Reise 2 Teil 26: Farmleben; der Aconcagua; Reunion in Maipu; Gartenzwerge in Argentinien

Bevor wir uns wieder nach Argentinien aufmachen, wollen wir noch die 2 Voluntäre treffen, welche wir Anfang des Jahres bei Luzie in Uruguay getroffen haben. Diese Beiden haben zwischenzeitlich eine ca. 3.000 qm große Farm incl. 8 Pferde, 4 Hunde, 3 Katzen und div. Gänsen und Hühnern übernommen. Der Inhaber, ein Deutscher, hat aus persönlichen Gründen vor ca. 7 Monaten das Gelände einer 20-jährigen dänischen Voluntärin alleine in die Verantwortung gegeben, wofür Sie sich im Gegenzug für 2 Jahre verpflichtet hat, vor Ort zu bleiben. Die Belohnung war auch ein Hundebaby. 4 Monate später wurden die uns bekannten Voluntäre als „Manager“ engagiert – Gehalt: 100 USD pro Monat plus 40 Dollar für Essen pro Monat. Weiterhin sind noch 2 weitere 18-jährige deutsche Mädels vor Ort, welche sich gerne möglichst nur um die Pferde kümmern würden. Das Gelände ist -nach europäischen Standards- in einem desolaten Zustand und zunächst glauben wir nicht, dass wir die Einfahrt überhaupt mit unserem Wagen hochkommen. Überall liegen Pferdeäpfel und Gänseköttel etc. herum und wir lassen uns belehren, dass dies auch so bleiben soll, um die Erde zu düngen. OK !?, ist aber trotzdem irgendwie unangenehm, permanent in irgendetwas hinein zu treten. Die Stimmung ist zwischen den Voluntären spannungsgeladen und wir halten uns soweit wie möglich von der Truppe entfernt. Wir kochen und essen einmal zusammen und Uwe macht einen schönen Geländeausritt mit – doch das soll es auch sein. Nach 3 Tagen verlassen wir diesen heißen Flecken Erde und brechen auf Richtung Argentinien.

Die Anden queren wir diesmal über den wohl bekanntesten und frequentiertesten Pass zwischen den beiden Ländern, welcher auf einer Höhe von 3.000 m liegt -Paso de Redentor-. Steil geht es auf der chilenischen Seite vom Pazifikniveau in über zwei Dutzend Spitzkehren hoch und belohnt werden wir dann mit einem Stellplatz mit direktem Blick auf den schneebedeckten höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua mit einer Höhe von nahezu 7.000 Meter. Nach einer unruhigen Nacht (wir können uns einfach nicht daran gewöhnen, in der Höhe zu schlafen) wandern (wandeln) wir ein wenig auf den Spuren von Reinhold Messner und erfreuen uns an der Tatsache, dass wir den Berg und seine Spitze tatsächlich klar sehen. Denn dies ist keineswegs selbstverständlich und wir erinnern uns noch an unsere schlechten Erfahrungen mit dem „schüchternen“ Kilimandscharo, der sich vor uns leider  immer in den Wolken versteckte.

Doch dann müssen wir auch schon weiter, da wir eine Verabredung mit Bille und Thomas in Maipu – dem Weinort – haben. Wir wollen noch einmal gemeinsam eine Bodega unsicher machen, Billes Geburtstag nachfeiern und überhaupt noch Zeit gemeinsam verbringen, bevor sich unsere Wege dann doch für längere Zeit trennen. Pünktlich wie deutsche Maurer erreichen wir die Bodega Mevi – die wir leider gar nicht mehr weiter empfehlen können und haben die nächsten Tage gemeinsam viel Spaß.

Leider können wir irgendwann nicht mehr die Tatsache leugnen, dass wir in Richtung Osten den Kontinent queren müssen, um in 14 Tagen dann in Buenos Aires in den Fliegen gen Heimat zu steigen, nachdem wir Hektor für seinen „Winter/Sommer-Ruheplatz“ in Uruguay fit gemacht haben.

Bevor wir dies tun, tummeln wir uns noch ein wenig in den Cordolieren um Cordoba. Wir wandern einen ganzen Tag und sehen Kondoren bei den ersten Flugversuchen zu, besuchen die wohl deutscheste Stadt Argentiniens inkl. Oktoberfest und überhaupt wundern wir uns mal wieder, wie unglaublich vielseitig dieses Land ist. Hier, rund um Cordoba, ist alles saftig grün, die Wohnverhältnisse entsprechen deutschen Vorstädten (mit Gartenzwergen im Vorgarten) und überhaupt erinnert uns viel an das Alpenvorland. Nicht unbedingt etwas, weswegen Deutsche nach Argentinien reisen würden, was aber für Argentinier offensichtlich einen großen Reiz ausübt, denn hier ist die drittgrößte Urlaubsregion Argentiniens. Doch auch diese müssen wir irgendwann verlassen und uns auf staubige Strassen begeben zwecks langer Fahrt zu Silvia und Heinz in Uruguay.

