Reise 2 Teil 25: immer noch Chile, immer noch Pazifik, La Serena, Tongoy, Valparaiso

Was man so alles an der fast 5.000 km langen chilenischen Küste erleben kann:

  1. Zunächst einmal kann man ganz wunderbar Geburtstag feiern; mit Kaffee, Kuchen, Kerzen und einer drei Kilo schweren Dorade. Wir sind mit Bille und Thomas an der Playa de Virgin, dem angeblich schönsten Strand Chiles angekommen und geniessen trotz des unwirschen Campingplatzbetreibers diesen Tag. Erstaunlich ist nur, was sich Frauen und Männer von einem Playa de Virgin erhoffen. Bille und ich setzen auf blaues Wasser und wenig Wind, die Herren sind in gespannter Erwartung, der sich vermeintlich am Strand aalenden Jungfrauen. Das war wohl leider nichts.
  2. Wer hier in der Region Meeresfrüchte-Paella bestellt, sollte darauf vorbereitet sein, dass es 2- 3 Körner Reis und gaaaaaanz viel unterschiedliche Meeresgetier gibt. Soviel davon auf einmal, hat selbst Uwe noch nie auf seinem Teller gesehen, geschweige denn gegessen.
  3. „Missing Green“ – bis nach La Serena sind wir keinem Baum, keiner Blume, keiner Farbe außer allen Ockertönen begegnet. Halt Wüste und Wasser, sonst nichts. Gibt es noch so etwas wie grün? Nachdem wir den Touri-Ort La Serena hinter uns gelassen haben, ebbt die Wüste so ganz allmählich ab und wir können endlich ganz vereinzelt bestellte Felder erkennen. Dies wird immer intensiver, je weiter wir in den Süden fahren und dann ist es endlich soweit – wir sehen seit langem mal wieder Bäume!
  4. Verkehrte Welt: An der Küste ist es morgens oft bewölkt und kalt, um die 12 Grad. Erst wenn die Sonne die Kraft hat den Nebel/Dunst zu lichten, wird es bis zu 20 Grad warm. Wenn man es mal so richtig warm haben will, fährt man hier in die Berge. Hier ist nur wenig Wind, kein Nebel und wunderbare 30 Grad. Und im Übrigen – nein, baden können wir Deutschen hier nicht. Dazu sind wir nicht ausreichend abgehärtet, dass machen max. chilenische Kinder. Der Pazifik ist für Blauwale und Co. da, nicht für uns. Auch wenn wir immer mal wieder faszinierende, zum Teil fast schneeweiße Sandstrände erleben, meistens ist die Küste geprägt von Klippen und starker Brandung.
  5. Wir sind ständig auf der Suche nach Wasser für Hektor; während wir in Argentinien fast immer an den Tankstellen unseren Wassertrank problemlos füllen können, ist dies hier in Chile problematisch. Während wir mal wieder durch einen kleinen Ort cruisen und neidisch auf die Sprinkleranlagen des öffentlichen Parks schauen, fährt plötzlich ein Auto neben uns, hupt und der Fahrer fragt uns zunächst in Spanisch und dann im gebrochenen Englisch, ob wir etwas benötigen würden. Wir sagen Wasser. Er sagt kein Problem, wir sollen mit zu ihm zu seinem Haus kommen. Wir erhalten Wasser, eine neue Autokarte für Chile, lernen alle Leute in der Umgebung kennen und freuen uns Ricardo getroffen zu haben, der Biker ist und gerne mit Ausländern unterwegs ist. Das ist gelebte Gastfreundschaft. Kann man so etwas in Deutschland erleben?
  6. Unsere Tour führt uns zu einem kleinen, abgelegenen Strand in einem Fischerort. Wir stehen zwischen den Booten und geniessen den Blick aufs Wasser, bis ein Fischer auf uns zukommt. Dieser kann die Sprachbarriere dermaßen gut durch Pantomime durchbrechen, dass wir nach gut 1 Stunde wissen, dass er a) 30 Jahre verheiratet ist und seine Frau noch immer liebt b) er 5 Kinder hat (die Namen habe ich vergessen) c) in dem Ort viele junge Männer wohnen, die abends gerne feiern, d) wir bereits eobachtet werden und e) es hier nicht sicher ist zu übernachten. Wir bedanken uns und fahren – trotz bereits fortgeschrittener Uhrzeit – wieder los. So einen Hinweis wollen wir lieber ernst nehmen.
  7. Blauwale und Humboldt-Pinguine soll man hier an der Küste bzw. auf den vorgelagerten Inseln sehen können. Aufgrund von Nebensaison müssten wir leider ein ganzes Boot alleine bezahlen und da auch noch starker Nebel am Morgen aufgezogen ist, sehen wir weder das eine noch das andere.
  8. Die besten Dinge im Leben können einen ganz unvorbereitet treffen: Wir besuchen einen kleinen Ort namens Tongoy, als die Fischer Ihren Tagesfang verarbeiten. Dies läßt nicht nur die Herzen der menschlichen Besucher, sondern auch vor allen Dingen der tierischen Besucher hochschlagen. Neben Möwen, Pelikanen warten auch mindestens 4 Seelöwen auf die anfallenden Fischabfälle. Ein Bild für die Götter, insbesondere wie die Pelikane die ganzen Fischköpfe in ihren riesigen Schnabelsack hebeln und in eins hinunterwürgen.
  9. Das größte touristische Observatorium in Chile lohnt keinen Besuch. Hier in Chile gibt es weltweit die allerbesten Bedingungen Sterne zu sehen. Nirgends ist die Luft klarer und es gibt so wenige störende Lichtquellen. Doch das Observatorium „Cruz de Sur“ an einem Tag zu besuchen, wenn Vollmond ist, ist auf jeden Fall keine gute Idee. Dieser überstrahlt mit seiner Brillanz alle anderen Sterne/ Planeten und auch durch das Teleskop sehen wir die Planeten und Nebel nur sehr, sehr klein. Da muss es noch etwas anderes geben.

