolutes Highlight. Wir erwischen einen klaren Tag und können weit ins Land hineinsehen: Während sich im Süden von Rio die Hochhäuser zwischen den Hügeln und der Lagune quetschen ist im Norden viel freie Fläche und die Olympia Stadien zu erkennen. Die Statue – schon so oft auf Fotos gesehen – ist in ihrer Schlichtheit grandios.

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  • Sylvester feiert man an der Copacabana – will heißen der Bereich wird großflächig abgesperrt, weil 3 Mio. Menschen erwartet werden. Man kleidet sich in weiss, analog alter afrikanischer Riten und opfert Blumen ins Meer. Aus ganz Südamerika reisen die Menschen an; überall – wirklich überall – sieht man in der Stadt Busse parken. Die Menschen sind mit Zelten und Strandzubehör bewaffnet und sitzen         -teils auch in mobilen Pavillons- in Großfamilien seit morgens am Strand trinkend, rauchend und warten auf die Party, 24 Uhr und das Feuerwerk.

 

Auch wir mischen uns unter das Volk, doch wir sind mehr als überrascht. Die Brasilianer bauen kleine Sandburgen um Privatsphäre zu haben; alles ist super diszipliniert; keiner benutzt Gläser – sondern nur die Plastikbecher, die man überall für wenig Geld kaufen kann; keiner fällt aus dem Rahmen und pöbelt oder fällt negativ auf. Die meisten sind damit beschäftigt, sich selbst abzulichten und in die sozialen Netze hochzuladen. Die sprichwörtliche SYLVESTER PARTY findet offenbar irgendwo anders statt ???, auf jeden Fall nicht an dem Strandabschnitt der Copacabana, in dem wir uns befinden.

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Wie aus dem Nichts sind 5 riesige Kreuzfahrtschiffe am Horizont erschienen, die wie wir einen Platz mit guter Sicht auf das Feuerwerk haben wollen. Vor dem Strand liegen 7 Bargen, von denen später das Feuerwerk gestartet wird und dies ist wirklich unglaublich. 17 Minuten non stop. Das Beste, was wir je an Feuerwerk gesehen habe.

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Nachdem das Feuerwerk verraucht ist, findet nicht wie erwartet die große Verbrüderung mit Brasilianern statt und es wird auch nicht überall Samba getanzt. Ganz im Gegenteil, jeder packt seine 7 Sachen und trottet Richtung Heimat. Wir waren somit bereits gegen 1 Uhr zu Hause, jedoch im festen Glauben einen unglaublich tollen Tag erlebt zu haben.

  • Der Neujahrstag – alle, wirklich alle Cariocas und alle Gäste sind am 01.01. am Strand. Es ist fast nicht möglich zwischen den einzelnen Sonnenschirmen hindurch zugehen. So etwas erlebt man sonst nur an der Riviera, wenn Hauptsaison ist. Aber hier meckert keiner, alle rücken zusammen und geniessen das Leben. Auch wenn man es kaum glauben mag, in diesem Gedränge hat uns die freundliche Frau von der Bushaltestelle wiedergefunden und wir werden sofort mit Küsschen begrüßt und zum Bier eingeladen. Wunderbar – wenn wir doch nur mehr als ein paar wenige Wörter verstehen könnten. Keiner spricht ein Wort Englisch – Cheers! Achja, noch ein Hoch auf die Müllabfuhr. Es ist am Strand so sauber, als wenn am Tag zuvor nicht eine der größten Parties der Welt stattgefunden hätten. Unglaublich. So etwas würden wir gerne einmal zu Hause erleben.