Nach fast 3 Monaten reicht es uns jetzt auch mal wieder. Zu Hause ist Vor-Weihnachtsstimmung – mit Weihnachtsmarkt und Co. – und auch wenn wir unseren Hektor ein wenig schmücken, mir fehlt etwas. Die richtige Stimmung will bei 25 Grad und Sonnenschein einfach nicht aufkommen. Die mit Plastik-Weihnachtsbäumen geschmückten Geschäfte sehen unnatürlich aus – und : Wir waren in 2018 jetzt fast 7 Monate in Südamerika unterwegs und haben wunderbare Erlebnisse geteilt und wunderschöne Landschaften besucht; nun ist die Zeit wieder reif, Familienleben zu geniessen, mit Freunden zu lachen und zu weinen, Sport zu treiben und all die anderen Sachen zu tun, die wir uns vorgenommen haben. Auch das Wetter will nicht mehr so richtig mitspielen. Es regnet immer mal wieder und somit wird der Abschied endgültig eingeläutet. Wenn wir jetzt Hektor abstellen werden, werden wir ca. weitere 10.000 km durch Südamerika gefahren sein und in den 3 Monaten -mit Ausnahme von 7 Übernachtungen- immer in der freien Natur übernachtet haben. Wir sind glücklich und zufrieden mit unserer Entscheidung, unsere Weltreise mit Hektor hier in Südamerika begonnen zu haben.

Und wie geht es weiter? :  Hektor bleibt in Uruguay und nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Wir haben schon jetzt den nächsten Trip -Richtung Brasilien- im Kopf und werden sicherlich bald mit der Detailplanung beginnen.

Reise 2 Teil 18: Kontinent-Durchquerung

Von BA fahren wir mit der Fähre nach Colonia del Sacramento

und dann mit dem Bus weiter über Montevideo zum Camping- und Stellplatz Paraiso Suizo und sind so nach ca. 10 weiteren Stunden endlich wieder mit Hektor vereint.

Unser Campingplatz-Herbergsvater Heinz hat Hektor schon aus seinem Winterlager herausgeholt und siehe da, es ist als sei man gar nicht weg gewesen. Hektor ist sauber, springt sofort an 🙂 :).

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. 110 Kilo an die richtigen Stelle zu verstauen. Doch dann ist es endlich geschafft und wir sind wieder auf Tour. Unser erstes Ziel ist San Rafael – auf der anderen Seite von Argentinien. Einmal quer durch den Kontinent.

Auf gar keinen Fall wollen wir wieder über Rosario fahren, so dass wir uns eine neue Route überlegt haben. Die Nationalstrasse No. „7“ soll uns ans Ziel bringen. 3 Tage fahren wir fast ausschließlich geradeaus. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Strassenwahl. Kaum Verkehr, viel flache Landschaft und noch mehr Rinder. Was will man mehr. Als wir uns schon fast am Ziel wähnen, müssen wir ein neues Wort lernen „clausurado”. Meint geschlossen. Und ohne weitere Vorwarnung ist die Strasse plötzlich nicht mehr befahrbar. Ein wirklich riesiges Seengebiet muss umfahren werden.

Dank maps.me können Hektor und Uwe gleich mal wieder zeigen, was in Ihnen steckt. Das Resultat: 3 Stunden Umweg, Hektor sieht wieder aus wie Sau und ich habe die ersten Nerven gelassen. Der Umweg führte uns natürlich wieder über naturbelassene Pisten, in denen uns selbstverständlich LKWs entgegenkommen, was insofern problematisch ist, da meist nur eine Spur befahrbar ist. Irgendwie hatte ich diesen Aspekt unserer Reise schon ein wenig vergessen.

Im übrigen fällt uns auf, dass uns gar nicht mehr so viel auffällt. Wir haben uns schon so an die Zäune, den Staub, den Wind, halt an Argentinien gewöhnt, dass wir gar nicht wissen, was wir in unserem Blog noch neues schreiben können.

Wie gut, dass wir jetzt 14 Tage als sogenannte “Vollies” in einem deutschen Restaurant in San Rafael arbeiten. Dazu hoffentlich demnächst mehr.