So, in genau 4 Wochen ist Weihnachten und wir werden uns ab morgen wieder Richtung Uruguay aufmachen. Ein ganzer Kontinent ist noch zu durchqueren. Wir hatten hier an der chilenischen Küste eine unglaublich gute Zeit. Wir haben in der ganzen Zeit nichts für unsere Übernachtungsplätze bezahlen müssen und konnten doch trotzdem fast jeden Tag mit Meeresrauschen einschlafen. Leider sind all diese wunderbaren, naturbelassenen Plätze mehr oder weniger vermüllt. Zwar stöhnen wir auf hohem Niveau. Sicherlich wird es schwierig sein, irgendwo anders auf der Welt vergleichbare Stellplätze zu finden, die nicht von Hotels zugebaut sind. Dennoch, es wäre schön, wenn auch hier in Chile die Menschen ihre wunderbare Natur etwas mehr zu schätzen wüssten und ihren Müll mitnehmen könnten.

Ach ja, und dann haben wir noch eine Kommunion erlebt und in der etwas heruntergekommendem Hafenstadt Valparaiso die wunderbaren Strassenmalereien bewundert.

Bald mehr, wenn wir wieder in Argentinien sind.

Reise 2 Teil 24: wüste Wüste; Atacama Wüste; endlich am Pazifik -Chile!

Von nun an geht es bergab mit uns. Wir haben nur noch ein Ziel – endlich Urlaub machen am Pazifik. Nur noch 3.000 Höhenmeter und eine der trockensten Wüsten dieser Erde trennen uns. Wir wollen und müssen uns von den vielen Eindrücken der letzten Wochen erholen.

Einmal durch die Atacama-Wüste zu fahren, war mein lebenslanger Traum. Wer hätte gedacht, dass wir jetzt bereits eine ganze Woche durch diese riesige Wüste fahren und immer noch staune ich und versuche, die unendliche Weite mit meiner Kamera einzufangen. Immer wieder verändert die Wüste ihr Erscheinungsbild; mal sandig weiß, mal schmutzig rostbraun, mal steinig, mal flach und dann wieder durchzogen von steilen Felsformationen.

Auf den ersten Blick sieht alles tot aus, eine Kulisse für jeden Endzeitfilm. Doch diese Wüste lebt – zwar wachsen hier max. ein paar Kakteen – aber es ist eine riesige Männer-Sandkiste. Hier gibt es nicht nur die größte Kupfermine der Welt, sondern auch noch gaaaanz viele kleine Minen. Es ist wie ein Bienenstock. Überall sieht man die roten Pickups der Minenarbeiter. Der gesamte Erdbereich ist kartografiert, umgebuddelt und überall gibt es bunte Abraumhalden oder Löcher/Zufahrten in die Berge.

Bei der Durchfahrt durch die Wüste sehen wir riesige Fabrikanlagen mitten im Nichts stehen. Wir wundern uns und wüßten gerne, was hier weiterverarbeitet wird. Da wir mal wieder auf Internet Diät sind, wird es noch ein wenig länger ein Geheimnis bleiben.

Überhaupt wundern wir uns über Chile. Im Vergleich zu Bolivien und Argentinien ist Chile deutlich industrialisierter bzw. nach europäischer Lesart entwickelter. Hier gibt es Fussgängerwege, Ampeln – die beachtet werden, Häuser mit Wasser- und Stromanschluss, Supermärkte, die mit unserem Märkten konkurrieren könnten – hier im Norden geht es vielen Chilenen sichtbar gut.

Dann haben wir endlich den Übernachtungsplatz erreicht. Einer – der bestimmt in die Top 10 – kommt. Ein Mirador, von dem wir erstmals den Pazifik im Abendlicht schimmern sehen können. Wir sind sehr begeistert. Ein wirklicher Traumplatz.

Und am nächsten Tag haben wir es dann nach 3 Tagen endlich geschafft. Wir sind am Wasser angekommen und kurven die nächsten Wochen jetzt nur noch in max. 100 km Abschnitten an der chilenischen Küste entlang. In der Nähe von Taltal fahren wir an einen Strand, an dem die Wüste den Pazifik küsst und wir seit sehr langer Zeit gleich zwei andere Overlander stehen sehen. Da diese direkt auf dem Strand stehen, setzt der Lemminge Effekt ein und wir fahren ohne weiter nachzudenken auch auf den deutlich zu tiefen Sand … und bleiben natürlich stecken.

„Einfach mal Luft ablassen“ – ist ein guter Tip des mitreisenden Chef-Juristen für den nächsten Tag. Bille und Thomas, die mit ihrem IVO dem Schrecklichen bereits 1 1/2 Jahre unterwegs sind, kommen auch nicht darum, diesen Tip zu beherzigen, so dass wir letztlich alle wieder die Sandpassage zurück kommen. Ein Grund zu feiern und schon beschließen wir, noch einen Tag gemeinsam zu verbringen. Wir verstehen uns auf Anhieb und haben viel Spaß. Noch mehr Spaß hätten wir vielleicht gehabt, wenn die Fischer vor Ort uns Fisch verkauft hätten – aber für uns vier gibt es keinen Fisch ! Dann halt Nudeln. Das geht immer.

Da beide Teams in die gleiche Richtung fahren wollen, ist bald klar, dass wir uns bestimmt noch einmal wieder treffen – und so passiert es dann auch.

Reise 1 Teil 12: Tierra del Fuego; Pinguine; Orcas; Magellan-Strasse; Ushuaia; das Ende der PanAmerica