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….und was gibt es sonst noch zu erwähnen:

  • Wir erfahren, dass in Rio Sonntags die Hälfte der Highways gesperrt werden, um Outdoor-Aktivitäten zu fördern. Das Leben findet draußen statt. Wir sehen Menschen in jedem Alter, die sportlich unterwegs sind;
  • Football ist bekanntermaßen eine Religion in Brasilien; es gibt alleine 4 Mannschaften in Rio, welche in der Premium-League spielen. Fussball-Vereine waren ursprünglich Ruder-Vereine und gehören einer Vielzahl von Mitgliedern. Kein Brasilianer will wirklich mit uns über Fussball sprechen – warum eigentlich nicht? :))
  • Die Autos fahren grundsätzlich mit Gas! Nur für LKWs gibt es die Möglichkeit Diesel zu tanken;
  • Die Sklavenhaltung wurde in Brasilien erst 1888 abgeschafft und damit ist Brasilien das letzte Land in der westlichen Welt, welches die Sklaverei offiziel aufhob;
  • In Rio gibt es den drittgrößten Stadtwald/ Urwald der Welt, in dem Tukane, Affen etc. leben;
  • Bikini´s to go; am Strand wird von den fliegenden Händlern wirklich alles angeboten; Essen- Trinken; Bikinis – alles was das Herz begehrt;
  • Bevor man in den Bus einsteigt sollte man wissen wohin er fährt und wann man aussteigen sollte; uns ist es passiert, dass unser Bus wunderbar von der Copacabana nach Impanema fuhr und und weiter nach Leblon. Tolle Strände – doch wir haben das Aussteigen verpasst und befanden uns plötzlich auf direktem Weg in die größte und gefährlichste Favela. Ups. Schnell auf die andere Straßenseite und den nächsten Bus zurück;

 

  • Ansonsten trifft man überall in der Stadt auf die großen Unterschiede. Überall liegen Menschen auf den Strassen oder am Strand und schlafen; alle Appartements und Häuser sind geschützt durch Zäune und Gitter; die Menschen – auch die Einheimischen halten Ihre Taschen vor dem Körper fest; wir werden mehrfach darauf aufmerksam gemacht, bitte unser Handy wegzupacken, weil es zu gefährlich ist; man ist lieber an den Tischen in der zweiten Reihe, weil vorne die Bettler vorbeigehen und um Essen, Trinken, etc. betteln;

 

  • Die Affen trinken nicht Cappucino, obwohl Sie Capuziner-Affen heißen;P1010333
  • In Rio gibt es nicht genügend Spiegel, sonst würden die Damen doch lieber zu etwas mehr Stoff greifen – die sogenannten Copacabana Schönheiten sind sehr selten und nie älter als 20 Jahre;IMG_3546IMG_3545

Resümee:

Die Stadt liegt landschaftlich unglaublich schön!! Die Stadtstrände sind fantastisch! Die Menschen, die wir getroffen haben, waren in der Regel sehr freundlich und hilfsbereit. Das Motto ist „Lebenslust; das hier und jetzt zu genießen“; Es wäre wirklich interessant, die Stadt und deren Menschen noch näher kennenzulernen. Es ist hoffentlich nicht das letzte Mal, dass wir in Rio waren. Wir haben hier in Rio einen wunderbaren Völkermix kennengelernt und dabei gelernt, dass dieser zumeist dunkelhäutigeTyp auf die millionenfach versklavten Afrikaner zurück zuführen ist.  Wir fallen mit unserer Hautfarbe und mit unseren Bikinihosen auf.  Leider wirkt die Stadt verbraucht. Es fehlt offensichtlich überall an Geld und an Investitionen. Wir haben gehört, dass die Fussball WM und die Olympischen Spiele viel bewirkt und dazu beigetragen haben, dass Leben positiv zu verändern. Aber dennoch, es wirkt, als wenn die Zeit stehen geblieben wäre.

 

So, dies ist unser erster wirklich langer Blogbeitrag. Vielleicht etwas zu lang – aber es zeigt auch wie sehr uns doch Rio beeindruckt hat. Dennoch würde ich mich freuen, von euch Lesern ein kleines Feedback zu erhalten – in welcher Form auch immer. Danke im Voraus.