P.S.: noch ein paar Fotos von BA

Reise 1 Teil 16: Atlantik; Punta del Este; Colonia del Sacramento; Carillo

Seitdem wir Ushuaia verlassen haben (12.03.2018) übernachten wir fast ausschließlich direkt am Atlantik, img_6577will heissen bei Flut ist dieser nur wenige Meter entfernt. Jede Nacht schlafen wir mit den so abwechslungsreichen Geräuschen dieses Ozeans img_6576ein. Welch ein Luxus. Manchmal hören wir sanftes Plätschern und viel öfter zeigt er sich wild und  kraftvoll. Brüllend und tosend klatschen die Wellen an den Strand. Life is so much better at the Sea!img_6574
Apropos Luxus: Nachdem wir ca. 13.000 km in und mit Hektor unterwegs waren, verbringen wir die letzten drei Tage vor unserem Abflug in Punta del Este img_6593in einem supermodernen Appartement. Jetzt um diese Zeit stehen die großen Appartementhäuser fast alle leer und man kann diese sehr günstig mieten. Und hier haben wir tatsächlich den Luxus zweier Regenwaldduschen!!! Oh, wie schön entspannend kann duschen mit gaaaanz viel heißem Wasser sein. Luxus wird neu definiert!
Ansonsten haben wir die letzten Wochen damit verbracht, uns die argentinischen Ferienorte img_6573am Atlantik anzusehen. Hier, wo viele der 13 Mio. Menschen aus Buenos Aires in den drei Sommermonaten img_6578die meiste Zeit verbringen. Ganz img_6564unterschiedliche kleine img_6565und große Ortschaften haben wir dabei gesehen. Doch alle haben eins gemeinsam – wunderbare, breite Sandstrände img_6581auf denen selbstverständlich Auto gefahren wird und auch jetzt im April sonntags immer noch viel los ist.img_6580
Besonders der kleine Ort Carillo ist uns in Erinnerung. Alle Strassen aus Sand; die Häuser im Pinienwald integriert; Parkanlagen gleich ist hier ein Haus img_6572schöner als das andere img_6571und wir lesen später, dass hier die Fussballspieler und Stars absteigen. Kein Wunder. Nur der Gärtner img_6568mit seinem etwas in die Tage gekommenen Auto passt nicht ganz ins Bild.img_6570
Nach dem völlig problemlosen Grenzübergang Argentinien/Uruguay (an dem man uns weder Fleisch noch sonst etwas abgenommen hat) fahren wir zu dem kleinen Ort Colonia de Sacramento – Weltkulturerbe. img_6599Nun gut. img_6595Der Ort bietet Reste einer Stadtmauer, Ausgrabungen, einen schönen alten Platz  mit großartigen Bäumen, img_6598alte Häuser aus 1762 img_6596und es gibt ein paar nette Restaurants für Touristen. Vielleicht sind wir ja doch von Europa verwöhnt und Kulturbanausen – aber so richtig können wir uns nicht begeistern.img_6597
Das gleiche gilt auch für den Parque de Luro, welcher uns einen 500 km-Abstecher gekostet hat. Wir sind direkt in die Provinz Pampa hineingefahren, um diesen Park zu besuchen, denn dieser wurde angekündigt mit den Worten „packed with animals“. img_6591Insbesondere kann man hier den seltenen Pampahirschen img_6585und Pumas sehen. Da wir ja noch nicht soooo viele Tiere img_6588gesehen haben, img_6567-1fahren wir dort hin. img_6589Übernachten darf man nicht im Park, der Campingplatz hat zu. img_6590Geöffnet hat der Park nur von 9.00 – 18.00 Uhr, sprich wenn die Hirsche aus dem dichten Wald herauskommen, müssen wir das Gelände verlassen. IMG_6345Alles nicht so ganz optimal. Tatsächlich haben wir dann schon einige Tiere gesehen, aber „packed“ – darunter verstehen wir dann doch etwas anderes.IMG_6338
Also übernachten wir im nächsten Ort an einem Feldweg, P1080431weit abseits der Dorfstrassen. Und siehe da, dies bleibt nicht unbemerkt. Gegen 1 Uhr nachts klopft es an unserer Tür. Bevor ich überhaupt denken kann, öffnet Uwe die Tür und steht zwei Polizisten gegenüber. Diese wollen unsere Dokumente sehen. Leider sprechen wir ja kein Spanisch. Also versucht Uwe ihnen zu verstehen zu geben, dass wir schlafen und die Polizei doch bitte morgen wiederkommen möge „documenti manana por favor“. Wer hätte das gedacht – es funktioniert. Die Polizei fährt und wir schlafen weiter. Am nächsten morgen kommt natürlich niemand mehr.
Zum Thema Polizei, vielleicht auch noch zwei Sätze: Bei jeder Einfahrt in einen Ort oder eine Provinz muß man eine Polizeikontrolle passieren. Meistens lassen Sie uns ohne Beachtung durchfahren. Aber je weiter wir in den Norden kommen, desto intensiver werden die Kontrollen. Unsere Personalien wurden bereits mehrfach in irgendwelche Listen auf Klemmbrettern erfasst. Warum ist uns absolut schleierhaft, aber nun gut. Im Übrigen spricht selbstverständlich keiner dieser Polizisten ein Wort Englisch, aber Sie sind in der Regel äußerst höflich und freundlich. Wir können uns diesbezüglich nicht beschweren. Irgendjemand hat uns erzählt, dass die Polizei auf diese Weise versucht, das Drogenproblem zu bekämpfen, welches insbesondere aus den nördlichen Ländern nach Argentinien gespült wird.
Niemand hat uns davor gewarnt, wie die Tage auf so einer Reise nur dahin fliegen. Ein Freund von einem Freund sagte einmal: „Aufstehen, Ölstand prüfen und schon ist der Tag rum“. und genauso ist es. Kaum hat man gefrühstückt, eingepackt und verstaut, eingekauft, Wasser getankt und ist ein paar Kilometer gefahren, schon ist der Tag herum. Stress, was ist das? Wir sind wirklich tiefenentspannt und sind gespannt, ob wir wieder in den Arbeitstrott zurück finden.
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So zum Schluß noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an den Wettergott, der uns mit bestem Wetter die 4 Monate versorgt hat und all die Personen die unsere Reise bereichert haben und die uns diese Reise mit ermöglicht haben. Danke auch an die motivierenden Worte zu unserem Blog, es hat auch uns Spaß gemacht von unserer Reise zu berichten. Wir werden dies sicherlich auch bei unserem nächsten Trip wiederholen.
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Und gaaaaanz zum Schluß wie immer ein Spruch – Danke liebe Sabiha und Albert Einstein:
„Auf Veränderungen zu hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten“. img_6373Auf ein Schiff haben Uwe und ich lange genug gewartet. Bei uns ist Hektor vorbeigekommen und wir sind froh, diese Chance ergriffen zu haben. Doch auch wenn wir uns schon ein ganz klein wenig auf die nächste Reise freuen, jetzt wollen wir erst einmal unsere Lieben daheim in die Arme nehmen und unser zu Hause geniessen.img_6594
Doch wir werden die Argentinier und die Chilenen vermissen. Diese so naturverbundenen Menschen, die die Natur ihrer unglaublichen Länder so annehmen und überall da zu finden sind, wo es uns auch gefallen würde. Wir haben offensichtlich den gleichen Geschmack. Wir freuen uns auf viele weitere Zusammentreffen – wie dieses hier mit dem Presidente „Cäsar“.img_6395
Hasta luego …img_6376