Eigentlich hätten wir es uns ja denken können. Wenn man dahin fahren will, wo das Festland von Argentinien wirklich am Ende ist, um 160.000 brütende Magellan-Pinguine fullsizeoutput_2902zu sehen, ja dann muss man Strapazen auf sich nehmen. Dass es sich dann tatsächlich um 115 km schlechteste Piste handelt (eine einfache Strecke), fullsizeoutput_2915hätten wir uns wirklich nicht vorgestellt. Auf spanisch klingt es irgendwie angenehm „Zona de Baches“ – auf deutsch: Schlagloch an Schlagloch. fullsizeoutput_291eEgal, ob man rechts, links oder mittig fährt, man trifft mit ziemlicher Genauigkeit ein weiteres tiefes Loch. Alles schaukelt hin und her und wenn es dann soweit ist, dass ich mit beiden Händen am Haltegriff des Autos hänge und schreie, ja dann ist es vorbei mit der Gelassenheit.
Das Ende vom Festland mit Blick auf die Magellan-Strasse und mit Pinguinen am Strand – fullsizeoutput_2945so in etwa habe ich mir diesen Zipfel Erde in meiner romantischen Ader lebhaft vorgestellt. P1050742Die Realität ist völlig anders. Als uns auf dieser unmöglichen Piste der erste LKW entgegenkam, dachten wir noch, das wäre ein Zufall. Leider nein. Auch der letzte Zipfel der Welt wird wirtschaftlich genutzt. In der Magellan-Strasse stehen Ölbohrtürme dicht aneinander und auf unserem Weg zu den Pinguinen fullsizeoutput_2903fahren wir durch ein „Fracking-Gebiet“, womit sich auch die Gas-LKWs P1050773und die fliegenden Helikopter u.a. erklären lassen.
Der „Pinguin-Ranger“ erklärt uns später, dass die Öl-Gesellschaft nicht nur die Verpflegung für die beiden Ranger stellt, sondern auch die beiden Häuser, in denen sich diese tagsüber aufhalten können. Das ist wohl der -kleine- Preis dafür, dass im Angesicht der drittgrößten Pinguin-Kolonie die Natur hier ausgebeutet werden darf.
Dennoch – der Weg hat sich für uns wirklich gelohnt. Noch nie zuvor haben wir außerhalb eines Zoos Pinguine gesehen. Und hier sind sie. Ca.160.000 Brutpaare. Überall rufen die Kleinen laut nach ihren Eltern, die zum Teil in der naheliegenden See frischen Fisch holen und auf dem Rückweg auch über die angelegten Wege watscheln – direkt an uns vorbei. Sie haben hier in der Dünenlandschaft ihre windgeschützten Nester und die „Chicken“ sind bereits 4 Monate alt. Anfang April, wenn alle Kleinen ihr erstes Federkleid verloren haben, wird die Kolonie für fast 6 Monate Richtung Süd-Brasilien schwimmen. Wir wünschen allen eine gute Reise.
Unsere Reise führt uns jetzt zu unserer südlichsten Etappe – Tierra de la Fuego = Feuerland. Schon auf der kurzen Überfahrt sehen wir unseren ersten Orca und die Erwartungen an die 3. größte Insel Südamerikas sind hoch. Nach erneutem Grenzübergang – Feuerland wird ja von Chile und Argentinien beansprucht (während bzgl. der Antarktis sogar drei Länder Eigentumsansprüche erheben: Chile, Argentinien sowie Großbritannien) sind wir mal wieder in Chile ohne frische Lebensmittel gelandet (wir nur noch die, die wir „geschmuggelt“ haben). Wie immer hat der Grenzbeamte IMG_5834unsere Trostzwiebel und -kartoffel mitgenommen. Also muss dringend eingekauft werden, denn wir wollen hier in Chile soweit wie möglich in den Süden fahren, bevor wir dann auf der argentinischen Seite nach Ushuaia fahren, der südlichsten Stadt der Welt.
Allzu viel gibt es über die letzten Tage in Feuerland jedoch nicht zu berichten. Nur folgendes in Kürze:
  • es ist kein Sommer mehr – will heißen hier auf der chilenischen Seite, wo Feuerland eh nicht dicht besiedelt ist, ist jetzt der Hund verfroren. fullsizeoutput_2969Wenn wir eine Lodge oder ein etwas touristisch angehauchtes Örtchen fullsizeoutput_2970sehen, ist dieses bereits geschlossen. Auch die Rinder sind nicht mehr auf der Weide. Wo diese sind, keine Ahnung. Nur vereinzelt sehen wir Schafe, dafür aber jede Menge Guanakos. fullsizeoutput_2939Auch die Bäume beginnen mit der Rotfärbung und die Temperaturen sind eh bereits im Keller (eines Nachts hatten wir Frost, sonst so zwischen 2 bis 6 Grad). Überhaupt die Bäume sind hier besonderst. Nicht nur die sucheinfärbenden Südbuchen, sondern auch die vielen Bäume die vom Wind rasiert wirken, bzw. abgestorben und grau im Wasser stehen oder gespenstisch im Wald sich drängen. Jeder einzelne Baum scheint hier eine Geschichte erzählen zu können;  P1050940
  • Uwe grillt – egal ob es Sommer, Herbst oder Winter ist. Es ist unglaublich bei welchen Temperaturen und Windgeschwindigkeiten er dennoch leckerstes argentinisches Steak zaubern kann. Yummi !
  • Laguna Azul fullsizeoutput_2922– Zaunbau-Wut stoppt auch nicht im Vulkankrater;fullsizeoutput_292a
  • Das große Fressen: fullsizeoutput_296aWieviele Kilometer sind wir in der Hoffnung gewandert, oben in den Bergen einen Kondor fullsizeoutput_2968zu sehen. Es geht soviel einfacher. Hier auf Feuerland sehen wir bereits zum 2. Mal eine „Groß-Familie Kondor“. Ca. 30 Stück jeder Altersklasse P1060123zerlegen vor unseren Augen ein totes Guanako. fullsizeoutput_2960Da stören wir Menschen wirklich nur am Rande;
  • Rotfuchs P1060078vs. Graufuchs fullsizeoutput_2965;fullsizeoutput_2964
  • Dass man hier in Feuerland nicht „Moin, moin“ sagt, wundert mich. Ein Großteil der Insel ist unglaublich flach fullsizeoutput_2931und erinnert mich doch stark an Ostfriesland. Nur ganz im Süden, da wo die Cordilliera Darwin quer vor der Insel liegen, wird es hügelig und wir sehen mal wieder Gletscher und eisbedeckte Berge;
  • Königspinguine – diese Pinguine fullsizeoutput_2958sind so wunderschön, dass es einem das Wasser in die Augen treibt, wenn man diese in Freiheit erleben darf. fullsizeoutput_2934Zugegeben – hier auf Feuerland lebt eine wirklich nur sehr kleine Kolonie – ca. 90 Brutpaare. Dennoch, diese haben gerade Kinder in verschiedenen Altersklassen und diese Kolonie beobachten zu können, hat mich schwer beeindruckt. Diese Pinguine leben ausschließlich auf den 45- 55 Breitengraden.  P1050896Breitengrade, die auf dieser Welt  wirklich nur schwer zu erreichen sind, wie bspw. weit südlich vor Tasmanien bzw. einsame Inseln vor der Antarktis.  Vermutlich werde ich nie wieder so nahe an diese unglaublich schönen Tiere kommen;
  • Looking for Biber – nicht Justin: P1050964obwohl wir Justin hier vermutlich genauso wenig sehen würden, wie einen lebendigen Biber. Angeblich soll der Biber hier eine Plage sein und ja wir sehen auch deutlich die Auswirkungen seiner Aktivitäten in der Dämmerung – dennoch, für uns bleibt er ein Phantom;P1050959
  • Kein Phantom sind jedoch die Wale, die wir hier sehen. Man mag es kaum aufschreiben, aber es ist wirklich wahr. Beim Kaffeetrinken haben wir in der Bucht vor Ushuaia drei Orcas gesehen, die dort offensichtlich ihr Unwesen trieben. Zweimal sind diese vollständig aus dem Wasser gesprungen und meine Freude kennt keine Grenzen; Danach Burger-Essen im Hardrock-Cafe. Das Leben ist gut.IMG_5859
  • Ushuaia: IMG_5870Von hier aus sind es nur noch etwa 1.000 km bis zur Antarktis. IMG_5904Die Südspitze Ushuaia liegt 3200 km südlicher als Kap Horn in Südafrika, wo unser Sohn noch vor Kurzem war. IMG_5880Von hier aus sind es nur noch schlappe 17.848 km bis nach Alaska. Ein Ziel!!!
  • 60.000 Einwohner plus die Kreuzfahrer, die täglich hier ausgeschüttet werden, findet man in Ushuaia. IMG_5876Nur der Beagle-Kanal IMG_5867trennt uns von noch weiter südlich gelegenen Inseln, auf denen nur noch vereinzelt Menschen wohnen. IMG_5859Wir haben Glück mit dem Wetter und erleben hier bei max 11 Grad Tagestemperatur und Sonnenschein keinen wirklich typischen Ushuaia-Tag. Morgen geht es noch einmal in den argentinischen Nationalpark (auf der erneuten Suche nach Bibern) und ab übermorgen gibt es nur noch eine Richtung – zurück in den Norden.
  • Schön fullsizeoutput_2973am fullsizeoutput_2972Atlantik;fullsizeoutput_2961
Celebrate your life