Reise 1, Uruguay Teil 3, Cabo Polonia, der Norden, Valle del Lunajero, Abschied von Montevideo

 Die letzten Tage waren heiß, staubig, hektisch und geprägt von Plänen, die innerhalb kurzer Zeit wieder umgeworfen wurden. Heiss und staubig, weil wir uns unbedingt einen vollständigeren Eindruck von Uruguay gönnen wollten und zum Teil stundenlang über Schotterpisten in den Norden gefahren sind.IMG_4080
Hier herrschen die gleichen Temperaturen wie an der Küste – (tagsüber gerne bis zu 36 Grad) doch es fehlt der guttuende Wind. Im Nachhinein muss man sagen, dass sich dieser Ausflug in den Norden für uns nicht gelohnt hat: Landschaft, Landschaft, Landschaft – trockene Grünflächen mit riesigen Rinderherden – und sonst nichts (nur jede Menge Staub).
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Der Verkehr ist geprägt durch Holzlaster, denn neben der Tierhaltung verdient man mit dem Abholzen der zu diesem Zweck angepflanzten Pinien- und Eukalyptuswälder (diese duften übrigens unglaublich gut).P1020101
Den vollmundigen Ankündigungen unseres Reiseführers folgend, haben wir auch das Valle del Lunajero besucht, in dem man angabegemäss Heerscharen von Nasenbären, Otter etc. (und auch Puma) sehen können sollte. Wir haben ausser Rindern, Pferden und Mücken die Denguefieber übertragen können und die allgegenwärtigen Geier nicht wirklich viel gesehen.
Als wir realisierten, dass unser Schiff (MS Grande Brasile) IMG_4168nun tatsächlich am 18.01.2018 in Montevideo eintrifft, sind wir kurzentschlossen wieder 5 Stunden zurück in den Süden gefahren, um dort nun endlich unseren Hektor „in die Arme zu schließen“. Dank Eduardo, unserem bezahlten Mann für alle Fälle, verlief diese Übergabe erstaunlich einfach und schnell, so dass wir nun ein vollständiges, heiles Wohnmobil in Südamerika haben und das Abenteuer so richtig beginnen kann. Darüber bald mehr.
…..und bevor wir uns jetzt über die Grenze nach Argentinien schwingen, hier noch ein paar Statements zu Uruguay:
  • Das „Dorf“ Cabo Polonia sollte nicht unerwähnt bleiben. In den Dünen liegend; nur mit riesigen Uralt-LKWs zu erreichend; ohne Anschluß zu fliessend Wasser oder Strom; der angeblich teuerste Ort Uruguays – hier wohnen die Hippies, die Aussteiger und jede Menge Seelöwen. In dem tosenden Wasser können wir Ihr Geschick fast hautnah beobachten. Die riesigen Männchen mit der Mähne verteidigen lautstark ihr Revier; einfach nur beeindruckend. Genau so etwas möchte ich sehen. Hier könnte ich den ganzen Tag verbringen.fullsizeoutput_2481