Reise 1 Teil 10: Farborgien; verbrannt im Nationalpark Patagonia; Safari-Feeling; Guanakos und Kondor(e); Paso Rabolla

IMG_5382Nachdem unser Auto in Cochrane fachmännisch geprüft und getestet wurde :)) und wir verstehen sollten, dass nur der Sensor der Bremsanlage kaputt ist, sind wir in den neuesten Nationalpark Chiles – den Parque Patagonia – gefahren.
P1040086Dieser wurde von der Witwe von D. Tompkins (dem Gründer von Esprit und Northface) dem Staate Chile vermacht. (möglicherweise ist dies juristisch nicht einwandfrei formuliert) Und um es gleich vorweg zu nehmen – es ist /war großartig. Wir würden diesen Park jedem als absolutes Highlight weiterempfehlen, der auch auf menschenleere, fast baumfreie und mondähnliche Landschaften steht.
Nach der Farborgie der Seen und Gewässer rund um Cochrane, P1040074wird hier alles von Gelbtönen des Savannengrases beherrscht.P1040063
Schon am Eingang überraschen uns wilde Guanakos.
P1040105Irgendwo haben wir gelesen, dass diese sehr scheu sein sollen – jedenfalls nicht uns gegenüber, was sich auch auf unserer weiteren Fahrt noch zeigen soll. P1040234Aber niedlich sind sie, insbesondere die Kleinen. Knuuutsch.P1040110
Durch die sich öffnende Weite der Landschaft mit den umherziehenden Tierherden und deren Vielfalt – Gürteltiere, Nandus, Guanakos, Pferde, Rinder, Schafe – fühlen wir uns versetzt Richtung Afrika (einen schönen Gruss an unseren Sohn, der dort gerade ist). Es ist, als wenn wir auf Safari wären.
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Doch natürlich wollen wir nicht nur alles vom Auto aus beobachten. 16 km Wanderung steht an. Angeblich mittelschwer – 5 Stunden sind angesetzt. Eine kleine Probe für die anstehenden Wanderungen am Torres del Paine. Fuss-Stresstest. Der Fuss hält schließlich durch, doch die Sonne brennt den ganzen Tag so stark, dass ich trotz Sonnencreme völlig fertig nach 6 Stunden am Auto ziemlich verbrannt ankomme. So schnell muss ich erstmal nicht mehr wandern. Auaaaaa! Obwohl uns hier auf der Wanderung vollmundig die Sicht auf Kondor(e) versprochen wurde, haben wir wirklich gar nichts dergleichen gesehen. P1040394
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Unser Schlafplatz im Park lädt absolut zum Verweilen ein. P1040293So eine Sicht hat man wirklich nur selten… und wir sind mit Ausnahme ein paar vereinzelter Guanakos und Füchsen ganz allein und geniessen die Zweisamkeit.
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Am nächsten Tag hat Uwe Geburtstag P1040350und es geht dennoch weiter über den Pass Rabolla nach Argentinien. IMG_5466
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Wie gut, dass ich die wilden Tiere sooooo zahlreich und pünktlich zu einem Geburtstags-Stelldichein organisiert habe: Bereits morgens läuft uns ein Gürteltier über den Weg und in dem Niemandsland P1040528zwischen Chile und Argentinien P1040536sehen wir doch tatsächlich nicht nur einen Blaubussard (wir hoffen, dass es wirklich einer ist), sondern auch 9 Kondor(e) direkt über uns kreisen: „Mantas der Lüfte“, fullsizeoutput_267bwir sind mehr als begeistert. fullsizeoutput_267cUnd etwas weiter die wirklich rüttelige Strasse entlang, finden wir einen kleinen See mit Flamingos, Nandus, P1040543Hasen und den Schwarzhals-Schwänen, so dass wir uns entscheiden, hier den restlichen Tag zu verbringen. P1040604
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Wir sind uns bewußt, einen wirklich ganz besonderen Tag erlebt zu haben, so dass Uwe nachts von seinem ganz speziellen Geburtstagstag gut träumen kann. Der Versuch die rosafarbenen Teichbewohner zu fotografieren erscheint hier jedoch ziemlich schwierig. Irgendwie mögen diese  uns nicht besonderst und sie gehen permanent auf so großem Abstand, dass auch mein Fotoapparat diesen nur mit Schwierigkeiten überwinden kann. Das Resultat:
Als wir die Grenze zu Argentinien überfahren, sind wir sowohl auf der chilenische als auf der argentinischen Seit erneut auf sehr freundliche Zöllner gestossen. Anscheinend ist hier in Argentinien jedoch noch nicht das Internet-Zeitalter angekommen. Alle Daten werden handschriftlich mit Blaupause in Stockbücher eingetragen. Was soll’s, wir haben 2 neue Stempel im Pass und haben all unsere Lebensmittel mitnehmen dürfen.Vielen Dank…und für jeden den Tip- dieser Pass und der Park ist wirklich sehenswert.
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Hasta luego.
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Reise 1 Teil 9: Gletscher, Gletscher und noch mehr Gletscher, Steaks, „Straßenstrich & Coyhaique, alles BLAU !