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  • Der LKW Markt wird von der Marke VW beherrscht – für uns völlig überraschend, dass Logo an einem Truck zu sehen;

 

  • Dank AirbnB haben wir auch in der Hauptsaison wunderbare, preiswerte Unterkünfte gefunden und uns insgesamt, mit Ausnahme der Hafenregion in Montevideo, überall ausgesprochen sicher gefühlt. Da früher in Uruguay -im Gegensatz zu Brasilien- nur wenig Sklavenhandel betrieben wurde und die Bevölkerung damit kaum afrikanischen Wurzeln entspringt, fallen wir hier nicht auf. Wir sind nicht die „Fremden“ – auch das trägt zum Wohlfühlen bei.

 

  • Zu Uruguay gehört das permanente Mate-Tee-Trinken (einschließlich des permanenten Transportes einer Thermoskanne, der speziellen oft aus Kürbis gefertigten Teetasse und eines speziellen metallenen Strohhalms) und das Asado (Grillfest) möglichst im Kreise der ganzen Grossfamilie. Wir hatten das Vergnügen an einem Samstag Abend auf einem Campingplatz dies hautnah zu erleben. Ab ca. 21 Uhr fangen die Väter an, die Feuer vorzubereiten, um dann ab 22- 23 Uhr Unmengen an Fleisch auf die Holzkohlegrills zu legen. IMG_4232IMG_4230Begleitet wird dies durch Musik – und zwar hat jede Großfamilie Ihre eigene Lieblingsmusik – und jeder möchte seine hören, was dazu führt, dass eine unglaubliche Kakophonie an Rhythmen über den Platz dröhnt. Uns gegenüber stand offensichtlich der Platzhirsch – seine Boxen hatten so einen Wumms, dass bei uns noch alles vibrierte. Unser Versuch, mit Helene Fischer etwas deutsche Kultur beizufügen, scheiterte trotz guter Box vollständig. Schlaf- leider nein.

 

  • Ohne Googlemaps/ Mapsme wären wir aufgeschmissen. Selbst mit diesen Hilfsmitteln verfahren wir uns. Hinweisschilder, Strassenschilder haben Seltenheitswert. Besonders aufregend wird es, wenn uns diese Systeme direkt in die Townships führen (um den kürzesten Weg ins Ziel zu beschreiben), wir die Autos von innen verschließen müssen und nur hoffen, möglichst schnell wieder eine geteerte, größere Strasse zu finden, ohne unter den herunterhängenden Leitungen hängen zu bleiben.

 

  • Uruguay hat sich entschieden, als Agrarland aufzutreten und dennoch ein „Ich-hole-Touristen-ins-Land“-Programm aufgelegt, wonach uns beim Bezahlen von Restaurantrechnungen mit Kreditkarte uns die Mehrwertsteuer erstattet wird. Muss man wissen, ist dann aber eine interessante Einsparquelle.
Last but not least wollte ich noch auf die unglaubliche Tierwelt (insbesondere Vogelvielfalt)
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fullsizeoutput_24c0P1020122und den Ombu-Baum hinweisen. Wunderbar, großbewachsene Bäume – ein Landessymbol von Uruguay.
„Wikipedia:

Die Zweihäusige Kermesbeere wächst als immergrüner Baum, der Wuchshöhen von 12 bis 25 Metern erreicht, der Umfang der schirmähnlichen Baumkrone kann von 12 bis 15 Meter betragen. Die Zweihäusige Kermesbeere wächst schnell, aber – wie bei tropischen Bäumen üblich – ohne Jahresringe. Der Stamm ist weich genug, um ihn mit einem Messer durchzuschneiden. Die hellgraue Borke wird im Alter rissig.