Chile würde uns noch besser gefallen, wenn doch irgendwo WLan zu bekommen wäre und möglichst auch noch ein WLan, welches geeignet ist, Bilder in den Blog hochzuladen. Ich kann die Anzahl an viel zu teuren (löslichen) Kaffees gar nicht mehr zählen, die wir in der Hoffnung getrunken haben, dass uns dieses Cafe`oder jenes Restaurant im Gegenzug mit halbwegs gutem Internet versorgt. Leider mit bislang sehr, sehr mäßigem Erfolg.
Ich schreibe diesen Blog, ohne zu wissen, ob und wann er jemals hochgeladen werden kann. Besonders schwierig ist es, die Bilder in den Blog zu bekommen. Manchmal müssen wir bis zu einer halben Stunde warten, bis ein Bild endlich in der entsprechenden Mediathek ist … und Geduld ist wirklich nicht unser Ding. Deshalb gibt es öfter nur weniger Fotos, aber grundsätzlich bleiben wir diesbezüglich zuversichtlich.
Zwischenzeitlich haben wir bereits 4 Wochen im Wohnmobil erfolgreich überlebt. Die Anzahl der „wilden Nächte“ steigt rapide, da die Zeltplätze hier unten im Süden tatsächlich nichts mehr bieten, was den Preis aus unserer Sicht in irgendeiner Weise rechtfertigt. Uwe hat die Körperpflege insofern umgestellt, dass er anstatt zu duschen lieber einmal in einen eiskalten See springt (manchmal auch nur für 1 Minute). Ich wähle eher die Variante „Mütze statt Haarewaschen mit eiskaltem Wasser“. Wir müssen improvisieren; eine große Dusche ohne Getier mit viel warmen Wasser wäre soooo ein Luxus.
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Und übrigens, es ist wirklich nicht immer lustig, stundenlang mit max. 40 km/h über Rüttelpisten zu fahren. Der Haltegriff neben mir am Beifahrersitz ist bereits einigermaßen abgegriffen, denn die Hälfte des Tages hänge ich an diesem und es graut mir nicht nur einmal vor der Weiterfahrt. Wenn auf den Wellblechpisten -insbesondere bergab- das Auto anfängt, sich aufzuschaukeln oder in der Kurve wegrutscht oder auf dem Wellblech „schwimmt“, dann schlägt mein Herz schon mehr als höher. Abenteuer, da ist es, zumindest für mich als Beifahrer.  Seit einiger Zeit leuchten auch die Warnsignale für ESP und ABS auf, so dass wir davon ausgehen, dass diese Systeme nicht mehr einwandfrei funktionieren ! Ein Werkstattbesuch wird wohl notwendig werden.
Die letzten Tage haben wir uns unaufhaltsam Richtung Süden bewegt und der Wettergott war uns wohlgesonnen, so dass wir -nachdem wir Coyhaique hinter uns gelassen haben- hier in Puerto Tranquillo einen unglaublich türkis-blaufarbenen See erleben dürfen. Niemals zuvor habe ich einen See in einem so intensiven türkis-blau schimmern sehen. Wir übernachten direkt am See mit einer Aussicht, die uns den Atem verschlägt. Von hier aus kann man für relativ wenig Geld per Boot in die nahegelegenen Mamorhöhlen fahren. Wir erwischen einen sonnigen Tag und sind fasziniert, wie das Wasser dieses Urgestein geformt hat. Die Maserungen des roten und weißen Marmors sind faszinierend, und auch die Geschicklichkeit, mit dem die Bootsführer die Boote tief in die Höhlen hineinführen. Von Puerto Tranquillo werden auch Touren auf den 50 km entfernten Gletscher angeboten. Doch statt eine organisierte Tour zu wählen, entscheiden wir uns dafür, selbstständig in das Tal „Valle de Exploradores“ hineinzufahren. Eine richtige Entscheidung. Wir können an all den tollen Aussichtspunkten anhalten, verweilen und Fotos über Fotos machen von den Unmengen an Gletschern, Wasserfällen, mintgrünen oder stahlblauen Seen, Bächen, Flüssen, Bergformationen. Es ist einfach nur wunderschön und keines dieser Bilder kann jemals diese Eindrücke wirklich wiedergeben. Leider müssen wir aber mit einer dichten Wolkendecke und schlechter Sicht direkt am Gletscher kämpfen.
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P1030833P1030829P1030822P1030814IMG_5195IMG_5160Chile – hat uns bislang wirklich beeindruckt. Die Vielfalt der Landschaft von endlosen trockenen Wiesenlandschaften, Pampa-Flächen, welche sich derzeit im saftigsten goldgelb zeigen, bis zu den unterschiedlichen Bergformationen – oft mit großartigem Gletschereis überzogen -, Wasserfälle und immer wieder die „blauen“  Gewässer – wirklich eine Reise wert. Es ist unglaublich, wie vielfältig die Landschaft hier ist. Wir sind gespannt, wie es jetzt demnächst auf der argentinischen Seite weitergeht. Denn hier in Chile sind wir die Carretera Austral fast bis zum Ende hinuntergefahren. Argentinien wollen wir über den Pass Roballos erreichen und somit gleichzeitig noch den neueren Nationalpark „Patagonien“ erleben. Dazu bald mehr.
Und sonst so?
Wir sind begeistert von den möglichen Farbnuancen der Bergseen und der Flüsse – von dunkelblau, hellblau, blaugrün, stahlgrau, ultramarinblau bis hin zu mintgrün leuchten diese. Wenn wir einen See oder Fluss sehen, sind wir immer der Meinung, so eine Vielfalt von unglaulichichen Blautönen haben wir vielleicht in Kroatien gesehen und nun hier in überschäumender Masse.
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IMG_5127P1030280Ich habe das erste Brot im Omina gebacken, die ersten Delfine und wilden Guanakos sowie einen Rotfuchs gesehen. An das Duschen und Haarewaschen mit kaltem Wasser werde ich mich wohl nie gewöhnen. Und noch immer freuen Uwe und ich uns jeden Tag über die Entscheidung, hier zu sein.
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P1030956Wetter haben wir hier auch, und zwar Wetter in jeder Form, möglichst alles an einem Tag. Eigentlich kann man aufgrund des Windes nie wirklich vorhersagen, wie es wird. Morgens 2 Grad, mittags 25 Grad und abends wieder 10 Grad – nichts Ungewöhnliches. Wie gut, dass wir den Kleiderschrank stets dabei haben.