Da der Saft der Pflanze giftig ist, wird sie von Pflanzenfressern gemieden. Darüber hinaus ist die Zweihäusige Kermesbeere gegen Heuschrecken und andere Plagen immun.“

IMG_3889Als wir lernen durften, dass es sich bei diesen Riesen tatsächlich um Gräser handelt, waren wir leidlich erstaunt.

In Summe hatten wir hier in Uruguay eine tolle Zeit. Doch bisher war es Urlaub, jetzt beginnt der Spaß. Auf nach Argentinien…….

Reise 1, Uruguay Teil 2, Rocha, Caballos de Luz-Reiten in Uruguay

Reiten in Uruguay – Caballos de Luzfullsizeoutput_242e
Wir haben wirklich drei unglaubliche Tage in der Nähe von Rocha verbracht und haben dabei nicht nur Uruguay von einer neuen Seite, sondern auch eine andere Art der Lebensführung kennengelernt. Ich weiss noch immer nicht, ob ich die Erfahrung als positiv oder negativ einschätzen soll. Eines ist aber sicher – diese drei Tage werde ich so schnell nicht vergessen. Warum?
Luzie:
die Pferde-Närrin aus Montafon hat vor 11 Jahren gemeinsam mit Ihrem Mann Santi und 12 anderen Parteien ein riesiges Areal im No-Where-Land gekauft, um dort mit Touristen Pferdetouren zu unternehmen.P1010638
Tatsächlich haben die Beiden am Anfang vor dem absoluten Nichts in der Pampa gestanden – keine Elektrizität, kein Wasser (nur ein Fluss in der Nähe),
P1010650kein Baumaterial – nichts und daraus haben Sie in mühseliger Handarbeit ein rustikales Gelände geschaffen. Statt rustikal könnte man auch primitiv sagen.
Unsere Unterkunft war vor unserem Eintreffen zusammengebrochen und man hat noch 20 Minuten bevor wir eintrudelten an der neuen Unterkunft gebaut. Alles ist offen; die Tür nicht schließend – steht eh immer offen; Trinkwasser wird in alten Weinflaschen zur Verfügung gestellt;
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Toilette ist im Extrahäuschen und wird mit Sägemehl bedient; zum Frühstück gibt es ein Tablett mit Obst und Butter und Käse und mit einer Frischhaltetüte, in der Milch und Joghurt ist; alles sehr lecker!
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überall ist Staub; es gibt nur einen Kühlschrank und der ist im Haupthaus; Baden/Duschen bitte im nächstgelegenen See.
P1010600Einfach aber akzeptabel !? Grenzwärtig.
Dennoch, unsere Wirtin strahlt soviel Zufriedenheit und positive Energie aus – in all dem Chaos -, man merkt, dass es für Sie genau der richtige Weg war und ist, hier zu leben. Man möchte helfen, Ihr Arbeit abnehmen, denn die Menge der Aufgaben sind schier unendlich.
12 Pferde, 3 Katzen und 2 Hunde sowie zwei Volunteers leben derzeit mit Luzie und Santi vor Ort. Hier hätte jeder Winnetou Film gedreht werden können. Es gibt eine scheinbar unendliche Landschaft mit sanften Hügeln über denen seit dem Morgen die Geier Ihre Kreise ziehen.
Von unserer kleinen Terrasse aus sehen wir abends einen Sternenhimmel, den ich mit meinen Worten nicht beschreiben kann. Nur soviel – es wird einem deutlich, wie unbedeutend man im Weltall ist.
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Abends kommen Walter, das Gürteltier oder Claudia der Skunk (oder umgekehrt) heraus und schauen auch einmal nach, was so in der Küche passiert. Vor unserem Haus liegt in der Sonne ein ca. 1 1/2 Meter langer Leguan und zeigt an, dass dieser Platz offensichtlich seiner ist. In dem nahen Teich wohnt eine Nutria-Familie (Biberratte), welche wir abends bei Ihren üppigen Mahlzeiten beobachten dürfen.