Wir empfinden die touristische Infrastruktur hier als rudimentär und -soweit vorhanden- mehr oder weniger nur auf spanisch sprechende Touristen ausgerichtet. Es ist für uns deshalb wirklich schwer, gute Infos zu bekommen. Alle sind freundlich – aber auf spanisch. Tendenziell sprechen aber immer mehr die jungen Menschen Englisch und es passiert auch, dass wir mit unserem rudimentären Spanisch ein Gespräch beginnen und uns jemand auf Englisch antwortet. Jipppi.
Wir haben in Puerto Cisne ganz hervorragenden, vergleichsweise sehr günstigen Lachs gekauft. Wer hätte gedacht, dass Chile zweitgrößter Lachsexporteur der Welt ist und hier in Puerto Cisne der Lachs verkauft wird, der angeblich aus der Zucht „ausgebüchst“ ist. Natürlich sind wir hier auch essen gegangen, in der Hoffnung nach fast 10 Wochen Fleisch endlich einmal gut zubereiteten Fisch zu erhalten. Der Preis von umgerechnet 30,—Euro würde auch gute Qualität erwarten lassen. Tatsächlich gab es nur Merluza- Seehecht, welcher bei uns beiden nicht durchgegart war und somit einen zweiten Gang durch die Friteuse erlebte. Gewürzt wird anscheinend nur mit Salz. Wenn wir nach Pfeffer fragen, erhalten wir nur einen unverständigen Blick. Die Zitronenhälfte ist trocken. Wie gut, dass wir keine Restaurantester sind. Wir entschließen uns: Das können wir besser und konzentrieren uns lieber auf eigenes Kochen und Grillen.
Coyhaique, der angeblich wirklich letzte große Ort bevor es in die Wildnis geht. Noch einmal Großeinkauf bei Unimart. Leider hat der Markt nicht mit uns gerechnet, denn die Auswahl an frischen Produkten ist, wie auch in den kleinen Märkten zuvor, sehr übersichtlich. Aber es gibt Müsli – teuer und nicht unbedingt unser Geschmack, aber nun gut, wir können ja nicht auf alles verzichten. Kaffee ist noch teurer. Aber da Uwe eh unter permanenten Koffeinentzug leidet, kaufen wir trotzdem eine Großpackung. Abends fahren wir noch aus der Stadt raus und übernachten zugegebenermaßen an einem nicht wirklich romantischen Ort. Eher eine Abfahrt von einer kleinen Zubringerstrasse, doch wir hoffen hier ungestört schlafen zu können. Die diversen Überreste von toten Kaninchen wundern uns zwar, doch wir wollen die Tragödien, die sich hier vielleicht abgespielt hat, gar nicht weiter hinterfragen. Es wird dunkel und wir sind bettfertig, als neben uns ein Auto einbiegt und sich unter einen Baum versteckt. Es steigen ein Mann und eine Frau vorne aus und steigen hinten wieder ein. Im Folgenden dürfen wir nicht nur die muhenden Kühe in der Ferne hören, sondern auch dem Wirken der beiden Übernachtungsgäste. Auch weitere Autos versuchen sich nachts auf diesem Parkplatz und sind offensichtlich durch unsere Anwesenheit gestört.
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…und zuletzt noch einmal zurück zu einem meiner Lieblingsthemen – die Strasse:P1030889
Während bei uns in Deutschland die Fahrbahn i.d.R. in sich gerade ist, gleicht hier die ungeteerte Strasse (und davon erleben wir gerade sehr viele) oft eher einem umgedrehten v. Nur in der Mitte der Strasse kann man halbwegs gerade fahren. Rechts und links liegen Mengen an leicht aufgeschüttetem Schotter. Kommt man zu weit nach rechts oder links, ist man zum Einem in einer unglaublichen Schräglage und zum anderen fährt man wie durch weichen Sand und hat keinerlei Kontrolle mehr. Gerne werden diese Seitenränder auch noch durch sog. Pottholes gewürzt – tiefe, natürlich nicht markierte Löcher, die der Regen ausgewaschen hat. Dies führt in Summe jedoch dazu, dass in der begehrten Mitte der Strasse viel Verkehr ist und somit auch Schlagloch an Schlagloch oder „Wellblech“ zu finden ist. Wie Uwe hier die Übersicht behält – für mich ein kleines Wunder. Hektor schaukelt durch die Landschaft und hält sich gemeinsam mit mir tapfer. Auch wenn an dem Griff über der Beifahrertür bereits -wie erwähnt – kleine Abnutzungserscheinungen zu finden sind. Die Strassenbauer hier haben aber auch wirklich dafür gesorgt, dass Autofahren niemals langweilig wird: Immer dann, wenn es über eine Brücke geht oder besonders steil wird, wird es einspurig – natürlich ohne jegliche Vorfahrtregelung. Dies ist wohl bei der Menge an Verkehr nicht notwendig. So kann es öfter mal passieren, dass wir mitten auf dem Highway ein Zeichen erhalten, dass die nächsten z.B. 1,3 km nur einspurig zu befahren sind. Man fährt dann weiter und hat keine Ahnung, wie genau ein Ausweichen möglich wird, wenn ein größeres Fahrzeug entgegenkommt. Bisher ist alles gut gegangen.
Wir sind zwischenzeitlich bereits fast 2 Monate am Reisen und vielleicht ist dies ein guter Zeitpunkt einmal inne zu halten und zum Ausdruck zu bringen, dass wir dankbar sind.  Dankbar, dass wir gemeinsam gesund und munter diese Reise und all diese Erfahrungen erleben und teilen dürfen. Dankbar, dass wir Familie, Freunde und eine sichere Arbeitsstelle zu Hause wissen. All das ermöglicht uns erst dieses Reiseabenteuer. Familie und Freunde sind so wichtig für uns ! Das ist unsere Homebase, die wir vermissen und auf deren Wiedersehen wir uns bereits jetzt ganz schrecklich freuen.
„It is the journey, not the destination“.
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Reise 1 Teil 8: Runtergekommen in Chile; Carretera Austral; der hängende Gletscher im Parque Nacional Quellat; Fasching; Bimobil-Treffen