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Ausritte / die Pferde:
Mit Uwe ging die Luzie ab; Querfeldein, Berg auf, Berg ab, Galopp, durch Flüsse, Pferdewiesen manchmal Kühe treibend – das ist Westernreiten. Die Pferde extrem trittsicher, vertrauenserweckend – man sieht wieviel Liebe und Pflege in Ihnen steckt. Auch für mich als nicht Pferde-Frau wird der Wunsch geweckt (und befriedigt) die Pferde zu striegeln, zu füttern, zu reiten, etc. Wir können das Leben der Gauchos nachempfinden.
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Utopia – gibt es auch hier nicht:
Luzie erzählt uns, dass die ursprüngliche Idee der 13 Parteien, dieses Land als freie Kommune zu führen, gescheitert ist. Zunächst gab es nur drei Regeln: alles Bio; alles Vegetarisch; 10% aller Einnahmen gehen in die Gemeinschaft, um gemeinsame Projekte zu finanzieren. Viele dieser Projekte sind nach 11 Jahren aber gescheitert – die Schule für die Kinder steht leer; das Gemeinschaftshaus wird meist nur noch für die Versammlungen genutzt; die gemeinsame Wasserversorgung funktioniert nur manchmal, so dass sich jeder ein eigenes Versorgungssystem angeschafft hat; einige Parteien möchten deutlich mehr Häuser in der Region bauen lassen (bis zu max. 50), andere wollen die ursprüngliche Größe beibehalten. Es gab so viele Streitpunkte, dass man bereits seit zwei Jahren keine Versammlung einberufen hat und jeder macht mehr oder weniger, was er will. Die Notwendigkeit, weitere Regeln aufzustellen ist erkannt, kann aber aufgrund der vielfältigen Interessen nicht vollzogen werden.
… und was ist uns sonst noch aufgefallen / gibt es sonst noch zu berichten:
  • Wie schwer es ist Häuser zu bauen, wenn keine Ziegel, kein Baumaterial vorhanden ist. Hier werden Flaschen und Reifen in die Lehmwände eingebaut, um Stabilität zu erhalten;P1010641P1010642
  • Was tun, wenn das Toilettenhäuschen von einem Bienenschwarm und danach von einer Monster-Spinne besetzt wird ?;
  • Wie geht es dem kleinen Salamander, der im Schlauch sesshaft ist, welches das Wasser aus dem Handwaschbecken nach draußen leitet – steht er auf Seife und Rutschpartien ?P1010735
  • Zoro is still alive – seht selbst;P1010731
  • die Menschen, die wir hier antreffen, haben alle eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen; z.B. die beiden Volunteers – ein Pärchen -sie kommt aus Tasmanien, er aus Brasilien- beide seit 2 Jahren in Südamerika unterwegs. Freie Kost und Logis gegen Arbeitseinsatz. Zuletzt waren Sie monatelang in Kolumbien. Er versucht, sich verzweifelt deutsch beizubringen, indem er deutsche Lieder hört; die Beiden sind zwei Tage für das vegetarische Essen verantwortlich und was Sie mit Ihren 24 Jahren servieren – tja, da können wir noch etwas lernen ;
  • eines abends sitzt ein Pärchen mit uns am Tisch – er kommt aus Australien und Israel, lebte zuletzt in Kalifornien und will in Uruguay eine Farm aufbauen, um Bio-Cannabis anzubauen. Auch ein interessantes Thema :))
  • Santi arbeitet mit zwei Kollegen an der Dorfschule; 18 Kinder im Alter von 3- 11; weil jemand Geld gespendet hat, können die Kinder mit einem Kleinbus von einer Mutter abgeholt und zur Schule transportiert werden – alternativ hätten die Kinder im weit entfernten Rocha im Internat bleiben müssen; der Lohn als Lehrer ist aber viel zu gering, um damit ein Auskommen zu haben.