Nachdem wir noch einmal auf einem wunderbaren Campingplatz an der Argentinischen/Chilenischen Grenze übernachtet und dort tatsächlich Hannoveraner und einen Camper mit eingebauter Waschmaschine, Trockner u. Geschirrspülmaschine getroffen haben, sind wir am Montag den 12.02.2018 frohen Mutes zu dem absolut kleinem Grenzübergang bei Futaleufu gefahren. Nach unseren Informationen sollte uns dort eine schnelle und völlig unproblematische Grenzabfertigung erwarten. Wir fahren über eine absolut miese Schotterpiste zur Grenze und …  stehen im Stau. Wir haben die Rechnung ohne den lieben Fasching gemacht. Hier ist zwar niemand verkleidet, aber offenbar will a) am Fasching niemand so richtig arbeiten und b) haben die Argentinier alle den Wunsch, Fasching in Chile zu feiern. Unser Zeitplan kommt mal wieder ganz durcheinander. In der Reihe stehend treffen wir überraschend Argentinier die Deutsch sprechen oder verstehen und uns bei den endlos erscheinenden Formalitäten helfen. Da Chile unbedingt die Ausbreitung der Maul-und Klauenseuche vermeiden will, darf man fast keine Lebensmittel mitnehmen. Frische Produkte wie Obst und Gemüse sowieso nicht, aber auch getrocknete Tomaten, Fleisch, Milch, Käse etc. wird uns freundlich, aber bestimmt abgenommen. An dieser Stelle trotzdem noch kurz ein Dankeschön an unseren Grenzer, der wirklich sehr nett war und nicht mit allen Augen in unseren Kühlschrank bzw. in alle Schränke hinein gesehen hat.
Letztendlich sind wir nach gut 2 Stunden Grenzaufenthalt in CHILE !! Juchhuu. Die Strasse ist geteert, der erste kleine Ort malerisch. Wir trinken spontan einen Cappuccino für 4,—Euro pro Stück und wundern uns. Aber nicht lange, dann zeigt sich, dass auch hier die Strassen nicht überall geteert sind. Zudem müssen wir feststellen, dass Mutter Natur in Form eines Murenabganges etwas dagegen hat, dass wir in Chile Richtung Norden nach Chaiten weiterfahren. Hier ist absolut kein Durchkommen und wir können uns das geplante Treffen mit den Blauwalen wohl abschminken.
Was soll’s. Also fahren wir bereits jetzt auf der berühmt-berüchtigten Carretera Austral Richtung Süden, dem angeblich absolut wildesten und unberührtetesten Teil von Chile. Die auf uns zukommenden Landschaften sollen zu den faszinierendsen der Erde gehören; wir sind erwartungsvoll. Die Carretera Austral ist das Gegenstück zur argentinischen Routa 40. Die Dörfer entlang der Carretera Austral waren bis vor deren Ausbau isoliert in einer Landschaft von Wäldern, Flüssen und Seen, Bergen und Gletschern. Seit den 70-Jahren und besonders in den letzten Jahren hat sich die Strasse immer weiter in die Wildnis Kilometer um Kilometer in den Süden gefressen. Heute sind bereits viele Abschnitte geteert. Auf dieser Lebensader begegnen einem heute nicht nur unzählige leidende Fahrradfahrer und Horden von Trampern, sondern auch gerne einmal Einheimische, die gemeinsam mit Ihrem Hund, ihre Kühe auf der Strasse entlang treiben. Das haben Sie schon immer so gemacht und nur weil die Autos jetzt mit gerne mind. 70 km/h vorbeifliegen, wird die alte Gewohnheit gepflegt.
Abends soll es mal wieder einen romantischen Platz am Wasser, möglichst wild und kostenlos geben. Also fahren wir 20 km auf einer Schotterpiste in ein Seitental und werden mit tollen Ausblicken auf die umliegenden Berge (zum Teil bereits schneebedeckt) plus Seen und kristallklaren Bächen belohnt. Doch dann geht es nicht weiter. Über den Fluss spannt sich eine Hängebrücke, die wir gewichtstechnisch (max. 5 to) wohl passieren könnten, aber wir passen in der Breite wohl kaum nicht drauf. Ungläubig schauen wir uns noch einmal die Verkehrsschilder und unsere Karte an, aber es hilft alles nichts. Wir campen einfach direkt am Fluss und dem Fuße der Brücke und erfreuen uns an deren Anblick. Letztendlich ein toller Platz.
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Unsere Weiterreise gen Süden soll uns zu dem hängenden Gletscher in der Nähe von Puyuhuapi führen und wir hoffen, im Nationalpark „Parque Nacional Quellat“ nicht nur tolle Wanderungen machen, sondern auch dort kampieren zu können. Doch wie immer, haben wir nicht die Imponderabilien der Carretera Austral eingeplant. Bereits nach gut einer Stunde Fahrzeit stehen wir in einer Schlange. Warum?? Strassenbauarbeiten ! Die Strasse ist total gesperrt und alternativ gibt es eine Fährverbindung. Es fahren 2 Fähren, auf die jeweils ca. 10 Autos passen. Sprich, wir müssen „nur“ noch ca. 5-6 Fähren warten, dann sind wir dran. Gegen 15 Uhr – genau 10 Minuten nachdem ich mir schließlich einen Stuhl mit Buch in die Sonne gestellt hatte, um die vielleicht letzten Strahlen zu geniessen – wird plötzlich die Strasse doch für den Verkehr freigegeben. Auf wirklich abenteuerlichen Wegen werden wir direkt zwischen den Baufahrzeugen hindurch gelotst.
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Also auf in den Nationalpark. Es ist 15 Uhr, also noch ausreichend Zeit für eine kleine Wanderung und häusliches Einrichten. ABER – wir sind nicht alleine. Es ist wie am Timesquare. Mit uns wollen ca. 20 andere Fahrzeuge in den kleinen Park auf der winzigen Schotterpiste und wir alle erfahren nur, dass der Campingplatz bereits überfüllt und geschlossen ist.
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Also laufen wir nur noch kurz zu ein paar Aussichtspunkten, um zumindest einen kleinen Blick auf dieses Naturereignis zu werfen und suchen uns dann gegen 18 Uhr einen kleinen Campingplatz in der Nähe: Geht doch – hier erwischen wir noch einen tollen Platz mit Blick auf den See. Alle Probleme des Tages sind vergessen und wir machen es uns in der bereits untergehenden Sonne am Strand gemütlich. Doch was ist das ? Ein lautes Ungestüm kommt die steile Zuwegung hinunter und aus dem Bus springen 21 Leute. Der Bus hält freundlicher Weise ca. 50 cm vor unserem Auto, damit den Damen und Herren das Ausladen ihrer diversen Utensilien erleichtert wird. Fassungslos stehen wir vor unserem Auto und können es nicht glauben. Wildnis in Chile ?? Hier gibt es nur wilde Touristen. Wir beschließen, ab sofort gibt es für uns möglichst „wilde Campingplätze“.
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Unser erster Eindruck von Chile ist trotz all dieser kleinen Probleme wirklich unglaublich schön. So farbenfroh und leuchtend. Doch wir können es kaum glauben. Unser Höhenmeter zeigt an, dass wir uns in einer Höhe um 50-100 Meter befinden und dennoch sehen wir auf den nahen Bergen überall Schneefelder. Diese haben wir nicht in Mendoza auf einer Höhe von fast 3.000 Meter und auch nicht in El Tromen auf ca. 2.000 m Höhe gesehen. Diesem Phänomen müssen wir unbedingt noch auf den Grund gehen, doch Internet ist hier noch weniger vorhanden als in Argentinien.
Sprich, wir sind in der Höhe runtergekommen. Aber nicht nur in der Höhe. Wir sind zwischenzeitlich viel entspannter. Die Suche nach dem abendlichen Schlafplatz beginnt immer später am Tag, denn wir wissen – irgendwo werden wir schon ein Plätzchen finden. Runtergekommen sind wir auch mit dem Finger auf der Landkarte. Tatsächlich haben wir bereits das letzte Drittel unserer Chile-Landkarte erreicht. Runtergekommen sind wir leider auch in Bezug auf unsere Voräte an Süßem. Wir leiden ein wenig unter „Haribo“- und Schoko-Entzug. Obwohl wir 3 Pakete Haribo und 6 Tafeln Schokolade ins Land „geschmuggelt“ haben, müssen wir dringend im nächsten Supermarkt etwas für den kleinen Heißhunger einkaufen.
Dies führt mich unweigerlich zu einem ganz anderen tollem Thema:  Fleisch einkaufen in einem typischen, kleinen chilenischen Supermarkt. Man steht vor einer Gefriertruhe, in der auf der einen Seite in Plastik gehülltes, diverse Rindfleisch liegt und auf der anderen Seite Hähnchenschenkel völlig umeingepackt liegen. Salmonellengefahr gibt es offensichtlich hier nicht. Jeder sucht sich natürlich mit bloßen Händen den Schenkel aus, der ihm am Besten gefällt. Keiner weiß, welcher Schenkel bereits wie lange dort gelegen hat, geschweige denn woher er kommt. Aber bislang ist uns alles super bekommen und hat auch geschmeckt. Also, so what…
Am nächsten Morgen ist es Grau in Grau bei 10 Grad. Hannover-Wetter. Wir haben mal wieder einen befestigten Teil der Carretera  Austral verlassen und können heute nicht glauben, dass diese Schlaglochwüste auch Traumstraße genannt wird. Mit max. 30 km/h kriechen wir Richtung Süden, als wir auf der anderen Seite auch ein Wohnmobil bemerken, welches unserem Hektor irgendwie ähnlich sieht. Als wir beide auf gleicher Höhe sind halten beide Fahrzeuge an, und tatsächlich handelt es sich um bei unserem Gegenüber auch um ein Bimobil. Es wird nicht lange gezögert und schon sitzen wir zuerst in unserem zugegebener Massen nicht ganz so grossen und dann bei Christin und Thomas deutlich größerem Bimobil bei Tee und guter Laune zusammen. Es ist, als wenn man alte Freunde trifft und wir haben uns ja soviel zu erzählen. Wir als Beginner erhalten von den beiden „alten Hasen“ tolle Tips, die sogleich auf der Karte notiert werden. Wir hoffen sehr, dass wir die Beiden noch häufiger sehen werden – aller spätestens bei uns in Hannover – die Einladung steht und wir wünschen ihnen noch eine tolle Zeit hier in Südamerika.
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Als wir uns am späten Nachmittag trennen, meint Thomas noch locker – naja, die nächsten 12 km sind durchaus anspruchsvoll. Ihr müßt den steilen Pass hinauf (ungeteert und bei Regen) mit engen Kehren, die zudem mit Querrillen und Steinen gespickt sind. Noch wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht was uns erwartet: Wir haben es natürlich überlebt und es war eine sehr sehr schöne Tour durch eine grandiose Landschaft, dem nass-kalten Regenwald, welcher gerade unter diesen Umständen sein wahres Gesicht zeigt. So üppig grün, tropfnass, immer wieder unterbrochen durch die farbenfrohen Blumen am Wegesrand, gekrönt mit schneebedeckten Bergen, reissenden Wasserfällen, schäumende Flüssen. Irgendwie mystisch. Riesige Bäume von Moos überzogen, tropfend im Wind. Alles in allem – Wildnis, da ist sie – genau so haben wir es gewollt. Doch meine Nerven ! Ich war so froh, als wir es endlich geschafft hatten und glaubt mir, es gehört schon was dazu, wenn man vor den Kehren steht und zunächst diskutiert, wie man diese am Besten anfährt, sodass das Auto voraussichtlich nicht umkippen wird. Achja, Gegenverkehr gibt es natürlich auch. Das war ein erstes Teilstück der Carretera Austral, den wir bestimmt nicht vergessen werden.
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“ Do not stop to explore your limits“