Kleines Resümee: Luzie als Frau hat mich total beeindruckt. Eine Frau mit Visionen, die bereit ist, für diese Visionen auch kleine Opfer zu bringen (u.a. trägt Sie seit 20 Jahren Dreadlocks, weil „keine Zeit ist zum Friseur zu gehen“). Aber trotz allem, sie sieht gut aus – man sieht Ihr die Lebensfreude und Ihr erfülltes Leben an. Ganz herzlichen Dank, dass wir ein paar Tage ein Teil dieses Lebens sein durften. …und ja, ich bin froh wieder in der Zivilisation zu sein. :))P1010679

Reise 1, Uruguay / Montevideo/ Costa Oceanico Teil 1

IMG_3786Montevideo/ Uruguay Übersicht

Nach einem kurzen Flug (3 Stunden) sind wir in Montevideo gelandet. Es fühlt sich an, als wenn man in Hannover ankommt und nicht in einer Hauptstadt. Alles ist klein und überschaubar. Obwohl wir gleich vom Taxifahrer um ca. 10 Euro übers Ohr gehauen wurden ( Taxameter ist an, aber man fährt die lieben Touris halt entlang der Küste, anstatt den direkten Weg zu nehmen), wissen wir doch zwischenzeitlich, warum Uruguay bei europäischen Einwanderern so hoch in der Gunst steht. Und um es gleich vorweg zu nehmen, wir würden es auch in Erwägung ziehen in dieses wunderbare Land umzusiedeln.
Uruguay:
3,3 Mio. Einwohner, flächenmäßig halb so groß wie Deutschland, keine Naturkatastrophen; lange, warme Sommermonate und kurze Winter ohne Frost; sehr moderne, fortschrittliche und stabile präsidiale Demokratie; Wasserreichtum; 1a- Ärzteversorgung; großartige Küstenlinie; kaum giftige Tiere; Winnetou-Hinterland und agroökonomisches Potential/Exportland; freundliche, hilfsbereite Menschen, alle ihren Mate-Tee schlürfend (ohne Thermoskanne scheinen die Uruguayos sich nicht aus dem Haus zu wagen);IMG_3758
liberale Gesetzgebung (Homo-Ehe seit Jahren anerkannt; Cannabis weitgehend freigegeben); in jedem noch so kleinem Ort gibt es Outdoor-Fitness-Geräte, die von jedermann angenommen werden;
es gibt tatsächlich 1000 und 1 Grund hier herzukommen und zu bleiben. Wer hätte das gedacht. Es ist an vielen Stellen so europäisch, im besten Sinne. Sauber, aufgeräumt- überall ist man bemüht, es „hübsch“ zu machen.
 
Zurück nach Montevideo:
Sicherlich würde niemand gerne in Montevideos Altstadt lange bleiben wollen, denn hier fühlt man sich wie in Little Havanna. Ein paar Töpfe Farbe, ein paar Investitionen könnten Wunder bewirken.  Eine tolle alte Bausubstanz, die leider vor unseren Augen verfällt.
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In der berühmten Markthalle wird uns klar, dass wir in einem „Fleischland“ sind. Auf den Grills liegen Unmengen an Fleisch, die alle auf Abnehmer warten.
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Neben der Altstadt gibt es direkt an der langgezogenen Küstenlinie das moderne Montevideo, wo offensichtlich die Menschen wohnen (75% Prozent der Menschen sollen in Montevideo bzw. küstennah leben; der Rest des Landes ist streckenweise nahezu menschenleer)
Scenic Costa Oceanico Route:
Da sich unser Reisemobil noch immer nicht entschließen kann, zu uns zu kommen, fahren wir mit unserem Mietwagen (einem Gol, da hat jemand offensichtlich das f vergessen) entlang der 660 km langen uruguayischen Küste Richtung Norden, also Richtung Brasilien.  Costa Oceanico – ein kleiner Traum. Der Name ist Programm. Es ist Hochsommer und Urlaubszeit. Somit sind wir ganz offensichtlich nicht die Einzigen mit dem Ziel, uns am Strand bei 38,5 Grad und mehr zu vergnügen. Orte wie Piriapolis
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und Punta de Este sind jedoch hoffnungslos überfüllt.
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Uns sind diese Regionen zu trubelig, so dass wir uns entscheiden in kleineren Orten wie Neptunia
oder in der Nähe von Rocha
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abzusteigen und von dort aus mit dem Auto Ausflüge zu teilweise menschenleeren Strandabschnitten zu machen.
Da wir ja doch Unruhegeister sind, können wir uns nicht vorstellen, die nächsten 1 1/2 Wochen lediglich badend am Strand zu sein. Von daher folgt demnächst Teil 2 – unser Bericht über die 3 besonderen Tage bei Luzie und Ihren Pferden.
… und was gibt es sonst noch zu berichten:
  • Wer Oldtimer liebt, sollte dringend nach Uruguay kommen – hier fahren viele Modelle noch umher;

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  • Tannat – die Uruguayer Weinrebe – durchaus nach unserem Geschmack, wir sind gespannt, ob wir diese später auch einmal zu Hause finden;
  • Montevideo – und die unheimliche Suche nach funktionsfähigen, gefüllten Bankomaten – eine tagesausfüllende Beschäftigung;
  • Mein erster Wal in der Laguna de Rocha- leider ein Toter;

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  • Eingang zu Mittelerde wurde gefunden;

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  • Die Fauna und Flora ist unglaublich – vom Flamingo zum Geier, leider auch das Kleingetier;

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  • Ach ja – es ist übrigens bereits hier sehr windig. Ohne den Wind wären die Temperaturen wohl auch nicht auszuhalten.

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Muy bien – bald mehr!